Lehrkräfte wissen aus täglicher Erfahrung: Bildung braucht mehr als Unterricht – und Lernen braucht mehr als ein Klassenzimmer. Gerade auf Klassenfahrten erleben sie ihre Schülerinnen und Schüler von einer anderen Seite. Talente werden sichtbar, Rollen verändern sich, Verantwortung wird übernommen und aus vielen Einzelnen wächst eine Gemeinschaft.
Gemeinschaft neu erleben
„Aus meiner Klasse wird unsere Klasse. Gemeinschaft wird nicht erklärt, sondern gelebt“, bringt Sandra Schäfer, Vorsitzende des NLLV und Vizepräsidentin des Bayerischen Schullandheimwerks, diese Erfahrung auf den Punkt. „Es findet nicht nur ein Perspektivwechsel statt, sondern auch ein Rollenwechsel: Ich sehe den anderen anders – und erlebe mich selbst anders.“
Das gilt auch für die Lehrkräfte selbst. Außerhalb des Klassenzimmers verändert sich ihre Rolle: Sie sind nicht nur Wissensvermittlerinnen und Wissensvermittler, sondern Begleiter:in, Beobachter:in und manchmal selbst Lernende. Sie erleben ihre Klassen neu und kehren mit einem anderen Blick auf ihre Schülerinnen und Schüler in die Schule zurück.
Mehr als Unterricht: Lernen außerhalb des Klassenzimmers
Aus Sicht der Lehrkräfte sind außerschulische Lernorte deshalb kein Extra und kein Anhängsel von Schule. Sie sind ein wesentlicher Teil guter Bildung. Schulische und außerschulische Bildung gehören untrennbar zusammen. Ganzheitliche Bildung heißt Lernen mit Kopf, Herz und Hand.
Gerade jetzt ist das von besonderer Bedeutung. Demokratie braucht Begegnung. Junge Menschen müssen erfahren können, wie es ist, Verantwortung füreinander zu übernehmen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Konflikte zu lösen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Werteorientierung, Persönlichkeit und soziale Kompetenz sind nicht downloadbar, sie entwickeln sich in echter Begegnung und durch gemeinsame Erfahrungen, so Schäfer.
Verlässliche Partner an der Seite der Schulen
Dafür brauchen Lehrkräfte starke Partner. Jugendherbergen und die bayerischen Schullandheime stehen hier Seite an Seite mit den Schulen. Seit Jahrzehnten schaffen sie verlässliche Räume, in denen Lernen, Gemeinschaft und Persönlichkeitsbildung außerhalb des Klassenzimmers möglich werden.
Gerade angesichts der hohen Anforderungen an Schule brauchen Lehrkräfte Unterstützung und gute Rahmenbedingungen, damit solche Erfahrungen nicht zur zusätzlichen Hürde werden, sondern für möglichst viele Schülerinnen und Schüler möglich bleiben. Der BLLV begrüßt deshalb die Unterstützung dieser wichtigen Bildungs- und Begegnungsorte durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales unter Staatsministerin Ulrike Scharf.
100 Jahre Engagement für Bildung und Gemeinschaft
Der BLLV gratuliert Klaus Umbach, Präsident des Jugendherbergswerks Bayern, und dem gesamten Verband herzlich zu 100 Jahren engagierter Arbeit für junge Menschen und dankt für die verlässliche Partnerschaft mit Schulen und Lehrkräften.
100 Jahre Jugendherbergen zeigen: Gute Bildung braucht starke Schulen und starke Orte außerhalb von Schule. Jugendherbergen und Schullandheime sind solche Orte. Für unsere Schülerinnen und Schüler. Für unsere Lehrkräfte. Und für eine Gesellschaft, die Gemeinschaft und Demokratie nicht nur erklärt, sondern lebt.
Herzlichen Glückwunsch zu 100 Jahren, auf ein kraftvolles gemeinsames nächstes Jahrhundert!