Wie wir miteinander sprechen, wer zu Wort kommt und wessen Meinung gehört wird, ist nicht nur eine Frage guten Unterrichts, sondern auch des demokratischen Miteinanders. Der Sammelband „Sprache – Bildung – Demokratie“ nimmt diesen Zusammenhang aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick. Mit dabei ist auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Sie zeigt im Gespräch mit Professor Alexander Gröschner (Friedrich-Schiller-Universität Jena) die Perspektive von Lehrkräften und Schulleitungen auf.
Sprache entscheidet über Teilhabe
Was hat Sprache mit Demokratie zu tun? Die Beiträge des Sammelbandes zeigen, dass Sprache, Bildung und Demokratie durchaus in einem engen Zusammenhang stehen. Genau hier setzen die Herausgeber des Sammelbandes „Sprache – Bildung – Demokratie. Eine Verhältnisbestimmung für Schule und Unterricht“ Alexander Gröschner, Dennis Hauk und Michael May an. Sprache wird darin nicht nur als Mittel zur Vermittlung von Wissen verstanden, denn über Sprache werden auch Zugehörigkeit und Anerkennung ausgehandelt. Sie kann Teilhabe ermöglichen, aber ebenso Grenzen ziehen und Ausschlüsse erzeugen. Der Band fragt deshalb, wie Sprache, Bildung und Demokratie in Schule und Unterricht zusammenspielen.
Der Sammelband gliedert sich in drei Teile. Zunächst werden Grundlagen und Herausforderungen im Verhältnis von Sprache, Bildung und Demokratie diskutiert. Dabei geht es unter anderem um Unterrichtskommunikation, digitale Lernräume, Mehrsprachigkeit und demokratiewidriges Sprechen. Der zweite Teil nimmt den Fachunterricht in den Blick und beleuchtet die Fragestellung aus unterschiedlichen fachdidaktischen Perspektiven, darunter Politik, Geschichte, Deutsch und die Naturwissenschaften. Im dritten Teil stehen Akteure und Institutionen im Mittelpunkt. Hier geht es unter anderem um die Perspektive von Lehrkräften und Schulleitungen, um Peer- und Bildungssprache sowie um sprachliche Gewalt.
„Demokratie beginnt im Kleinen“
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kommt in der Publikation zu Wort und spricht mit Mitherausgeber Alexander Gröschner darüber, was Demokratiebildung für Lehrkräfte und Schulleitungen ganz konkret bedeutet.
Dabei macht sie deutlich, dass Demokratiebildung nicht einfach on top zu all den anderen schulischen Herausforderungen nebenbei abgehakt werden kann. Vielmehr gehört Demokratiebildung zum Kern des schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrags. Kinder und Jugendliche sollen lernen, ihre Meinung zu äußern, sich in einer komplexen Welt zu orientieren und menschenfeindlichen oder antidemokratischen Positionen sachlich, klar und wertegebunden entgegenzutreten. Sprache ist dafür das zentrale Werkzeug.
Fleischmann bleibt dabei nah an der Realität in den Schulen. Die gesellschaftliche Polarisierung und eine zunehmende „Verrohung der Sprache“ machen vor dem Klassenzimmer nicht halt. Populismus, Kriege und Krisen beschäftigen Schülerinnen und Schüler und werden damit auch zu Themen für Lehrkräfte. Gerade solche Gespräche brauchen Zeit, doch ausgerechnet daran fehlt es vielerorts: Der Lehrkräftemangel lässt immer weniger Raum für intensive Gespräche, Beziehungsarbeit und präventive Demokratiebildung.
Umso wichtiger ist für Simone Fleischmann, wie das tägliche Miteinander gestaltet wird. Schülerinnen und Schüler müssen erfahren, dass sie ernst genommen werden und ihre Meinung Gehör findet. Echte Beteiligung gehört für sie dazu: Klassenrat, Schülerparlamente oder die Mitwirkung im Unterricht und bei der Schulentwicklung können Demokratie für junge Menschen erfahrbar machen.
„Demokratie beginnt im Kleinen, im täglichen Miteinander“, so Fleischmann.
Sprache, Bildung, Demokratie – in der schulischen Praxis
Lehrkräfte brauchen hierfür praxisnahe Unterstützung für Situationen, die ihnen im Schulalltag tatsächlich begegnen: Wie reagiere ich professionell auf menschenfeindliche Äußerungen? Wie führe ich kontroverse Diskussionen? Wie stärke ich demokratische Prozesse an meiner Schule?
Der Sammelband „Sprache – Bildung – Demokratie“ vereint unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven und verbindet sie mit Fragen, die im Schulalltag längst angekommen sind. Die unterschiedlichen Beiträge zeigen, wie eng Sprache, Teilhabe und demokratische Bildung miteinander verbunden sind. Das Gespräch mit Simone Fleischmann ergänzt diese Perspektiven um den Blick aus der schulischen Praxis und auf die Bedingungen, unter denen Demokratiebildung gelingen kann.