Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
die Problematik des (KI-unterstützten) Unterschleifs bei (Abschluss-)Prüfungen, insbesondere bei der Abiturprüfung, ist ein Thema, welches unsere Kolleginnen und Kollegen sehr stark umtreibt!
Dass Ihnen und Ihrem Haus die Problematik bewusst ist, zeigt das Kultusministerielle Schreiben (KMS) vom 03.03.2026 und die Übersicht auf https://www.km.bayern.de/gestalten/digitalisierung/kuenstliche-intelligenz/unterschleif.
Aus unserer Sicht sind einige der dort aufgeführten Empfehlungen allerdings nicht umsetzbar!
So ist es schlichtweg unmöglich, während einer Abiturprüfung auf sog. "auffällige Augenbewegungen" zu achten.
Auch ist es aus naheliegenden Gründen nicht zumutbar, dass Lehrkräfte die Brustpartie von Schülerinnen und Schülern in Augenschein nehmen, um etwaige KI-Wearables, wie beispielsweise sog. KI-Pins, zu entdecken.
Uns haben darüber hinaus Mitteilungen von Lehrkräften am Gymnasium erreicht, die den hohen Aufwand belegen, der vor Ort unternommen werden musste, um einen möglichst fairen Prüfungsverlauf zu ermöglichen.
Diese reichen von der Verpflichtung alle Taschen von Hosen und Kapuzenpullovern zu leeren über das Verbot, eigene Schreibutensilien zu benutzen bzw. die Überprüfung aller Schreibgeräte und Brillen im Vorfeld durch die Lehrkräfte, das Herumgehen während der Prüfung mit einem Frequenzdetektor bis hin zur Kontrolle der Gehörgänge.
Dies stellt nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern insbesondere für die Lehrkräfte eine unzumutbare Belastung dar!
Gleichzeitig ist es zweifelhaft, ob diese Maßnahmen ausreichen, um wirksam KI-gestützten Unterschleif verhindern zu können.
Auch ist es kaum zumutbar, dass die Schulen im Nachgang der Abiturprüfungen bei verdächtigen Arbeiten mündliche Zusatzprüfungen als Voraussetzung eines Anscheinsbeweises durchführen.
Die Absolventinnen und Absolventen der Abiturprüfungen konkurrieren mit ihrer Prüfungsnote um Studienplätze.
KI-gestützter Unterschleif unterminiert die nötige Chancengerechtigkeit und führt dazu, dass die ehrlichen Absolventinnen und Absolventen schlussendlich die dummen sind.
Sehr geehrte Frau Staatsministerin,
wir fordern Sie auf, für Bayern einfach umsetzbare, technische Regelungen, beispielsweise zur Blockade des Datenverkehrs zu finden, die nachhaltig KI-gestützten Unterschleif unterbinden!
Wir wären außerdem sehr dankbar, wenn Sie auch in Ihrer Funktion als amtierende Präsidentin der Bildungsministerkonferenz eine deutschlandweite Initiative anstoßen würden, die bis zu den Abiturprüfungen im Jahr 2027, ggf. in Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur und den Landesdatenschutzbeauftragten, für alle Schulen in Deutschland gangbare Lösungen finden würde!
Für weiterführende Gespräche stehen wir selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung!
Mit freundlichen Grüßen
Simone Fleischmann