Dass die umfassende Verfügbarkeit künstlicher Intelligenz sich direkt auf die Schulen, das Lernen und unseren Leistungsbegriff auswirkt und auswirken muss, hat BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann in vielen Gesprächen dargelegt. „Proben, Schulaufgaben, Feedback müssen neu gedacht werden“, forderte sie bereits vor einiger Zeit in einem Artikel der Frankfurter Rundschau. Es dürfe heutzutage nicht mehr darum gehen, auswendig zu lernen, sondern Themen nachhaltig zu durchdringen. „Wir wollen, dass Kinder verstehen, wie Lernen funktioniert“, so ihr Credo für einen zukunftsfähigen Leistungsbegriff.
Wer macht die Hausaufgaben? Und warum?
Zugespitzt auf das Thema Hausaufgaben hat jetzt die Augsburger Allgemeine das Thema nochmal aufgegriffen: “Wenn der Chatbot die Arbeit macht: Ist KI das Ende klassischer Hausaufgaben?” – so die provokante Frage der Redaktion. Denn die Lehrkräfte wissen natürlich, dass viele Schülerinnen und Schüler KI nutzen. Das stellt viele Schulen vor ein Problem. Die Frage ist natürlich ob es das muss. Schließlich ist es doch egal, ob der Papa, die Oma oder die KI die Hausaufgabe macht, oder? Diese Unsicherheit gab es immer. Womit wir wieder beim Sinn oder Unsinn von Hausaufgaben wären. Dass man die Frage jetzt noch dringlicher und klarer stellen muss, kann schließlich auch eine Chance füpr einen zukunftsfähigen Lernbegriff sein.
KI einhegen oder Leistung neu denken?
Das Kultusministerium hat schnell versucht Lösungen zu finden um dem Thema KI insgesamt Struktur und Grenzen zu geben. Spezifische KI-Anwendungen wie die BayernCloud Schule und der Schul-Chatbot „telli“ sowie Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer sollen helfen, die Nutzung zu steuern. Allerdings hilft dies natürlich nicht, wenn Schülerinnen und Schüler frei zugängliche KI-Tools außerhalb der schulischen Systeme nutzen. Der BLLV plädiert schon seit Langem für eine Abkehr vom auf Reproduktion ausgerichteten Lernen und Prüfen, weil so ohnehin keine nachhaltigen Bildungserfolge erzielt werden: Stumpf auswendig Gelerntes wird erwiesenermaßen schnell vergessen, während verständnisintensiv erworbenes Wissen und Kompetenzen tiefer verankert werden.
Das Prinzip Hausaufgabe
Aus dem Gespräch mit vielen Praktiker:innen und Expert:innen zieht die Augsburger Allgemeine das Fazit: KI zwinge Schulen, Unterricht neu zu denken und damit stehe auch das Prinzip Hausaufgabe selbst in Zweifel. Die Frage nach Hausaufgaben ist damit Teil einer größeren Entwicklung. Wer KI nutzt, muss nachvollziehen, wie Ergebnisse entstehen und sie einordnen können. Auch KI aktiv in den Unterricht zu integrieren, gilt als möglicher Weg. Auch Hausaufgaben könnten sich verändern. Statt fertige Ergebnisse abzugeben, würden Schülerinnen und Schüler stärker ihren Lösungsweg und die Rolle von KI dokumentieren – ein Ansatz, den einzelne Lehrkräfte bereits erproben, wie die Redakteurin im Artikel betont. Für den BLLV steht das Thema Hausaufgaben deshalb mehr als je auch grundsätzlich auf dem Prüfstand. „Die moderne Schule sollte eigentlich ohne klassische Hausaufgaben auskommen“, so die BLLV-Präsidentin in der Augsburger Allgemeinen.
KI und Bildungsgerechtigkeit
Ein Aspekt der allerdings oft übersehen werde, sei die Frage der Bildungsgerechtigkeit wie Simone Fleischmann betont. Denn manche Familien können sich kostenpflichtige Angebote leisten, andere nicht. „Bildungserfolg hängt schon lange vom sozialen Hintergrund ab, durch KI wird sich das eher verstärken“, so die BLLV-Präsidentin im Interview. Und eine weitere Frage kommt dazu: Welche Eltern können ihre Kinder bei der Anschaffung und Nutzung von KI unterstützen und welche nicht?