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Kommentar von Sabine Bösl Startseite Topmeldung

Sprachtests brauchen Ressourcen und wirksame Förderangebote

Bundesbildungsministerin Prien plant bundesweite Sprachtests für Vierjährige. Sabine Bösl, Leiterin der Abt. Schul- und Bildungspolitik, begrüßt den stärkeren Fokus auf frühe Bildung, warnt aber: Ohne Ressourcen und passgenaue Förderung greifen Tests zu kurz.

Bundesbildungsministerin Karin Prien will künftig alle Vierjährigen nach einheitlichen Standards auf Sprache und Entwicklung testen lassen, um einen guten Übergang zur Grundschule zu ermöglichen. Dies geht aus dem Entwurf eines neuen Kita-Gesetzes hervor. Bei Bedarf sollen die betroffenen Kinder besonders gefördert werden. Bis 2034 will der Bund dafür insgesamt 9,25 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. 

Frühe Förderung schafft Bildungschancen

Hintergrund der Investitionen in die frühkindliche Bildung sind die unterschiedlichen Bildungschancen der Kinder, die sich schon vor der Grundschule zeigen und die gesamte Bildungsbiografie prägen können. Hier muss eine passgenaue Förderung möglichst früh ansetzen, wie Studien immer wieder betonen. Jüngst warnte der Nationale Bildungsbericht 2026 eindringlich davor, dass sich die Bildungsschere in Deutschland bereits im Alter von zwei Jahren – also weit vor der Einschulung – öffnet. Frühkindliche Bildung legt das Fundament für die Zukunft. „Hier lohnt sich jede Investition“, betont Sabine Bösl, Leiterin der Abteilung Schul- und Bildungspolitik.

Mehr finanzielle und personelle Ressourcen

Die Kitas sollen nun mehr Geld und Zeit für die neuen Tests und die Förderung bekommen. Prien sieht zusätzliche personelle Ressourcen vor. Das ist richtig und wichtig. Erst Personal und Zeit zur Verfügung stellen, bevor die Maßnahmen umgesetzt werden sollen, befürwortet der BLLV ausdrücklich. Hier wurden in Bayern bei der Einführung der Sprachstandserhebungen im vergangenen Schuljahr andere Erfahrungen gemacht. Der Start war holprig und schwierig. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort mussten einen politischen Schnellschuss ausbaden, wie der BLLV in einer Pressekonferenz deutlich machte. Rund 42.600 Kinder wurden in Bayern im laufenden Schuljahr in etwa 4.580 eingerichteten Vorkursen gefördert. Für viele Kinder reichen der Besuch einer Kita und der Vorkurs nicht aus. Sie brauchen mehr individuelle Förderung. Kitas und Grundschulen benötigen dafür entsprechend ausgebildetes Personal. 

Benachteiligungen vor der Grundschule abbauen

Künftig soll es ausdrücklich zu den Aufgaben der Kindertageseinrichtungen gehören, Benachteiligungen abzubauen. Dies begrüßen wir. Der BLLV hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Bildungsgerechtigkeit eine der wichtigsten bildungspolitischen Herausforderungen unserer Zeit ist. 

Sprachtests sind eine Momentaufnahme und erkennen punktuell Förderbedarf. Wichtig ist auch eine kontinuierliche Beobachtung der Entwicklung eines Kindes. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz. Dadurch müssen individuelle Bedarfe diagnostiziert sowie Stärken und Herausforderungen erkannt werden. 

Passgenaue Förderung entscheidend

Entscheidend ist eine hochwertige, passgenaue Förderung. Eine Diagnostik ist immer nur so gut wie die zielgerichteten Fördermaßnahmen, die sich daraus ergeben und verlässlich zur Verfügung stehen, betont Bösl. Bei der flächendeckenden Umsetzung der Förderung besteht in Bayern noch Verbesserungsbedarf, wenn Personal zur Bewältigung der Aufgaben an anderer Stelle abgezogen wird oder Vorkurse von nicht ausgebildetem Personal durchgeführt werden müssen. 

Alle Kinder sollen früh eine bestmögliche Entwicklungsunterstützung bekommen, damit der Übergang in die Grundschule gut gelingen kann. Die geplanten Erleichterungen bei der Datenweitergabe zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen können hier zusätzlich helfen. Dies begrüßen wir im BLLV ausdrücklich. 

Wenn Bildungsgerechtigkeit mehr als ein politisches Schlagwort sein soll, braucht es verbindliche Prioritäten, entsprechende Rahmenbedingungen, ausreichende Ressourcen und den politischen Willen zur Umsetzung in Bayern und im Bund. 

>> Zur Pressemitteilung des VBE (Verband Bildung und Erziehung): “Sprachstandstests sind keine Oase der Glückseligkeit”

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