Zum Schuljahresende gehen die Energiereserven von vielen Lehrer:innen zur Neige: Der Beruf der Lehrkraft ist psychisch und physisch fordernd. Umso wichtiger, dass die unterrichtsfreie Zeit der Erholung dient. Natürlich urlauben Lehrer:innen nicht die kompletten Sommerferien, müssen abarbeiten und das kommende Schuljahr vorbereiten. Wir wollten wissen: Welches Zeitmanagement hat sich bei ihnen bewährt? Lehrer:innen erzählen hier ganz persönlich, wie sie am besten zu Kräften kommen.
Besser Energietanken in den Sommerferien
Die große Sommerpause steht vor der Tür! Wir haben Lehrer:innen gefragt, was sich bei ihnen bewährt hat, um gut abzuschalten und die Akkus aufzuladen. Denn nur wer sich gut erholt, ist dann wieder fit für den herausfordernden Schulalltag!
"Nichts müssen ist für mich immer das Beste an den Sommerferien"
KATHARINA WEZEL ist Lehrerin an der Grund- und Mittelschule Durach und stellvertretende BLLV-Abteilungsleiterin Schul- und Bildungspolitik. Sie gibt Einblick, wie sie ihre Sommerpause am liebsten gestaltet:
“Ich organisiere und plane meine Sommerferien in der Regel immer so vor: In der Zeit vor den Ferien lieber durchziehen, die eine oder andere Stunde mehr arbeiten, statt Aufgaben oder Termine auf die Ferien zu verschieben. Wir fahren jedes Jahr gleich zu Beginn der Ferien für drei Wochen in den Urlaub. Die folgenden zwei Wochen widme ich ohne Stress Haus, Garten und der Vorbereitung des neuen Schuljahres und in der letzten Woche fahre ich immer nochmal mit meiner besten Freundin an den Gardasee in ein kleines Hotel direkt am Wasser.
Für Urlaubsziel und - Art suchen wir uns grundsätzlich immer nicht-touristische Regionen aus, meist in Frankreich oder Italien. Für die An- und Abreise übernachten wir in kleinen Hotels oder auf Bauernhöfen, den Rest der Zeit zelten wir an maximal drei verschiedenen Stationen.
Ich tanke Kraft im Urlaub durch Entschleunigung. Ich trage keine Armbanduhr, es gibt kein Streaming oder Fernsehen. Wir machen keinen Besichtigungsmarathon, sondern wählen Aktivitäten und Ausflüge nach Lust und Laune aus und nicht, weil man dieses oder jenes an bestimmten Orten „gesehen oder gemacht haben muss". Dazu kommen kleine Wanderungen in der Umgebung, Einkäufe auf den lokalen Märkten, gemeinsam kochen und natürlich gut essen gehen. Ich liebe es, mich beim Fotografieren zu verlieren, ohne Zeitlimit zu lesen und einfach nichts zu müssen.
Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die unglücklich werden, wenn sie sich nicht bewegen oder ständig irgendeinen Sport machen, ist es für mich das Entspannendste, einfach nur irgendwo zu sitzen und geradeaus in die Landschaft, auf das Meer oder einen See zu schauen. Das ist für mich die ultimative Energiequelle."
"Setzen Sie sich nicht unter Druck, sofort abschalten zu müssen. Erholung braucht Zeit."
SANDRA SCHÄFER ist die 1. Vorsitzende des NLLV und leitet das Referat "Gleichberechtigt" im BLLV. Sie empfiehlt, den eigentlichen Urlaub zeitlich klar festzulegen:
Sommerferien bedeuten für mich nicht, dass ich am letzten Schultag sofort im Urlaubsmodus bin. Das gelingt mir nicht. Wie man das Gedankenkarussell von heute auf morgen stoppt, weiß ich nicht. Vielleicht gehört es dazu, sich Zeit zu geben, langsam anzukommen.
Zu Beginn erledige ich bewusst alles, was im Schuljahr liegen geblieben ist: Organisatorisches, Projekte und eine grobe Planung fürs neue Jahr. Der Unterschied: Ohne Stundenplan und Termindruck strukturiere ich meinen Tag freier – das hilft mir, zur Ruhe zu kommen.
Wichtig ist mir, den eigentlichen Urlaub klar festzulegen. Auch in den Ferien arbeiten viele Lehrkräfte weiter. Deshalb definiere ich bewusst den Zeitraum, in dem ich wirklich frei habe. Dann melde ich mich aus der Bereitschaft ab – ein wichtiger Schritt, um loszulassen.
Ein festes Ritual habe ich nicht. Am besten entspanne ich mit meiner Familie, besonders beim Spielen mit meinen Kindern. Ein Ortswechsel hilft mir dabei sehr: Abstand vom Alltag erleichtert das Abschalten. Danach gelingt es mir auch zu Hause besser, die ruhigere Ferienzeit zu genießen.
Ich halte meinen Kalender möglichst leer: wenige Termine, viel Spontaneität und die Freiheit, nicht ständig auf die Uhr zu schauen. Ein gutes Buch, Gespräche, Zeit mit der Familie sowie Wasser und Weite gehören für mich zur Erholung. Ob Meer oder See – der Blick aufs Wasser beruhigt und schafft Abstand. Mein Rat: Setzen Sie sich nicht unter Druck, sofort abschalten zu müssen. Erholung braucht Zeit. Wer Arbeit und Urlaub bewusst trennt, kann die freie Zeit besser genießen und mit neuer Energie ins neue Schuljahr starten.
"Abschalten heißt nicht, dass einem die Arbeit egal ist. Es heißt, dass man sie ernst genug nimmt, um wieder gestärkt zurückzukommen."
FLORIAN SCHMIDT ist Schulleiter an der Rockefeller Mittelschule in München. Wie er es schafft, im Schulalltag gesund zu bleiben und welche Regeln er in den Sommerferien beherzigt, verrät er hier:
"Der Schulalltag ist oft eng getaktet. Viele Gespräche, viele Entscheidungen, viele Ideen, viele Menschen, die etwas brauchen. Das gehört zu unserem Beruf. Und trotzdem merke ich immer wieder: Wer dauerhaft präsent sein möchte, muss auch gut auf sich selbst achten.
Ich habe in den letzten zwei Jahren medizinisches Krafttraining für mich entdeckt. Das hätte ich früher nicht gedacht. Inzwischen gelingt es mir im Schnitt dreimal pro Woche, mir dafür Zeit zu nehmen. Diese 90 Minuten sind für mich viel mehr als Sport. In dieser Zeit wird der Kopf frei. Keine Entscheidung. Keine Nachricht. Keine schnelle Reaktion. Einfach nur Training. Für mich ist das inzwischen so etwas wie Yoga für die Seele. Der Körper arbeitet und innerlich wird es leiser. Gerade nach intensiven Schultagen tut mir diese klare Form des Ausgleichs sehr gut.
Wichtig ist für mich auch ausreichend Schlaf. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob es auf Dauer wirklich gesund sein kann, immer so früh morgens aufzustehen. Der schulische Rhythmus prägt einen stark. Leider nehme ich ihn oft auch mit in die freie Zeit. Ausschlafen bedeutet dann meist bis 07:00 Uhr morgens, dann geht der innere Wecker an. Trotzdem merke ich: Wenn ich nicht sofort wieder in Aufgaben, Mails und Planungen einsteige, entsteht nach und nach mehr Abstand.
Ein kleines Ritual habe ich mir angewöhnt: Samstags möglichst nicht zu arbeiten. Das gelingt nicht immer. Aber allein die bewusste Entscheidung hilft mir. Der Samstag soll kein verkappter Arbeitstag sein. Er soll frei bleiben für Familie, Bewegung, Alltag ohne Schulmodus und manchmal einfach für nichts.
Was aus meiner Sicht eher nicht funktioniert: die Ferien mit dem Anspruch zu beginnen, jetzt sofort alles Liegengebliebene aufzuarbeiten. Das geht meistens schief. Dann ist man zwar offiziell im Urlaub, innerlich aber immer noch in der Schule. Mir hilft es mehr, Arbeit klar zu begrenzen. Bestimmte Zeitfenster. Bestimmte Aufgaben. Aber nicht dieses dauerhafte Gefühl, jederzeit verfügbar sein zu müssen.
Ein ganz wichtiger Punkt ist für mich ein funktionierendes Schulteam. Abschalten kann ich nur, wenn ich weiß: Verantwortung liegt nicht nur bei einer Person. Ich gebe deshalb bewusst Aufgaben an Kolleginnen und Kollegen ab. Nicht, um Arbeit loszuwerden. Sondern weil ich ihnen etwas zutraue. Gute Schule entsteht nicht durch Kontrolle. Gute Schule entsteht durch Vertrauen, Klarheit und gemeinsame Verantwortung.
Besonders sinnstiftend bleibt für mich die Arbeit mit Menschen. Schülerinnen und Schüler, Kolleginnen und Kollegen, Familien. Das kostet Energie. Aber es gibt auch viel zurück. Gerade deshalb ist Erholung keine Nebensache. Wer im Alltag viel gibt, braucht Zeiten, in denen die eigenen Reserven wieder wachsen können.
Für die Sommerferien nehme ich mir deshalb vor: weniger Tempo, mehr Schlaf, Bewegung, echte Pausen und den Mut, die Schule auch einmal Schule sein zu lassen. Abschalten heißt nicht, dass einem die Arbeit egal ist. Es heißt, dass man sie ernst genug nimmt, um wieder gestärkt zurückzukommen."