Überlegt handeln 11.12.2020 StartseiteSchulschließungDistanzunterrichtBildungsgerechtigkeitLeistungsdruck

Bei Diskussion um Schulschließungen Expertise der Praxis einbeziehen!

Die Kultusministerkonferenz drückt sich aus Sicht von Udo Beckmann, Vorsitzender des BLLV-Dachverbands VBE, darum, der Ministerpräsidentenkonferenz für etwaige Schulschließungen Kriterien für eine sinnvolle praktische Umsetzung zu benennen.

Die Ministerpräsidentenkonferenz wird voraussichtlich am Sonntag über weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beraten, dabei stehen auch flächendeckende Schulschließungen im Raum. Die heutige Tagung der Kultusministerkonferenz ist nach Meinung des Vorsitzenden des BLLV-Dachverbands VBE, Udo Beckmann, dabei ihrer „Verantwortung nicht gerecht geworden“. Die bloße Vorgabe, dass es keine zusätzlichen Ferien geben solle und Grundschulen gegebenenfalls schnellstmöglich wieder öffnen sollten, sei zu wenig, kritisiert Beckmann in einer Pressemitteilung des VBE.

Die KMK bedenke auch die Notwendigkeiten der praktischen Umsetzung nicht: "Was es braucht, ist auch die Ansage, dass die Schulen Vorbereitungszeit benötigen, um digitale Endgeräte, soweit vorhanden, auszugeben, den Fahrplan für die nächsten Wochen zu besprechen und die Notbetreuung zu organisieren." Mit Blick auf die Ankündigung des nordrheinwestfälischen Ministerpräsidenten Laschet, ab Montag die Präsenzpflicht an Schulen auszusetzen, sagt Beckmann: „Mit einer so kurzfristigen Ankündigung am Freitagmittag haben die Lehrkräfte und Schulleitungen doch kaum noch Möglichkeiten, adäquat zu reagieren, und auch die Eltern werden vollkommen im Regen stehen gelassen. Dieses Vorgehen ist unverantwortlich."

Fairness sicherstellen, Erwartungen anpassen und Druck rausnehmen!

Außerdem fehle in den Einlassungen der KMK ein klares Bekenntnis, dass im Falle von Schulschließungen anzuwendende Unterrichtskonzepte einen massiven pädagogischen Einschnitt bedeuten und dies gesellschaftlich entsprechend berücksichtigt werden muss: "Die KMK muss so ehrlich sein, einzugestehen, dass wir bezüglich der digitalen Erreichbarkeit und des 'hybriden Unterrichts' nur unwesentlich weiter sind als beim ersten Lockdown", sagt Beckmann mit Verweis auf eine vom VBE in Auftrag gegebene forsa-Umfrage, in der auch die technische Ausstattung an Schulen analysiert wurde.

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann hat bereits gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SchülerInnenvertretern, die mit großer Sorge auf mögliche Schulschließungen blicken, klargestellt: "Wechsel- oder Distanzunterricht sind mit Präsenzunterricht nicht zu vergleichen, weder vom Inhalt noch von den Zielen her!" Sie stellte klar, dass sich Lehrerinnen und Lehrer den Herausforderungen stellen werden, forderte dabei aber Fairness für Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte. Leistungsdruck und Erwartungen müssten situationsangemessen deutlich reduziert werden.

Change Management in der Krise

Ein Einschnitt, wie er nun auch flächendeckend im Raum steht, habe immer erhebliche Auswirkungen auf die pädagogische Praxis, so Fleischmann: "Umstellen von Präsenzunterricht auf etwas, das nicht Präsenzunterricht ist, ist eine Umstellung und jede Umstellung kostet Energie: technische Leistung, aber auch menschliche Energie. Daher gilt immer: Alles, was nicht Präsenzunterricht ist, fordert uns deutlich heraus – technisch, pädagogisch und strukturell."

» Pressemitteilung des VBE: „KMK schaut wie paralysiert auf MPK“
 


Schule in Zeiten der Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie zeigt den hohen gesellschaftlichen Wert von Schule. Damit sie trotz akutem Lehrermangel funktionieren kann, fordert der BLLV in einer politischen Erklärung, die Fürsorgepflicht des Dienstherrn in maximalen Gesundheitsschutz für Lehrkräfte umzusetzen, insbesondere im wichtigen Präsenzunterricht. Entscheidungen und deren Kommunikation müssen regional, klar, verlässlich, frühzeitig und transparent sein und schulische Eigenverantwortung stärken. Fairness muss vor Leistungsdruck gehen, digitale Ausstattung schnell verbessert werden. Jetzt ist nicht die Zeit für einfache Lösungen und Polemik. Aber jetzt ist die Zeit für langfristig tragende Konzepte für Arbeitsbedingungen, Multiprofessionalität und Attraktivität, um so Bildungsqualität auch über Corona hinaus zu sichern. Dazu braucht es einen konstruktiven Diskurs aller an Schule Beteiligten, für den der BLLV bereit steht. » Die politische Erklärung im Wortlaut



Weitere Informationen