"Wir haben in Bayern die höchste Zahl von Schülerinnen und Schülern seit 15 Jahren und PISA sagt uns gerade, dass ein Drittel der Kinder die Mindeststandards im Lesen und Rechnen nicht erreicht. In den Naturwissenschaften ist es ein Viertel. Dann kann die Antwort doch bitte nicht nur eine „stabile Unterrichtsversorgung“ sein, von der die Kultusministerin jetzt zum Schuljahresbeginn spricht. Damit Jugendliche nicht blank in Richtung Arbeitswelt oder Studium gehen, muss jetzt was passieren! Wir müssen Kinder frühzeitig fördern und genau da unterstützen, wo sie Probleme haben. Dafür braucht es mehr professionelle Pädagoginnen und Pädagogen sowie Expertinnen und Experten in multiprofessionellen Teams. Die PISA-Gewinnerländer machen es vor.
Und was machen wir in Bayern? Ein Stellenmoratorium. Also keine zusätzlichen Lehrkräfte bei mehr Schülern mit akutem Förderbedarf. Da braucht’s schon Fantasie, um das „stabil“ zu nennen. Und es wird dem Anspruch, den wir haben müssen, und den auch die Staatsregierung selbst immer formuliert, einfach nicht gerecht.
Ich begrüße, was der Bundeskanzler sagt: Es braucht eine große Kraftanstrengung, um dieses Problem gemeinsam mit den Ländern zu lösen. Jawoll, da müssen wir hin. Denn die Lösungen sind ja bekannt: Auch die bayerische Kultusministerin hat frühkindliche Bildung und datengestützte Schulentwicklung als wichtige Handlungsfelder benannt, so wie es auch die wissenschaftliche Expertise belegt: Je früher Kinder unterstützt werden, desto besser gelingt es und wenn man genau hinschaut, was die Kinder in Freising brauchen und was die in Schweinfurt, dann kann man die richtigen Maßnahmen genau dafür setzen. Diese schön klingenden Programme mit Leben füllen müssen aber Profis – und die kosten Geld! Denn Geld heißt: Ich habe mehr Möglichkeiten, die Kinder individuell zu fördern, Lehrkräfte anzustellen, Stellen einzurichten. Damit wir alle gemeinsam diese Kraftanstrengung schaffen, die der Kanzler benennt, braucht es deshalb ein Sondervermögen für Bildung. Denn diese große Gemeinschaftsherausforderung muss in die Mitte der Gesellschaft.
Schließlich haben wir in Deutschland nichts anderes als das, was die Kinder an Bildung mitbringen – und das muss nicht nur stabil sein, sondern verdammt gut. Und da reicht nicht irgendeine Grundversorgung. Das ist die einzige Lösung nicht nur für Demokratieprobleme, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
PISA hat uns auf den Abstiegsplatz bei der Bildungsgerechtigkeit gesetzt, wird sind Drittletzter unter 91 Ländern, wenn es darum geht, Kindern aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen gute Bildung zu ermöglichen. Das können wir uns angesichts der Herausforderungen im Land nicht leisten. Wir verlieren Kinder, wir verlieren Menschen, wir verlieren Bildungsqualität. Dagegen braucht es JETZT die gemeinsame Kraftanstrengung. Damit wir nicht nur „stabil“, sondern stark und zukunftsfähig unterwegs sind, alle Kinder ihre Stärken optimal entwickeln können und Lehrkräfte sie dabei professionell und gesund unterstützen können."
<< Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin und stellvertretende dbb-Vorsitzende
Reaktion auf die Pressekonferenz der Kultusministerin Anna Stolz zum Schuljahresbeginn
Startseite Topmeldung
„Stabile Unterrichtsversorgung“: Schön wär’s!
Immer mehr Schüler:innen, immer komplexere Aufgaben und desaströse PISA-Ergebnisse. Doch statt mehr Lehrkräfte für starke Förderung gibt's in Bayern ein Stellenmoratorium und die Ministerin nennt die Unterrichtsversorgung "stabil". Da muss mehr gehen, sagt BLLV-Präsidentin Fleischmann und fordert ein Sondervermögen Bildung.