Kita
Nach einem Jahr Sprachstandstests Startseite Topmeldung
Sprachstandserhebung Frühkindliche Bildung Einschulung

Diagnosen sind wichtig, Förderung ist entscheidend

Sprachtests für Vierjährige erkennen Förderbedarf. Doch entscheidend ist die Förderung danach. BLLV warnt: Eine qualitativ hochwertige und individuelle Förderung benötigt ausreichend Personal.

Seit einem Jahr gibt es in Bayern die Sprachstandserhebungen für Vierjährige. Diese sind verpflichtend für Kinder, die im Kindergarten mit Sprachdefiziten auffallen sowie für jene, die keinen Kindergarten besuchen. Mit standardisierten Tests soll festgestellt werden, ob die Kinder Förderbedarf haben. Die Testung findet an der zuständigen Grundschule statt. Dabei werden den Kindern beispielsweise Begriffe genannt und sie müssen dann auf das Bild zeigen, auf dem der genannte Gegenstand oder Sachverhalt abgebildet ist. Auch ob sie eigenständig kurze Sätze bilden und ein Bild beschreiben können, wird geprüft.

Auf die Diagnose muss die individuelle Förderung folgen

Kinder, die bei den Tests einen festgelegten Wert nicht erreichen, müssen in ihrem Vorschuljahr einen verpflichtenden Vorkurs besuchen. Dieser umfasst 240 Unterrichtsstunden und findet zum Teil im Kindergarten und zum Teil in der Grundschule statt. Der Kurs soll die Kinder auf die Grundschule vorbereiten, sodass diese ab der ersten Klasse dem Unterricht folgen und sich im Schulalltag zurechtfinden können. Im Jahr 2025 wurde bei rund 24.000 Kindern ein Sprachförderbedarf festgestellt. 

Im Gespräch mit dem BR betont Sabrina Neckov, Schulleiterin der Friedrich-Rückert-Grundschule in Schweinfurt, dass die Vorkurse wichtig seien, um die Kinder auf die erste Klasse vorzubereiten. Auch dass die Vorkurse verpflichtend sind, ist aus ihrer Sicht sinnvoll. 

BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betont, dass die Sprachstandserhebungen grundsätzlich eine gute Möglichkeit bieten könnten, um die Kinder gut zu diagnostizieren, allerdings ging dabei schon zum Start im letzten Jahr einiges schief. Sie stellt aber auch klar, dass es für die anschließende Förderung ausreichend Profis benötigt. Mit dem derzeitigen Mangel an Lehrkräften und Fachpersonal sei es fast unmöglich, die Kinder individuell zu fördern.

BLLV fordert ausreichend Personal

Bereits in der Vergangenheit kritisierte der BLLV das Vorgehen der Staatsregierung. Die Sprachstandserhebungen wurden in einem Hauruck-Verfahren eingeführt, ohne die notwendigen Ressourcen für die Planung und Durchführung der Tests sowie der anschließenden Vorkurse zu gewährleisten.

So erhalten Lehrkräfte, die die Tests durchführen, oftmals keinen oder nur einen unzureichenden Zeitausgleich. Teilweise fallen deren reguläre Unterrichtsstunden aus, was wiederum zu Lasten des Kollegiums und der Schüler:innen geht. 

Der Verband wies bereits im letzten Jahr darauf hin, dass das es an Personal fehlt, um qualitativ hochwertige Vorkurse anzubieten und diese auch regelmäßig durchzuführen. Fleischmann sagte dazu: „Es ist erst dann was gewonnen, wenn all diese Kinder einen exzellenten Vorkurs kriegen!“