Hans_Maier_Nachruf.jpg
Zum Tod von Kultusminister a.D. Prof. Dr. Hans Maier Startseite Topmeldung

Ein Schwergewicht. Streitbar und unbeirrt.

Von 1970 bis 1986 hat Hans Maier die bayerische Bildungspolitik als Kultusminister geprägt und das Kabinett „quergelegt“. Am 8. Juni 2026 ist der ehemalige Politiker im Alter von 94 Jahren gestorben. Ein Nachruf von BLLV-Ehrenpräsident Albin Dannhäuser.

Als „Geistesgröße mit bestechender Intellektualität“, als „Primus im Kabinett“, als „Politiker mit eigenem Gewissen“ und als „Speerspitze der Gegenreform“ wurde Hans Maier 1986 bei seinem Ausscheiden aus dem Amt des Kultusministers geradezu überschwänglich gewürdigt. 16 Jahre hatte er die Bildungs- und Kulturpolitik Bayerns geprägt und im Bund als „Bayerischer Granit“ die weiß-blaue Sonderrolle definiert. Hans Maier bestach durch sein profundes Wissen, seine intellektuelle Schärfe, seine brillante Eloquenz und nicht zuletzt dadurch, dass er es sich erlaubte, im Kabinett querzulegen.

Als Hans Maier 1970 in das Amt des Kultusministers berufen wurde, galt dieses als „Feuerstuhl“. Einerseits klang die bildungs- und gesellschaftspolitische Reformeuphorie der 60er Jahre noch nach, andererseits lieferten sich die Parteien heftige Kämpfe in der Frage des Schulsystems und seiner pädagogischen Orientierung. 

In dieser Auseinandersetzung profilierte sich Hans Maier als Protagonist der konservativen Kräfte. So war er ein erbitterter Gegner der integrierten Gesamtschule. Er unterstellte ihr „Leistungsverfall“ und die Vergabe von „Billigabschlüssen“. Als Hüter des schulpolitischen Reinheitsgebots hielt er ihr das gegliederte, selegierende System entgegen. Als überzeugter Katholik und Präsident des Zentral-Komitees lehnte er einen Wertepluralismus der Gesellschaft ab und plädierte für den Konsens der Grundwerte. Anstelle einer „Emanzipationspädagogik“ forderte er die „Wiedergewinnung des Erzieherischen“. In der Kultusministerkonferenz betrieb die Auflösung des Deutschen Bildungsrates und verhinderte die Fortschreibung des Bildungsgesamtplans. Dabei berief er sich auf den Kulturföderalismus und die Eigenverantwortung der einzelnen Länder. 

So sehr Hans Maier gegenüber dem Bund als „Bremser“ wahrgenommen wurde, so sehr trieb er in Bayern nachhaltige Prozesse voran:  Unter anderem den Ausbau der Lehrerfortbildung und der Schulberatung, die Vorlage von curricularen Lehrplänen und Schulentwicklungsplänen. In der Pädagogik für Ausländerkinder prägte er den Begriff des „interkulturellen Lernens“ und bot damit Kindern mit anderen Sprachen und Religionen in der deutschen Schule eine Heimat. Dazu er stellte ca. 800 ausländische Lehrerinnen und Lehrer ein. In seiner Amtszeit trugen nicht weniger als neun Gesetze seine Handschrift – vom Kindergarten über die Hochschule und Erwachsenenbildung bis hin zum Erziehungs- und Unterrichtsgesetz und zum Lehrerbildungsgesetz. – Allerdings markierte das Lehrerbildungsgesetz eine der schärfsten Auseinandersetzungen mit dem BLLV.

Während Hans Maier 1974 seine Zustimmung zur Stufenlehrerausbildung gegeben hatte – auch gegenüber dem BLLV – um die „jahrhundertealte Zersplitterung der Lehrerbildung“ zu beenden, vollzog er zwei Jahre später eine Kehrtwendung und liquidiert das Gesetz. Damit brachte er die CSU wieder ins Zwielicht einer reaktionären Kulturpolitik und erschütterte die Glaubwürdigkeit in der Lehrerschaft. Allerdings brachte eine neue Gesetzesvorlage gewisse Fortschritte in den pädagogischen Fächern. Und es bleibt auch das historische Verdienst Hans Maiers, dass die Lehrerbildung in die Universität integriert wurde. Anzuerkennen ist darüber hinaus, dass er, als Mitte der 70er Jahre eine Massenarbeitslosigkeit von jungen Lehrerinnen und Lehrern drohte, die Vorschläge des BLLV aufgriff, und der Einführung von Wartelisten, der Erweiterung der Teilzeitmöglichkeiten und der Einführung einer mobilen Lehrerreserve zustimmte.

Das Verhältnis zwischen Hans Maier und dem BLLV war bisweilen kontrovers und spannungsgeladen. Meinungsverschiedenheiten wurden rhetorisch nicht übertüncht, sondern – auch medienwirksam – in großer Offenheit ausgetragen. Aber dies verstanden beide als Kern demokratischer Meinungsbildung und als Indiz gegenseitiger Unabhängigkeit. Hans Maier selbst stellte bei seiner Verabschiedung durch den BLLV rückblickend fest: „Es war nicht alles eitel Harmonie. Dennoch hat uns vieles verbunden.“ Das wird im Blick auf einen turbulenten Abschnitt der BLLV-Geschichte bleiben.
 

<< Albin Dannhäuser, BLLV-Ehrenpräsident
 

Weiterführende Informationen

BR24 vom 9. Juni 2026

"Nie und nirgends fürchten": Hans Maier ist gestorben

Seine Kennzeichen waren Prinzipientreue, Liberalität und Furchtlosigkeit. Weder als langjähriger bayerischer Kultusminister noch als engagierter Katholik und vielfach ausgezeichneter Politologe scheute er Auseinandersetzungen mit Autoritäten. Hans Maier verstarb am 8. Juni 2026 nach kurzer Krankheit in einem Münchner Krankenhaus ... weiterlesen

Mehr zum Thema