Der BLLV hat mit Nachdruck gefordert, dass eine bayerische Vision vom Hightech-Standort als Basis beste Bildung braucht – damit eben durch „High-Teach“ überhaupt erst die nötigen Talente entwickelt werden können. Das hat Ministerpräsident Söder nun offenkundig eingesehen: "Wenn die Ausbildung schlechter wird, dann wird die Leistungsfähigkeit bei Spitzentechnologie automatisch weniger", sagt er auf der CSU-Klausur in Banz und stellt klar, es brauche “maximale Bildung“.
Ansetzen will er dabei in der Grundschule: „Mit mehr Mathe, mit mehr Deutsch, mit einer dritten Sportstunde, aber auch mit Musik." Eine zusätzliche Stunde Sport hatte Söder mit Blick auf die Olympiabewerbung schon vor den desaströsen PISA-Ergebnissen, die er als „Schock“ bezeichnet, angekündigt.
Das Fundament richtig erkannt
Aus Sicht von Simone Fleischmann ist das zunächst mal ein richtiger Ansatz, wie sie im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk anerkennt: "Prima, dass der Herr Ministerpräsident das Fundament der schulischen Bildung erkennt: Das ist die Grundschule. Invest in die Grundschule rentiert sich dreifach."
Auch ein Fokus auf die genannten Fächer mache Sinn: "Prima, dass er weiß, dass wir in Kernkompetenzen mehr Zeit investieren müssen", sagt Fleischmann. Wobei aus Sicht des BLLV der Schlüssel zu echten Bildungserfolgen natürlich ein ganzheitlicher Ansatz ist. Deswegen ist auch die Kehrtwende in Sachen Musikunterricht zu begrüßen, der zuletzt durch das Pooling mehrerer Fächer, die zugunsten von mehr Mathematik und Deutsch reduziert werden sollten, abgenommen hatte.
Wer soll’s jetzt wie machen?
Die entscheidende Frage ist indes, wie das an den Schulen konkret geleistet werden soll, mahnt Simone Fleischmann: "Es kommt jetzt auf die Umsetzung an: Was heißt das denn jetzt eigentlich?“
Denn ein Mehr an Stunden gibt die Personalsituation derzeit absolut nicht her: Der BLLV hat zum Beginn des Schuljahres klargestellt, dass die höchste Zahl von Schülerinnen und Schülern seit 15 Jahren in Bayern auf akuten Lehrkräftemangel und ein Stellenmoratorium trifft, das kein zusätzliches Personal erlaubt, lediglich ausscheidende Kolleginnen und Kollegen durften nachbesetzt werden. „Woher kommen denn dann diese Stellen?", fragt BLLV-Präsidentin Fleischmann daher. Denn ein weiteres Streichkonzert bei anderen Fächern kann nicht wieder die Lösung dafür sein …
» zum Bericht bei BR24: „Mehr Stunden für Grundschüler: Lehrer sehen offene Fragen“
Grundschule stärken ist richtig, aber woher kommen die Stellen dafür?
Als Reaktion auf die PISA-Ergebnisse hat MP Söder mehr Deutsch, Mathematik und Musik angekündigt, Sport schon zuvor. BLLV-Präsidentin Fleischmann begrüßt im BR, dass Grundschulen gestärkt werden, fragt sich aber, wer bei Einstellungsstopp den Unterricht halten soll.
Medienberichte
Simone Fleischmann im Wortlaut bei Sat.1:
"Es gibt keine Alternative zu bestem Unterricht, weil diese Kinder eben mit 15 Jahren nicht mal mehr die Mindeststandards haben. In ganz Deutschland ist das der Fall. Hier in Bayern müssen wir nachsteuern. Das können wir nur, indem wir differenzieren, individualisieren und besten Unterricht anbieten. Und ich bleibe dabei: Das können nur die bestausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen."
Simone Fleischmann im Wortlaut in der SZ:
Zu den PISA-Ergebnissen und der Wichtigkeit der Grundschulen:
„Es liegt an den Basiskompetenzen. Es geht um Deutsch und Mathe und es geht um die Bildungsangebote in der Grundschule.“
Zur Umsetzbarkeit bei Lehrkräftemangel:
„Was macht die Kultusministerin damit? Wir sind schon jetzt in der absoluten Mangelverwaltung. Wir überlegen, wie wir genug Lehrer in die Grundschulen reinbekommen, wie wir Löcher stopfen können.“
Zu den Zukunftsaussichten:
„Es studieren jetzt wieder ganz viele junge Menschen Grundschullehramt.“ Bald könnte sich die Not gar in einen Überschuss verwandeln. Diese Lehrer gelte es dann an den Schulen zu halten. „Das wäre der große Wurf dahinter“, so Fleischmann.