„Gemeinsam den Peer-Pressure aushebeln!“ Das hat sich ein Gymnasium in Wentorf bei Hamburg vorgenommen. Denn Eltern kennen das Spiel: Spätestens wenn die besten Freunde „alle“ ein Smartphone haben, will das eigene Kind auch eins. Was aber, wenn niemand in der Klasse eins hat, weil das unter Eltern und Schulleitung so besprochen wurde? Genau mit diesem Gedanken bietet ein Gymnasium in Wentorf in den Jahrgangsstufen 5 und 6 einzelne Klassen an, für die dieser Verzicht Voraussetzung ist.
Pädagogisch hat die Idee einige Vorteile, meint auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann: „Selbst Kinder und Jugendliche haben es allmählich satt, permanent abgelenkt zu werden“, sagt sie im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Sie spüren, dass das Leben nicht nur leichter wird. Dass sie nicht in den Konzentrationsflow kommen, weil sie mit einem kurzen Handgriff das Handy herausholen können.“
Noch ein Vorteil für Akademiker-Kinder?
Allerdings besteht beim Hamburger Weg die Gefahr, dass damit die Chancengleichheit in der Bildung, die in Deutschland ohnehin dringend verbesserungswürdig ist, weiter sinkt. „Wenn es innerhalb einer Schule normale und smartphonefreie Klassen gibt, oder eine Schule so tickt und die andere so, kommt es natürlich zu einer Segregation – da müssen wir wirklich aufpassen“, warnt Simone Fleischmann. Denn erfahrungsgemäß begrenzen Kinder von Akademikern digitale Nutzung deutlich stärker. „Würden immer nur die Reflektierten ihr Handy am Anfang der Stunde abgeben, würden wir die Bildungskluft noch vertiefen“, so die BLLV-Präsidentin.
Denn auch ohne Handy-Regeln kann von der häufig geforderten Vergleichbarkeit schulischer Bildung nicht die Rede sein, kritisiert sie: „Ein Gymnasium in München-Grünwald in der fünften, sechsten Klasse ist schon ohne Handyfreiheit ein gänzlich anderes Gymnasium als in Schweinfurt.“
Die Chance für demokratische Schule: Partizipation!
Grundsätzlich fehle es in der Bildung – auch aufgrund der Schnelligkeit digitaler Entwicklungen – an passenden Vorgaben, mit denen sich Chancen nutzen lassen, zugleich aber Kinder und Jugendliche im Sinne des Schutzraums Schule vor Gefahren geschützt werden. „Wir können nicht immer warten, bis der Kanzler oder die Bundesbildungsministerin etwas beschließt“, meint Simone Fleischmann.
Die beste Lösung aus ihrer Sicht ist daher durchaus eine gewisse Eigeninitiative an einzelnen Schulen, die vielfach auch schon zu beobachten sei. „Wir als Lehrerverband befürworten, dass Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen das Thema in demokratischen Prozessen an ihren Schulen besprechen“, stellt die BLLV-Präsidentin klar.
» zum Bericht der Frankfurter Rundschau: „‘Sind oft die ersten‘: Idee für neue Unterstufen-Klassen löst Diskussionen aus“
Freiwilliger Verzicht
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Parallelklassen ohne Smartphone: „Schüler miteinbeziehen“
Ein Gymnasium nahe Hamburg bietet 5. und 6. Klassen an, in denen freiwillig aufs Smartphone verzichtet wird. BLLV-Präsidentin Fleischmann befürwortet Lösungen einzelner Schulen – besonders wenn Schüler:innen demokratisch in die Entscheidung eingebunden werden.