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Übermäßige Mediennutzung – Wann wird es zu viel?

Für viele Kinder sind Handy und Tablet schon in frühen Jahren Teil ihres Alltags. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann beschreibt Muster, die bei Schülerinnen und Schülern auf hohe digitale Nutzungsraten hinweisen und wie Lehrkräfte damit umgehen.

Kinder und Jugendliche verbringen zunehmend mehr Zeit am Handy, Tablet und in den sozialen Medien. Der richtige Umgang und das Maß sind dabei entscheidend. Im Interview mit der Frankfurter Rundschau äußert sich Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, dazu aus der Perspektive von Lehrkräften: „Wenn wir bei Schülerinnen und Schülern etwas beobachten, das auf sehr hohe digitale Nutzungsraten hinweisen könnte, machen wir uns als Erziehungspartner Sorgen – und begeben uns auf die Spur, was dahintersteckt“. 

Mögliche Hinweise auf hohe Mediennutzung

Wenn digitale Themen alle Gespräche dominieren und im persönlichen Austausch vor allem Handyspiele oder soziale Netzwerke eine große Rolle spielen, kann dies ein Indiz dafür sein, dass Kinder und Jugendliche übermäßig viel Zeit am Smartphone oder anderen digitalen Endgeräten verbringen. Auch wenn Schüler:innen sich mit bestimmten Geräten oder Programmen extrem gut auskennen, kann das ein Hinweis sein. Fleischmann stellt aber auch klar, dass digitales Interesse nichts Schlechtes sein muss und in der Schule durchaus förderlich sein kann: „digital, agil und kompetent – das werden die Kompetenzen der Zukunft sein“.

Etwas genauer gilt es hinzuschauen, wenn das Verlangen nach digitalen Medien so stark ist, dass es andere Bereiche der Freizeit und reale Begegnungen blockiere und somit die sozialen Interaktionen der Schülerinnen und Schüler beeinflusst. Geringes Interesse an nicht-digitalen Aktivitäten kann beispielsweise ein Zeichen sein. Lehrkräfte können sehen, wie gut Kinder im Klassenzimmer, in der Gruppenarbeit oder auf dem Pausenhof vernetzt sind – wer mit anderen redet und wer nicht. Auch „gelangweiltes oder gereiztes Verhalten, eine geringe Konzentrationsspanne und wenig Ausdauer bei Tätigkeiten, die nicht sofort belohnt werden“ zählt Fleischmann als Warnsignal.

Auffälligkeiten außerhalb der Schule

In Gesprächen mit Eltern berichten diese häufig über Müdigkeit oder Schlafprobleme. „Wenn Kinder und Jugendliche kaum einschlafen und nicht durchschlafen, sind sie am nächsten Morgen müde. Das kann ein Hinweis sein – muss es aber nicht“, so Fleischmann gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Derart auffälliges Verhalten muss noch kein Beweis für übermäßigen Medienkonsum sein. Ähnliche Symptome könnten auch bei einer ADHS-Problematik, dysfunktionalen Strukturen in der Familie, Lernschwierigkeiten oder auch bei Unterforderung durch Hochbegabung auftreten. Daher ist es umso wichtiger, die Kinder individuell im Blick zu haben und ihre Entwicklung zu beobachten.

Verhalten beobachten und Medienkompetenz stärken

Wie gehen Lehrkräfte vor, wenn sie bei ihren Schülerinnen und Schülern eine zu hohe Mediennutzung oder andere Probleme vermuten? Bei Hinweisen auf Verhaltensänderungen oder bei einem Leistungsabfall tauschen sich diese zunächst mit den Kolleginnen und Kollegen aus, erklärt Fleischmann. Im nächsten Schritt wird eine Beobachtungsliste angefertigt und der Kontakt zu den Eltern hergestellt.

„Eltern sind oftmals noch hilfloser als wir und brauchen mehr Beratung im Bereich der Medienkompetenz ihrer Kinder“, sagt Fleischmann. Nach einem Gespräch mit den Eltern werden die Beobachtungen über zwei Wochen dokumentiert. Bei Bedarf können dann weitere Fachkräfte hinzugezogen werden, etwa Schulpsychologinnen und Schulpsychologen

Um Kinder auf eine digitale Zukunft vorzubereiten, setzt sich der BLLV für eine umfassende Medienbildung ein. Die Vermittlung von Medienkompetenz gehört zu den wichtigsten Aufgaben der heutigen Zeit – hier sieht der BLLV jedoch nicht nur die Schulen, sondern auch Politik und Gesellschaft in der Verantwortung.


Frankfurter Rundschau vom 27. August 2026

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