„Sicherheit entsteht durch starke, resiliente und demokratiefähige junge Menschen“, stellt Antje Radetzky, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft im BLLV, klar. „Wahre Verteidigungsfähigkeit beginnt durch eine unerschütterliche demokratische Haltung, nicht durch das bloße Abarbeiten von Bedrohungsszenarien. Das erreicht man nicht in einer isolierten Doppelstunde oder einem neuen Schulfach, sondern durch eine vertrauensvolle, ganzheitliche Schulkultur.“
Sie unterstützt damit nachdrücklich die aktuelle Pressemitteilung von VBE-Bundesvorsitzendem Tomi Neckov („Resilienz statt Sirenen“). Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Polykrise auf. Um ihnen Ängste zu nehmen und sie fundiert zu stärken, brauche es laut der erfahrenen Schulleiterin keine „Panik-Unterrichtsstunden“, sondern echte systemische Unterstützung im Schulalltag.
Multiprofessionelle Teams als Fundament der „Gesunden Schule“
Unter dem Druck voller Lehrpläne und dem gesellschaftlichen Anspruch an Schule bleibe für die grundlegende Resilienzförderung oft zu wenig Raum. „Wir Lehrkräfte können und wollen Krisenthemen altersgerecht aufgreifen, aber wir können diese immense Aufgabe der ganzheitlichen Prävention nicht allein stemmen“, warnt die Abteilungsleiterin. „Hier muss die Politik reagieren. Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau der Jugendsozialarbeit und endlich die flächendeckende Etablierung von Schulgesundheitsfachkräften. Diese leisten als niederschwellige Vertrauenspersonen einen entscheidenden Beitrag zur ,Gesunden Schule‘ und zur psychischen Prävention.“
Nachrichtenkompetenz und Demokratiebildung statt Sirenen-Training
Zudem verweist die Expertin auf die Gefahren durch Desinformation und KI-generierte Deepfakes. „Unbegleiteter Medienkonsum in der Peergroup verstärkt kindliche Unsicherheiten massiv. Um Schülerinnen und Schülern Sicherheit zu geben, braucht es moderne Nachrichtenkompetenz, Zeit für Diskursfähigkeit und starke Konzepte wie die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“, betont sie.
Ihr Fazit ist eindeutig: „Wenn die Politik den Schulen die nötigen personellen Ressourcen – vom multiprofessionellen Team bis zur systematischen Entlastung der Lehrkräfte – zur Verfügung stellt, brauchen wir kein Schulfach ‚Verteidigung‘. Wir brauchen Zeit für echte Wertebildung.“