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Miteinander macht Schule: Antisemitismuskritische Bildung an Mittelschulen

Antisemitismus nimmt auch an Schulen zu. Ein Projekt der Europäischen Janusz Korczak Akademie stärkt Kinder und Jugendliche als Multiplikatoren. Mit Workshops, gemeinsamem Kochen und Schauspielerei sollen Vorurteile abgebaut und Demokratie gestärkt werden.

Antisemitismus ist in Deutschland wieder zunehmend sichtbar. Beleidigungen, Ausgrenzung und Gewalt zeigen, dass das Problem längst kein Randphänomen mehr ist. Leider macht diese Entwicklung auch vor bayerischen Schulen nicht Halt. An vielen Realschulen und Gymnasien gibt es bereits Projekte und Programme, um die Kinder und Jugendlichen aufzuklären und zu sensibilisieren. Für Mittelschulen gab es bisher nur wenige Initiativen.

Miteinander macht Schule

Der BR berichtet über das neue Projekt “Miteinander macht Schule: Antisemitismuskritische Bildung an Mittelschulen”. Damit will die Europäische Janusz Korczak Akademie nun auch an Mittelschulen gegen Antisemitismus vorgehen. Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

Im Mittelpunkt stehen Workshops über Gemeinsamkeiten und gemeinsames Kochen. Die Schülerinnen und Schüler üben auch Theaterstücke ein und führen diese auf. Zu den Vorführungen werden die Eltern eingeladen. Beim Theater spielen sollen die Kinder und Jugendlichen darin bestärkt werden, sich ihre eigene Meinung zu bilden anstatt Vorurteile unreflektiert zu übernehmen. Eva Haller, die Präsidentin der Bildungseinrichtung, betont: „Die Jugendlichen sollen so zu Multiplikatoren werden." Es gehe darum, dass junge Menschen ihre Erkenntnisse auch in ihre Familien und Freundeskreise tragen. Hallers Ziel ist es, die Gesellschaft wieder näher zusammen zu bringen.

Man muss auch die Eltern einbeziehen

Almut Wahl, Leiterin der Fachgruppe Schulleitung beim MLLV, leitet eine Münchner Mittelschule mit einem hohen Anteil an Kindern mit Migrationsgeschichte. An ihrer Schule erlebt sie in verschiedenen Situationen, wie Schülerinnen und Schüler beispielsweise mit dem Nahostkonflikt umgehen. Mitunter kommt es zu antisemitischen Äußerungen und Konflikten – während eine Schulleiterin einer ebenfalls am Pilotprojekt teilnehmenden Schule am Stadtrand von Nürnberg über große Probleme mit rechtsradikalen Tendenzen berichtet.

Wahl schildert, dass Schüler:innen nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 von Feiern in ihren Familien erzählt haben. Wahl stellt klar: „Dann gehen wir natürlich mit denen ins Gespräch und sagen: ‚Warum? Da wurden Menschen umgebracht. Das kann doch niemals gerechtfertigt sein und da kann man nicht feiern.‘ Aber das zeigt uns ja, dass es nicht nur in der Schule ist.“ Darum findet sie es wichtig, dass solche Vorfälle nicht nur mit den Kindern und Jugendlichen besprochen werden, "sondern dass auch die Eltern mitgenommen werden müssen".

Für demokratische Werte, gegen Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit

Mit seinem Manifest HALTUNG ZÄHLT engagiert sich der BLLV für ein respektvolles Miteinander, Toleranz und Vielfalt. Und er appelliert, Schule und Gesellschaft vor zunehmender Spaltung, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu bewahren sowie demokratische Werte zu stärken.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: „Unser Manifest wurde 2016 vor einem ganz anderen Hintergrund verfasst. Gerade deswegen ist es so erschreckend, dass es heute aktueller ist denn je. Wir werden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass überall dort, wo jemand hetzt und ausgrenzt und Hass verbreitet, auch jemand aufsteht und sagt ‘Stop!‘ Wir wissen, dass das heute alles andere als einfach ist, aber wir geben alles, um gerade den Lehrerinnen und Lehrern starke Netzwerke, Handwerkszeug, Mut und Unterstützung zu geben, damit sie die Herausforderungen meistern können und wir gehen mit einer klaren Haltung voran!“

>> Zum Bericht des BR: Projekt gegen Antisemitismus an bayerischen Mittelschulen

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