“Sicherheit im Verkehr ist eines der wichtigsten Themen für unsere Kinder. Dabei ist aber nicht nur und auch nicht zuvorderst die Schule in der Pflicht. Die Eltern müssen einen wesentlichen Beitrag leisten”, betonte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann schon Ende 2024 als in Bayern der neue “Radl-Führerschein” angekündigt wurde. Mit dem Radl-Führerschein hatte das Kultusministerium damals unter anderem auf die Meldung der Polizeipräsidien reagiert, die eine mangelnde Verkehrs- und Fahrrad-Kompetenz bei den jungen Verkehrsteilnehmern feststellten.
Verkehrserziehung stärken?
Gerade jetzt gewinnt die Diskussion zur Verkehrssicherheit wieder an Fahrt aufgrund der aktuellsten Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Demzufolge ist die Zahl der Schulweg-Unfälle vom ersten Halbjahr 2024 zum ersten Halbjahr 2025 bundesweit von 40.416 auf 42.303 gestiegen. Laut ADAC ist das auch der Verkehrssituation geschuldet, die mit leisen E-Autos, Lastenrädern und Eltern-Taxis gerade in den Städten aber auch auf dem Land zunehmend komplexer wird. Kinder bräuchten deshalb mehr Zeit, um zu lernen, sich sicher und gleichzeitig selbstständig in dieser komplexeren Mobilitätswelt zu bewegen. Auch die Lehrkräfte fordern deshalb teilweise mehr und intensivere Verkehrserziehung, wie eine Studie im Auftrag der ADAC-Stiftung ergab.
Die Schulen kämpfen mit der Menge immer neuer Aufgaben
Die Schule solls also mal wieder richten, während das bayerische Kultusministerium betont, man habe mit der Einführung des Radlführerscheins ohnehin gerade die Verkehrserziehung gestärkt. Das Thema ist enorm wichtig! Gerade deshalb muss man aber auch nach den Prioritäten für die Schulen fragen. Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass von den Schulen immer mehr und immer breitere Kompetenzvermittlung gefordert werde: “Wir erleben auch die Demokratie, die irgendwie kippt. Wir erleben Kinder, die fettleibig sind. Wir erleben viele psychiatrische Störungen, die Kinder entwickeln. Und all diese gesellschaftlichen Herausforderungen sollen dann in der Schule angegangen werden.” Da stelle sich natürlich die Frage, ob man an anderen Stellen Stunden streicht oder Unterrichtszeiten verlängert. Aber mit welchen Ressourcen?
Eigenverantwortlichkeit der Schulen stärken
Fleischmann plädiert für Flexibilität und Eigenverantwortung der Schulen: "Die eigenverantwortliche Schule gibt es schon lange. Man muss uns aber auch diese Freiheit lassen." Schon jetzt sei nämlich klar: "Wenn eine Schule vor Ort ganz klare Brennpunkte hat, die verdammt gefährlich sind, wenn mehr Unfälle passiert sind, dann wird man da genau den Schwerpunkt setzen und vielleicht dann den Salatacker im Pausenhof nicht anpflanzen."
Auch die ADAC-Stiftung betont, dass Eltern und Familien bei der Verkehrserziehung eine zentrale Rolle spielen. Und auch gegen die Vielzahl der "Elterntaxis", die die Verkehrssituation vor den Schulen zuspitzen, müsse weiter konsequent vorgegangen werden.