Ein Bericht im Münchner Merkur zeigt am Beispiel der Grund- und Mittelschule Hausham, vor welchen Herausforderungen Schulen bei der Umsetzung der 2023 eingeführten Sprachstandserhebungen stehen. Markus Rewitzer, Rektor der Grund- und Mittelschule sowie Fachgruppenleiter Schulleitung im BLLV-Kreisverband Miesbach berichtet, dass das neue Verfahren ihn und seine Kolleg:innen rund vier Monate lang beschäftigt. Früher habe ein kurzer E-Mail-Austausch mit den Kindergärten ausgereicht, um zu erfahren, welche Kinder am Sprachkurs seiner Schule teilnehmen würden. Über die zusätzlichen organisatorischen Herausforderungen sagt er: „Hier wurde ein seit vielen Jahren etabliertes System ad absurdum geführt.“
Rewitzer und der Miesbacher Kreisvorsitzende Markus Schäffner warnen davor, dass Schulen weiter mit Mehrarbeit belastet werden - trotz vermeintlicher Entbürokratisierungsversuche. Sie äußern die Sorge, dass Frühpensionierung und begrenzte Dienstfähigkeit ansteigen. Dies würde den ohnehin schon drastischen Lehrkräftemangel weiter verschärfen.
Pädagogische Ziele und schulische Realität müssen Hand in Hand gehen
Für den BLLV ist klar: Gute Sprachkenntnisse sind eine zentrale Voraussetzung für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe. Frühzeitige Sprachförderung kann entscheidend dazu beitragen, Kinder bereits vor dem Schuleintritt bestmöglich zu unterstützen. Entscheidend ist jedoch, dass die Maßnahmen in der Praxis funktionieren und die vorhandenen Ressourcen wirksam eingesetzt werden. Der Fokus sollte auf individueller Förderung liegen anstatt auf Verfahren, die einen unverhältnismäßig hohen organisatorischen Aufwand verursachen.
Die Erfahrungen zeigen exemplarisch, wie wichtig es ist, bildungspolitische Maßnahmen nicht nur gut zu planen, sondern auch konsequent an den Bedingungen vor Ort auszurichten. Nur wenn pädagogische Ziele und schulische Realität zusammenpassen, können Reformen nachhaltig zum Erfolg werden.