Vier neue Aushilfskräfte sollten zum neuen Schuljahr an der Gebrüder-Asam-Mittelschule in Ingolstadt starten und Fächer wie Werken, Technik oder Informatik unterrichten. Wie viele weitere Mittelschulen in Bayern, bräuchte die Schule dieses Personal sehr dringend. Doch leider wurden die Stellen nicht genehmigt. Grund ist das Stellenmoratorium, welches zur Folge hat, dass kein Geld für die Zeitverträge zur Verfügung steht. Darüber berichtet der Donaukurier in einem aktuellen Beitrag.
Karin Leibl ist Kreisvorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) in Ingolstadt, Zweite Vorsitzende des Bezirksverbands Oberbayern und Beisitzerin im BLLV Landesvorstand. Außerdem ist sie Vorsitzende des Personalrats der Ingolstädter Grund- und Mittelschullehrer. Sie bewertet das Stellenmoratorium sehr kritisch: „Das ist keine gute Entscheidung.“ Konkret bedeutet das nämlich, dass im Haushaltsjahr 2026 keine zusätzlichen staatlichen Stellen geschaffen werden dürfen – egal wie nötig diese wären. Stellen, die frei werden, dürfen allerdings weiterhin nachbesetzt werden: „Die durch Pensionierung freiwerdenden Stellen werden ersetzt“, so Leibl.
Hohe Belastung durch Personalengpässe
Die Schülerzahlen steigen, die Klassen werden heterogener, die Anforderungen an die Lehrkräfte werden höher. Gleichzeitig dürfen Schulen kein weiteres Personal einstellen. Was das konkret für den Schulalltag bedeutet, erklärt Leibl am Beispiel der Mittelschulen, denn dort sind die Personalengpässe besonders stark zu spüren: „Fachlehrkräfte haben wir weiterhin viel zu wenige. Das bedeutet, dass die ohnehin zu wenigen Mittelschullehrkräfte Werken und Gestalten, Informatik, Wirtschaft und Kommunikation sowie Technik unterrichten. Und das bedeutet, dass Mittelschullehrkräfte im Klassenleiterunterricht fehlen, weil sie Fachunterricht geben.“ Leibl beobachtet, dass der Druck auf Lehrerinnen und Lehrer durch die angespannte Personalsituation steigt: „Das ist eine zusätzliche Belastung. Das macht den Beruf nicht attraktiver.“
Was Leibl außerdem Sorge macht, ist, dass Lehrkräfte oftmals an Schularten unterrichten müssen, für die sie nicht ausgebildet sind. Insbesondere Grundschullehrkräfte werden oftmals in Mittelschulen eingesetzt – ob sie wollen oder nicht. „Im Grundschulbereich sind wir eigentlich gut versorgt. So gut, dass wir viele Grundschullehrkräfte an die Mittelschule abordnen müssen.“
Entlastung durch Erhöhung der Stundenzahl? Fehlanzeige
Ein weiteres Problem: Auch Stunden-Aufstockungen einzelner Lehrkräfte werden derzeit nicht genehmigt, da auch in diesen Fällen das Stellenmoratorium greift: „Es führt nämlich dazu, dass Anträge auf Aufstockung, die nach Februar 2026 gestellt wurden, nicht genehmigt werden können, weil einfach kein Geld da ist. An den Grund- und Mittelschulen in Ingolstadt sind hier über 20 Kolleginnen betroffen.“ Dabei wäre vielen Schulen damit bereits geholfen. Wenn beispielsweise eine Lehrerin, die schon länger an der Schule unterrichtet, zwei Stunden mehr pro Woche arbeiten möchte, könnte das vielerorts bereits zur Entlastung der Kolleginnen und Kollegen beitragen.
BLLV fordert mehr Personal
Das Bayerische Kultusministerium spricht in Bezug auf das aktuelle Schuljahr von einer „stabilen“ Unterrichtsversorgung. Für das kommende Schuljahr, also ab Herbst 2027, gibt sich Ministerin Stolz optimistisch. Sie kündigte an, dass 1.500 zusätzliche Lehrerplanstellen den Schulen mehr Spielraum und Planungssicherheit geben sollen.
Doch Leibl ist skeptisch. Aus ihrer Sicht brauche es an den Schulen deutlich mehr Personal – gerade im Hinblick auf die kürzlich erschienenen PISA-Studie: „Pisa hat uns auf den Abstiegsplatz bei der Bildungsgerechtigkeit gesetzt. Wir sind Drittletzter unter 91 Ländern, wenn es darum geht, Kindern aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen gute Bildung zu ermöglichen. Es fehlt an professionellem Personal.“