Pressefotos Simone Fleischmann 2024
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im "Spotlight"des BEV (Bayerischer Elternverband e.V.) Startseite Topmeldung
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Bildung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Am 22. Januar hat Kultusministerin Anna Stolz für ein Jahr die Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz (BMK) übernommen. In ihrem Gastbeitrag im BEV-Newsletter "Spotlight" beleuchtet Simone Fleischmann Herausforderungen und Chancen.

Der BLLV hatte die Übernahme der Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz (BMK) durch Kultusministerin Anna Stolz zum Anlass genommen, um “Echte Antworten auf drängende Herausforderungen!” zu fordern. Jetzt, ein knappes halbes Jahr später, bat der BEV (Bayerischer Elternverband e.V.) Simone Fleischmann um eine aktuelle Einschätzung für den BEV-Newsletter "Spotlight". In ihrem Gastbeitrag spannt Sie den Bogen von den neuen und alten Herausforderungen an den Schulen bis hin zu den aktuellen Aktivitäten und Lösungsansätzen in Bayern und in Deutschland. Der Beitrag aus dem Spotlight im Wortlaut:

„Gedanken zur Bildungsministerkonferenz (BMK) und was sich ändern muss

Am 22. Januar 2026 hat die Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus, Anna Stolz, MdL, für ein Jahr die Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz (BMK) übernommen. Dass sich die Bildungsminister:innen regelmäßig in der BMK austauschen und neue Konzepte erarbeiten ist ein wichtiges Signal an all diejenigen, die im Bildungsbereich tätig sind. Denn die Herausforderungen in und Anforderungen an Schule sind mittlerweile so groß, dass sie nur gemeinsam bewältigt werden können.

Allerdings darf es selbstverständlich nicht nur beim Austausch bleiben! Lehrkräfte, Schulleitungen, Schüler:innen und Eltern erwarten zu Recht, dass aus gemeinsamen und teils längst bekannten Analysen konkrete Veränderungen entstehen, die auch wirklich etwas bewegen. Denn häufig bleibt der Eindruck, dass gute Ideen den Weg in die schulische Praxis vor Ort nur sehr langsam oder gar nicht finden.

Von PISA zur Roadmap

Nach dem ersten PISA-Schock im Jahr 2000 wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen. Hierfür wurdenb sieben Handlungsfelder definiert, mit dem Ziel, die Schüler:innenleistung zu verbessern. Dazu zählten u. a. die: Verbesserung der Sprach- und Lesekompetenz der Schüler:innen, die Förderung sogenannter „bildungsbenachteiligter Kinder“, insbesondere der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, der Ausbau von Ganztagsangeboten, die Professionalisierung der Lehrkräftetätigkeiten und die Weiterentwicklung und Sicherung der Bildungsqualität. Auf diese Weise sollte damals das Ruder rumgerissen werden. 

Aber ist es gelungen? Nein, denn mehr als 20 Jahre später stehen wir scheinbar an der exakt gleichen Stelle. Nur nennt die BMK es jetzt Roadmap. Als Reaktion auf den IQB-Bildungstrend 2024 wurden auch hier sieben Handlungsfelder definiert. Der Unterschied von damals zu heute? Heute liegen die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler in mehreren Bereichen auf einem historischen Tiefstand, teilweise sogar unter den Werten nach dem PISA‑Schock von 2000. Klar ist, niemand möchte dem Schiff beim Sinken zuschauen. Aber wirkliche Veränderung konnte trotz der zahlreichen Maßnahmen nur teilweise erzielt werden. Die Probleme sind heute wie damals noch die gleichen – nur in einem drastischeren Ausmaß. Wenn 2001 der eklatante Leistungseinbruch klar war und über 20 Jahre diese Ergebnisse nochmals untertroffen wurden, dann ist eine Roadmap natürlich zu befürworten. Aber welche Wirkung die Roadmap nun entfaltet, bleibt abzuwarten.

Priorisiert werden soll zunächst u. a. die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung, um die Bildungsqualität zu verbessern. Es sollen mehr und gezieltere Daten erhoben und so zur Weiterentwicklung von Schulen und letztlich zur Steigerung der Bildungsqualität führen. Dann müssen aber auch die nächsten Schritte folgen: weg von der bloßen Problemanalyse hin zu ihrer konsequenten Lösung. Denn wenn nach der Erhebung der Daten keine Unterstützung folgt, dann haben Lehrkräfte natürlich weniger das Gefühl bestärkt zu werden, sondern vielmehr von Kontrolle. Die Frage muss also lauten: Wer ist für was verantwortlich?

Verantwortung übernehmen und Veränderung bewirken

Gerade am Beispiel des Startchancenprogramms zeigt sich, wie herausfordernd die Verteilung von Verantwortung sein kann. Die Analyse stimmt zwar: Es muss etwas gegen die bestehende Bildungsungerechtigkeit getan werden – auch das ist im Übrigen seit mehr als 20 Jahren bekannt. Basierend auf einem Sozialindex werden besonders herausgeforderte Schulen gefördert. Doch gerade in Sachen Finanzierung treten Probleme auf. Nicht nur zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Auch Schulleitungen kommen teils nur durch ein kompliziertes Antragsverfahren und erheblichen Mehraufwand an die zur Verfügung gestellten Gelder. Doch wer fühlt sich nun verantwortlich, wenn Probleme auftreten? Und wer bietet dann erneut Lösungen an? 

Die Beispiele zeigen: Es entstehen im gemeinsamen Dialog oftmals gute und wissenschaftlich fundierte Ideen, nun kommt es drauf an, diese wirksam umzusetzen. Der Bildungsbereich braucht nicht nur mehr Austausch, sondern den Willen und die gemeinsame Kraftanstrengung, aus den gewonnenen Erkenntnissen endlich wirksames Handeln werden zu lassen.

Die BMK leistet einen wichtigen Beitrag, indem sie den Dialog ermöglicht und den Blick auf gemeinsame Herausforderungen richtet. Bildung gelingt nur in einer echten Verantwortungsgemeinschaft aus Politik, Schulverwaltung, Schulen, Eltern und Gesellschaft. Gerade deswegen sollten Eltern noch stärkere Einflussmöglichkeiten erhalten. Denn nur so kann es gelingen, dass die Vorhaben die Bildungsbiografien junger Menschen positiv beeinflussen können und echte Wirkung erzielen!“

Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e. V.

 

>> Die „Spotlight“ Ausgabe vom Juli 2026 als PDF-Download