Wie der BR berichtet, kooperiert im bayerischen Ettringen eine Schule erfolgreich mit den örtlichen Sportvereinen: Mountainbike und Parkour begeistern dort die Kinder und fördern Bewegung. Ist das die Lösung für die aktuelle Herausforderung vieler Schulen? Ab dem kommenden Schuljahr kommt schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an den Grundschulen, beginnend mit den ersten Klassen. Für die Betreuung sind kreative Wege gefragt. Denn teils fehlt es an Räumen, teils an Konzepten oder der Infrastruktur. Wie die aktuellsten Zahlen zeigten, wird etwa ein Viertel der bayerischen Schulen den Ganztagsanspruch gar nicht bedienen können. Umso größer ist die Gefahr, dass die einfachsten und schnellsten Lösungen umgesetzt werden: Verwahrung statt Betreuung.
Trotz Herausforderungen die Chancen im Blick behalten
Der BLLV warnt schon seit längerem davor, dass durch solche Minimallösungen enorme Bildungschancen verschenkt werden könnten. Der “gebundene Ganztag” mit zusätzlichen Unterrichtsstunden und individueller Förderung der Kinder würde die Bildungsgerechtigkeit fördern. Die Kinder könnten in vielerlei Hinsicht profitieren. Es könnten außerdem zusätzliche kulturelle Angebote, Kunsterziehung, Sport, Fußball, Basketball oder Theater angeboten werden. Zumindest für das natürlich wichtige Sportangebot wurde laut BR-Bericht in Ettringen offensichtlich eine Lösung gefunden: Die Grund- und Mittelschule organisiert den Nachmittag zusammen mit den örtlichen Sportvereinen.
So werden in Ettringen die Schülerinnen und Schüler beim Actionsport mit dem Mountainbike kompetent betreut, können sich austoben und dabei Koordination und Fitness schulen. Deshalb seien die Kinder auch gerne nachmittags in der Schule – schließlich haben sie sich selbst für Mountainbike als Nachmittagsbetreuung entschieden. Nach dem erfolgreichen Start der Vereinskooperation mit dem Mountainbiking kommen inzwischen auch Trainer für andere Sportarten in die Schule: Turnen, Fußball und Leichtathletik aber auch Trendsportarten wie Parkour sind inzwischen im Angebot.
Betreuung und Förderung statt “Aufbewahrung”
Die Vertreter:innen der Schule betonen, dass das Kooperationsmodell der Schule mit dem TSV und dem Kreisjugendring, der ebenfalls mit Personal für den Sport am Nachmittag unterstützt, einfach mehr Ganztag ermöglicht – zusätzlich zur üblichen Hausaufgabenbetreuung. Lehrer- und Elternverbände erkennen hier die positiven Ansätze, warnen aber auch davor, an anderer Stelle Chancen zu vergeben.
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann wünscht sich im Gespräch mit dem BR mehr Betreuung, auch mit pädagogischem Fachpersonal. “Da müssen die Kommunen wirklich nachlegen, was die Räume angeht, und die Kultusministerin, was das Personal angeht.” Denn für Kinder mit dringendem Förderbedarf reiche ein “Platz zum Essen und Spielen” nicht, sie brauchen konkrete Hilfestellung und Bildungsangebote.
Bildungsgerechtigkeit als Ziel
Simone Fleischmann betont deshalb, dass das Ziel ein höheres sein sollte. Echte Ganztagsbildung biete enorme Chancen, weil durch die Rhythmisierung des Lernens gute individuelle Förderung möglich wird und es deutlich besser gelingt, allen Schüler:innen faire Chancen zu bieten und damit echte Bildungsungerechtigkeit zu schaffen. Der gebundene Ganztag fördert das soziale Miteinander, schafft Raum auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Kinder besser einzugehen, und beispielsweise auch psychologische Unterstützung anzubieten.
Dafür braucht es aber auch mehr gut ausgebildetes Personal, wie die BLLV-Präsidentin im BR betont. Das bekommt man aber nicht, wenn man die Arbeitsbedingungen erschwert und populistische Debatten über Teilzeit, Beamtenstatus oder Krankschreibungen führt, während Lehrerinnen und Lehrer mit großem Idealismus und enormem persönlichen Einsatz trotz Personalmangels irgendwie den Schulbetrieb am Laufen halten.
Ein attraktives berufliches Umfeld schaffen
„Wir brauchen beste Lehrerinnen und Lehrer, der Beruf muss attraktiv werden, auch der Beruf der Ganztagslehrerin muss attraktiv werden“, fordert die BLLV-Präsidentin. „Deswegen dürfen sich die Arbeitsbedingungen für Lehrer nicht verschlechtern, sondern sie müssen sich verbessern – damit mehr junge Menschen Lust haben, Lehrerin oder Lehrer zu werden!“