Die Münchner Tageszeitung vergleicht Schulzeugnisse aus den Jahren 1957, 1989, 2013 und 2025. Im Gespräch über die Hintergründe erläutert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, dass sich an den Zeugnissen klar erkennen lässt, wie anders der Lehrplan speziell in den 50er Jahren noch war: „Früher war er viel wissensorientierter. Es wurde sehr stark geprüft, was auswendig gelernt wurde.“
Während es damals beispielsweise darum ging, das Periodensystem wiedergeben zu können, gehe es heute um Fähigkeiten und Kompetenzen: Wie man einen Aufsatz schreibt oder einen Text versteht, also um „angewandtes Wissen“. Die erziehungswissenschaftliche Erkenntnis zu langfristigen Lernerfolgen setzen Lehrkräfte gerne um, betont Fleischmann: „Wir Lehrer sind da sehr stark dafür: Die Kinder sollen nichts auswendig hinkotzen, sondern beweisen, dass sie den Stoff verstehen!“
Eigenverantwortliche Schule!
Deswegen wirbt Simone Fleischmann auch in der Diskussion um den Lateinunterricht, den manche als überholt und nicht mehr zeitgemäß empfinden, für eine differenzierte Betrachtungsweise: „Latein schult logisches Denken“, merkt Fleischmann an und meint mit Blick auf diese Metakompetenz: „Ich würde dieses Fach niemals streichen.“
Die Entscheidung darüber sollte aus ihrer Sicht aber bei den einzelnen Schulen liegen. Der BLLV setzt sich seit Langem dafür ein, dass Schulen aus der Kenntnis ihrer Schülerinnen und Schüler und deren Hintergründe am besten selbst entscheiden dürfen sollten, welche pädagogischen Wege sie am sinnvollsten beschreiten.
Medienkompetenz entscheidet über Zukunft
Besonders drängend ist Kompetenzerwerb indes in der Medienbildung, betont die BLLV-Präsidentin. Gerade mit Blick auf soziale / algorithmische Medien wie TikTok und Instagram müssten Kinder und Jugendliche lernen, was im Leben tatsächlich wichtig ist – insbesondere auch „Future Skills“ wie Problemlösen, Selbstmanagement, Kreativität und Resilienz: „Sonst bilden wir die Kinder nicht für die Welt von morgen aus“, warnt Simone Fleischmann. Auch mehr Sportunterricht als Kontrapunkt zum Smartphone wäre zu begrüßen. All dies werde durch den anhaltenden Lehrkräftemangel allerdings massiv erschwert.
Das zeigt sich leider auch an den schwachen Ergebnissen der PISA-Studie, die zuletzt bewusst nicht Faktenwissen sondern Kompetenzen geprüft hatte. „Wir brauchen Kinder, die lesen, schreiben und rechnen können“, betont Simone Fleischmann dazu und fordert: „Man muss die Kernkompetenzen in die Mitte stellen!“
Zeitgemäße Bildung
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Kompetenzorientiertes Lernen: „Kinder sollen beweisen, dass sie den Stoff verstehen“
Im Gespräch zur Entwicklung des Lernbegriffs stellt BLLV-Präsidentin Fleischmann klar, dass Kompetenzerwerb im Mittelpunkt modernen Lernens steht statt bloße Reproduktion von Wissen – besonders Medienkompetenz sei wichtig. Lehrkräftemangel erschwert das jedoch.