Genau darum muss es gehen, wenn wir junge Menschen dabei unterstützen wollen, sich sicher, selbstbestimmt und reflektiert in einer zunehmend digitalen Welt zu bewegen. Wir müssen anerkennen, dass Kinder und Jugendliche – und auch wir Erwachsenen – bei der Nutzung sozialer Netzwerke oft mit hochprofessionellen Algorithmen konfrontiert sind, die auf maximale Verweildauer abzielen. Gerade deshalb wird deutlich, wie wichtig eine ganzheitliche Prävention ist. Schule hat nicht nur die Aufgabe, Wissen zu vermitteln, sondern auch junge Menschen resilient zu machen. Die Förderung einer umfangreichen Medienkompetenz – auch im Hinblick auf Künstliche Intelligenz, Deepfakes und Fake News – leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag. Kinder und Jugendliche müssen lernen, Informationen kritisch einzuordnen, digitale Inhalte zu hinterfragen und verantwortungsvoll mit neuen Technologien umzugehen. Medienbildung ist deshalb weit mehr als die Vermittlung technischer Kompetenzen: Sie ist eine zentrale Voraussetzung für demokratische Teilhabe. Denn Medienbildung ist Demokratiebildung.
Eltern stärken – Orientierung geben
Der BLLV vertritt seit jeher einen ganzheitlichen Bildungsbegriff. Bildung bedeutet für uns nicht nur fachliches Lernen, sondern auch Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit, Demokratiekompetenz und gesellschaftliche Verantwortung. Die neue Agenda greift diese Aspekte auf. Ebenso begrüßen wir als BLLV, dass Eltern ausdrücklich mitgedacht werden. Viele Familien wissen oftmals nicht im Detail, was auf den Smartphones ihrer Kinder tatsächlich geschieht oder wie sie den enormen Sogwirkungen der sozialen Medien begegnen können. Umso wichtiger ist das neue Informationsangebot der Ministerien, um Eltern zu stärken und ihnen Orientierung zu geben, damit sie ihre Kinder kompetent begleiten können.
Genügend Zeit und Profis für die Medienbilduung
Auch die Ausweitung der privaten Handybeschränkungen bis zur 7. Jahrgangsstufe kann einen wertvollen Beitrag leisten, um Schule als Raum der Konzentration und der echten Begegnung zu stärken. Richtig ist zudem der Ansatz der Agenda, dass Beratungslehrkräfte sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen eine wichtige Rolle in der Umsetzung spielen sollen. Doch genau hier zeigt sich die Krux der schulischen Realität: Wir haben in Bayern aktuell schlichtweg viel zu wenige Beratungslehrkräfte sowie Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Jene, die wir haben, arbeiten angesichts stetig wachsender Aufgabenpakete und viel zu knapper Anrechnungsstunden ohnehin bereits massiv am Limit. Gute Konzepte auf dem Papier fangen die Kinder in der Praxis nicht auf. Wer Prävention ernst meint, muss das System Schule entlasten und die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Wir brauchen zwingend mehr Personal, mehr Zeit für Medienbildung und einen konsequenten Ausbau multiprofessioneller Teams an unseren Schulen. Ebenso wichtig ist die Stärkung außerschulischer Beratungsstellen und der Jugendarbeit, damit Schülerinnen und Schüler sowie Familien flächendeckend Unterstützung erhalten.
Die Gesundheit der Lehrkräfte im Blick
Dabei darf diese wichtige zusätzliche Förderung keinesfalls zulasten der Gesundheit der Lehrkräfte gehen. Schon heute leisten viele Kolleginnen und Kollegen enorme Zusatzarbeit. Damit die ambitionierten Angebote der Agenda im Schulalltag erfolgreich umgesetzt werden können, brauchen Lehrkräfte ausreichend Zeit, verlässlichen professionellen IT-Support und praktikable Rahmenbedingungen. Neue Aufgaben – wie die Arbeit mit dem angekündigten Social-Media-Kompass – dürfen nicht einfach auf bestehende Belastungen aufgesattelt werden.
Deshalb begrüßen wir als BLLV ausdrücklich, dass Kultusministerin Stolz gemeinsam mit Gesundheitsministerin Gerlach eine klare Position bezieht. Der Schutz und die digitale Kompetenz unserer Kinder sind heute wichtiger denn je. Nun ist die Politik gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen und die Schulen verlässlich auszustatten, damit aus guten Absichten auch eine nachhaltige und gesunde Wirkung für die Schulfamilie werden kann.