Bild: BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann macht sich stark für den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften.
Bild: BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann macht sich stark für den Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften.
Schulgesundheitsfachkräfte Startseite
Arbeitsbelastung Arbeitsbedingungen Bildungsgerechtigkeit Bildungsqualität

Gesundheit ist keine Ergänzung, sondern eine Voraussetzung für Bildung

Health Care Bayern und der BLLV warben anlässlich des Bayerischen Präventionstags mit einer spannenden Diskussionsrunde erneut dafür, dass auch bayerische Schulen baldmöglichst von Schulgesundheitsfachkräften, auch School Nurses genannt, profitieren sollen.

Blut lief aus ihrem Mund, Tränen aus ihren Augen, die eine Hand umklammerte eine Breze, die andere die Hand ihrer Freundin. So stand das Mädchen im Grundschulalter vor Nadine Haunstetter. Als Schulgesundheitsfachkraft wusste Haunstetter, was zu tun ist. Sie untersuchte das aufgelöste Mädchen, fragte, ob sie den am letzten Faden hängenden Milchzahn entfernen dürfe, stillte die Blutung und tröstete sie. Zur weiteren Beruhigung trug bei, dass das Mädchen bald darauf ihre Breze weiteressen und dann wieder in den Unterricht gehen durfte. Für Haunstetter eines von vielen Beispielen dafür, dass School Nurses eine ungemein nützliche Sache sind: Die Lehrkraft konnte sich auf ihren Unterricht und die restliche Klasse konzentrieren anstatt sich um das blutende Kind kümmern zu müssen. Auch musste kein Elternteil von der Arbeit kommen, um dann daheim dem Milchzahn den Garaus zu machen. 

Schulgesundheitsfachkraft (auch School Nurse genannt): Ausbildung: Pflegefachkraft, idealerweise im Kinderbereich, plus Zusatzqualifikation „School Nurse“ (berufsbegleitend).

School Nurses kennen die Kinder und ihre Geschichte und können oftmals einfach durch ihr offenes Ohr Schüler:innen den Raum bieten, den sie manchmal brauchen, um gestärkt in den Unterricht zurückzukehren. Auch für chronisch kranke Kinder, die zum Beispiel an Diabetes leiden, sind School Nurses eine große Hilfe. Und da, wo der Kompetenzbereich der Schulgesundheitskräfte aufhört, können sie schnell beurteilen, was zu tun ist: an Kinderärzt:innen verweisen, mit Kontakten aus dem Netzwerk weiterhelfen oder in akuten Ausnahmefällen, den Rettungswagen rufen.

„Wir sind die guten Seelen von Schulen. Wir kümmern uns um die Schülerinnen und Schüler“, erklärt Haunstetter bei der Veranstaltung von Health Care Bayern, die vor kurzem Expertinnen und Experten aus Bildung, Gesundheitswesen und Politik in die Räumlichkeiten des BLLV  einlud. Diese Örtlichkeit kommt nicht von ungefähr: Der BLLV unterstützt Health Care schon lang in seinem Vorhaben (Beschluss LDV 2023 „Positionsbeschreibung Schulgesundheitsfachkraft“). 
Schulgesundheitsfachkräfte wie Nadine Haunstetter sind in anderen Ländern längst gang und gäbe. Auch in anderen Bundesländern gibt es mehrere Modellprojekte, wie eben das von Nadine Haunstetter in Stuttgart. 

„Gesundheit und Bildung gehören zusammen“, erklärt Prof. Dr. Heidrun Thaiss, Professur für Health Promotion an der Technischen Universität München und Arbeitskreisleiterin "Prävention/ Betriebliches Gesundheitsmanagement" bei Health Care Bayern. Bei der Vorstellung des interdisziplinären Expertenberichts „Verantwortung für die Zukunft von Kindern und Jugendlichen – Investment in die Schulgesundheitspflege/School Nursing“ lobt Thaiss die niedrigschwellige Hilfe von Schulgesundheitsfachkräften und betont, dass an Schulen, wo diese tätig sind, das Bildungs-Outcome besser sei. Positiv machen sie sich auch bei der Bildungsteilhabe von sozial benachteiligen Kindern bemerkbar. Und nicht zuletzt tragen sie zur Entlastung von Lehrkräften bei. 

Die Hauptverantwortung für die Finanzierung sieht Health Care Bayern beim Kultusministerium, zusammen mit intelligenten Modellen der Co-Finanzierung durch Unfallversicherung, Kommunen und Krankenversicherung.


„Wir Lehrkräfte schaffen es an der Schule nicht alleine, die Kinder gut durchzubringen – dafür sind die Herausforderungen zu groß“, so BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in der anschließenden Diskussionsrunde. Schulgesundheitsfachkräfte mit einer sauberen Profilbeschreibung und klare Aufgaben hält sie deshalb für eine wertvolle Unterstützung von Lehrkräften. „Wer Bildung stärken will, darf Gesundheit nicht als Nebensache behandeln. Denn Gesundheit ist keine Ergänzung von Bildung. Gesundheit ist eine Voraussetzung für Bildung“, so Fleischmann.

Gerade einmal sieben Jahre arbeite eine Pflegefachkraft in ihrem erlernten Beruf, halte häufig dem anstrengenden Klinikalltag nicht mehr stand und entscheide sich dann für einen anderen Beruf, erklärt Birgit Pätzmann-Sietas, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD). Für sie ist der Beruf der School Nurse deshalb ideal geeignet für Pflegefachkräfte, die gern in ihrem beruflichen Feld bleiben, aber zu Zeiten arbeiten möchten, die sich besser mit ihrem Privatleben vereinbaren lassen. 

Inhaltich interessiert, aber kritisch bezüglich der Frage der Finanzierung zeigte sich Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, in der Diskussionsrunde. Der Freistaat allein habe nicht genügend Geld für die Umsetzung. Es sei nur denkbar zusammen mit anderen Geldgebern wie etwa Krankenversicherungen.

Health Care Bayern hat ca. 500 Mitgliedern aus allen Sektoren des Gesundheitswesens – Medizin, Rehabilitation, Wissenschaft, Verwaltungen, Krankenkassen und Verbände. Es hat sich zur Aufgabe gemacht, durch Vernetzung und sektorenübergreifende Zusammenarbeit den Gesundheitsstandort Bayern zu stärken: zum Nutzen der Bevölkerung und des einzelnen Patienten.

Seminarempfehlungen der BLLV-Akademie