Beim Übergang von der Schule in die Arbeitswelt hat sich viel verändert, betont BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit dem Wochenanzeiger über Berufsberatung an Schulen: “Die erste Berufswahl ist heute nicht zwangsläufig die Entscheidung für die nächsten 30 oder 40 Jahre. Dafür verändert sich unsere Arbeitswelt viel zu schnell. Schauen wir uns allein die Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz an: Da entstehen neue Tätigkeiten und Berufe verändern sich, andere verschwinden hingegen.“
Weil diese Entwicklungen weder für Lehrkräfte noch für Schüler:innen vorhersehbar sind, kommt es bei der Beratung an Schulen nicht mehr ganz so stark auf den Vergleich konkreter Professionen an, meint Fleischmann: “Wenn ich noch nicht weiß, ob es Beruf A, B oder C werden soll, würde ich zunächst gar nicht so sehr auf einzelne Berufe schauen. Ich würde mich fragen: Was kann ich eigentlich richtig gut? Bin ich jemand, der gerne analytisch denkt oder bin eher ich jemand der lieber praktisch arbeitet? Wie lerne ich eigentlich gut? Eher Studium oder doch lieber Ausbildung?“ Fleischmanns Erfahrung aus der Praxis: “Wenn junge Menschen anfangen, sich solche Fragen zu stellen, kommen sie der richtigen Entscheidung oft sehr schnell näher.“
Stärken bewusst machen, Optionen aufzeigen
Damit verändert sich auch die Rolle der Schulen im Hinblick auf die Unterstützung, wie es nach dem Abschluss weitergehen kann, meint die BLLV-Präsidentin: “Je ganzheitlicher eine Schule ihren Bildungsauftrag versteht, desto besser kann sie junge Menschen dabei unterstützen, herauszufinden, wer sie sind, was sie können und wohin sie wollen.“
Wenn das erreicht ist, profitieren Jugendliche dann im nächsten Schritt auch viel mehr von konkreten Vergleichsangeboten, schildert Fleischmann: “Das kann über Praktika passieren, Ausbildungs- und Berufsmessen, Kooperationen mit Ausbildungsstätten oder indem ehemalige Schülerinnen und Schüler in die Schule kommen und berichten: Was mache ich heute eigentlich? Wie bin ich dort hingekommen? Und wie sieht mein Arbeitsalltag aus?“
Gesellschaftliche Erwartungen und Rollenklischees helfen nicht
Sie selbst sei stark durch die Eindrücke vom Schulalltag beeinflusst gewesen, den sie im Elternhaus mitbekommen hat, berichtet Simone Fleischmann: “Ich hatte das Glück, dass mir schon sehr früh klar war, dass ich unbedingt Lehrerin werden möchte. Das liegt natürlich auch daran, dass mein Vater ebenfalls Lehrer war und ich da einfach sehr viel mitbekommen habe. Bis heute bin ich absolut zufrieden mit der Entscheidung und sage, bei aller Kritik an den Rahmenbedingungen, immer wieder: ‘Für mich ist es der schönste Beruf der Welt!‘“
Eine besondere Herausforderung sei indes, dass viele junge Menschen ihre Entscheidung nach wie vor an Geschlechterstereotypen ausrichten: “Wir sehen leider auch heute noch, dass die Berufswahl von klassischen Rollenbildern geprägt ist: Mädchen interessieren sich häufiger für soziale, gesundheitliche oder kaufmännische Berufe, Jungen eher für technische oder handwerkliche“, berichtet die BLLV-Präsidentin. Hier könnten Angebote wie Girls‘ Day und Boys‘ Day den Horizont erweitern. Denn: “Am Ende zählt schließlich, was zu einem Menschen passt – unabhängig von irgendwelchen gesellschaftlichen Erwartungen!“, betont Simone Fleischmann.
Selbstbewusst und handlungsfähig: Davon profitieren alle
Schließlich profitiert die Gesellschaft insgesamt von einer stärkenorientierten Berufsentscheidung, meint die BLLV-Präsidentin: “Wenn Schule junge Menschen resilient, selbstbewusst und handlungsfähig macht, dann haben wir sehr viel erreicht. Denn am Ende brauchen wir junge Menschen, die nicht mit Angst auf ihre Zukunft schauen, sondern sagen: ‘Da kommt einiges auf mich zu, aber ich weiß damit umzugehen.‘“
» zum Bericht im Wochenanzeiger: “Was kann ich eigentlich richtig gut?”
Wie Schulen bei der Berufswahl unterstützen können
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„Die Schlüsselfrage ist: Was kann ich richtig gut?“
Wie geht es nach dem Schulabschluss weiter? Diese Frage setzt Schüler:innen oft unter Druck, schildert BLLV-Präsidentin Fleischmann und rät: Weil heute auch nach dem Einstieg viele Wege offenbleiben, braucht es vor allem Klarheit über eigene Stärken.