Der BLLV tritt dafür ein, dass das UNESCO-Ziel einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung (externer Link) im gesamten Bildungswesen Bayerns einen zentralen Stellenwert bekommt. Dieses Ziel einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung ist bereits in Artikel 131 der Bayerischen Verfassung verankert, allerdings fehlt es an einer konsequenten Umsetzung und an einer Bayerischen Landesstrategie, wie sie in einigen Bundesländern bereits seit Jahren implementiert ist.
BNE in Deutschland und Bayern: Was bremst die zentrale Verankerung im gesamten Bildungswesen?
Schon lange fordert der BLLV – auch im „Pakt für BNE“ – eine Bayerische BNE-Landesstrategie. Das Ziel: Entsprechend der UNESCO-Vorgaben, BNE als Leitgedanken tief im gesamten Bildungswesen zu verankern. Wo stehen wir und wo hakt es?
BNE ist kein “optionales ökologisches Zusatzprojekt”
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: „Bildung muss Schülerinnen und Schüler dafür begeistern, informierte Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und aktiv an der Gesellschaft mitzuwirken. Und Bildung muss die Kinder und Jugendlichen auch dazu befähigen. Nachhaltigkeit und demokratische Bildung sind dabei untrennbar miteinander verbunden: BNE vermittelt nicht nur Wissen über ökologische, soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge, sondern fördert kritisches Denken, Urteilsfähigkeit und eine wertebasierte Orientierung und damit die Grundpfeiler eines demokratischen Gemeinwesens.”
Anerkanntes Thema – schwächelnde Umsetzung
Ein wichtiges Thema also. Warum es mit dem großen Auftrag nicht vorangeht, hat deshalb auch die Redaktion des Bildung.Table Newsletters in der Ausgabe vom 26. August 2026 gefragt. Schließlich sei das Thema anerkannt. Schon 2007 setzte die Kultusministerkonferenz (KMK) mit der Unesco Empfehlungen zur BNE-Umsetzung auf, die 2024 überarbeitet wurden. Im gleichen Jahr erstellten die KMK und das Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) einen BNE-Orientierungsrahmen für die schulische Umsetzung, der 2016 aktualisiert und 2025 für die gymnasiale Oberstufe erweitert wurde. 2017 veröffentlichte die Nationale Plattform BNE unter dem Vorsitz des BMBF ihr Konzept für den Nationalen Aktionsplan BNE.
Und rein theoretisch ist BNE auch in den deutschen Bundesländern inzwischen verankert: mit Zertifizierungen, Anpassungen der Lehrpläne, zentralen Anlaufstellen zur Koordinierung und Vernetzung und vielem mehr, wie Bildung.Table betont. Entsprechend sieht die Bundesregierung in ihrem Jahresbericht zur BNE-Umsetzung die Umsetzung auf einem guten Kurs.
BNE muss ganzheitlich und partizipativ verankert werden
In der Realität bleibt die Umsetzung allerdings ein Stückwerk, das momentan an den Schulen oft nur im Bio- oder Sozialkunde-Unterricht eine kleine Rolle spielt. Die Idee von BNE ist aber eine völlig andere: BNE muss ganzheitlich und partizipativ verankert werden. Auch deshalb setzt sich der BLLV mit mehr als 60 weiteren Organisationen im „Pakt für BNE“ dafür ein, dass das Thema in den Schulen besser und umfassend integriert wird, mit BNE als zentralem Hebel für gesellschaftliche Transformation. Bildung für nachhaltige Entwicklung darf kein Randthema bleiben. Sie muss strukturell, verbindlich und mit ausreichenden Ressourcen im Zentrum aller Bildungsbereiche stehen – von der Ausbildung der Lehrkräfte bis hin zur Schulentwicklung vor Ort. Im Gespräch mit Bildung.Table betonen das unter anderem auch Thomas Hohn, Bildungsexperte von Greenpeace und Co-Autor des Nationalen Aktionsplans BNE.
Die Schulen wollen BNE
Jorrit Holst, Nachhaltigkeitsforscher am Institut Futur der Freien Universität Berlin, verweist bei Bildung.Table außerdem darauf, dass sich auch sehr viele Schulleitungen und Lehrkräfte mehr BNE wünschen. Doch in der Schulentwicklung und Lehrerbildung habe sich in den meisten Ländern wenig getan. Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann räumt im Gespräch mit Bildung.Table ein, das Bündnis „Pakt für BNE“ in Bayern sei vier Jahre nach seiner Gründung „nicht mehr so agil und gefragt“ wie zuvor. Es herrsche politischer Stillstand rund um die geforderte, finanziell unterfütterte und ressortübergreifende BNE-Strategie.
Vielleicht sei das der Landesregierung parteipolitisch „zu grün“, so die BLLV-Präsidentin. Angesichts der jüngsten Hitzewellen könnte BNE wieder mehr Konjunktur erhalten, hofft Fleischmann, wissend, dass sie BNE damit auf Umweltthemen reduziert. Das wiederum könnte zum Bumerang für das Konzept werden. Allerdings braucht es natürlich auch immer wieder „Proofpoints” und thematische Anker, um zu zeigen, warum wir mehr BNE brauchen, auch in Form einer BNE-Landesstrategie für Bayern!
Weiterführende Informationen:
>> Zum Pakt für BNE
>> Zum Bildungskonzept der Vereinten Nationen auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
>> Zur BNE-Themenseite des BLLV