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Kommentar von Sabine Bösl, Leiterin der Abteilung Schul- und Bildungspolitik
Arbeitsbedingungen Arbeitsbelastung Bildungsgerechtigkeit

Hitzeschutz für Schulgebäude

Deutschland hat den zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Wieder hat sich gezeigt: Unsere Schulen sind auf extreme Hitze nicht ausgelegt. Wir brauchen Schulgebäude, die auch bei hohen Temperaturen gute Lern- und Arbeitsbedingungen bieten.

Die Sommerferien sind längst vorbei. Für Schülerinnen und Schüler in Bayern läuft wieder der gewohnte Alltag: Schulranzen packen, früh aufstehen, Klassenzimmer, Unterricht. Auch die Lehrkräfte sind nach den Wochen der Vorbereitung auf das neue Schuljahr zurück in ihrem Arbeitsalltag. Doch dieser Alltag findet zunehmend unter Bedingungen statt, auf die unsere Schulen nicht vorbereitet sind.

Der diesjährige Sommer hat erneut gezeigt, wie sehr sich unser Klima verändert. Deutschland erlebte den zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen (nur der Sommer 2003 war noch wärmer). Im Deutschlandmittel wurden rund 22 heiße Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad registriert, dazu etwa fünf sogenannte Wüstentage mit mindestens 35 Grad. Besonders im Süden und Südwesten war die Hitzebelastung außergewöhnlich. Auch Bayern lag über dem Bundesdurchschnitt: Mit durchschnittlich 20,0 Grad war es hier etwas wärmer, gleichzeitig gab es auffällig viele Hitzetage. 28 Tage mit mehr als 30 Grad und sieben Tage mit mehr als 35 Grad zeigen, dass extreme Hitze längst keine Ausnahme mehr ist. Gleichzeitig blieb der Regen aus. 171 Liter Niederschlag pro Quadratmeter fielen im Sommer. Das sind gerade einmal knapp 72 Prozent des langjährigen Solls. (Quelle).

Hitze und Trockenheit sind damit nicht mehr nur Themen für Klimaberichte oder Wetterkarten. Sie sind Teil unseres Alltags – auch in unseren Schulen. 

Ausgangssituation an bayerischen Schulen

Viele Schulgebäude sind baulich nicht darauf ausgelegt, dass sich Klassenzimmer über Stunden aufheizen. Fehlender Sonnenschutz, schlechte Dämmung, unzureichende Lüftung und fehlende Begrünung machen aus einem warmen Sommertag schnell eine gesundheitliche Belastung. Schülerinnen und Schüler sollen sich konzentrieren und lernen, während die Temperaturen im Klassenraum immer weiter steigen. Lehrkräfte sollen unterrichten, während ihre eigene Gesundheit ebenfalls belastet wird.

Das ist nicht nur unangenehm, sondern hat neben den gesundheitlichen Gefahren auch einen negativen Einfluss auf das Lernen. Hitze führt zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Leistungsabfall. Wer bereits morgens in einem überhitzten Klassenzimmer sitzt, kann nicht dieselben Bedingungen haben wie jemand, der in einem gut belüfteten und verschatteten Raum lernt. Damit wird die Klimakrise auch zu einer Frage der Bildungsgerechtigkeit.

So zeigt eine Metastudie mit Daten aus 58 Ländern: Je mehr heiße Tage mit Temperaturen über 26,7 °C, desto schlechter schnitten Schülerinnen und Schüler in standardisierten Leistungstests wie PISA ab. Besonders deutlich war der Effekt bei jüngeren Kindern. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Kinder deutlich schlechter Hitze ausgleichen können als Erwachsene.

Und was passiert in Bayern?

Hitzefrei ist in Bayern grundsätzlich eine Einzelfallentscheidung der Schulleitung. Gleichzeitig wird das Recht auf Ganztagsbetreuung durch hohe Temperaturen nicht außer Kraft gesetzt. Damit stehen Schulen vor einem schwierigen Spagat: Sie müssen den Bildungs- und Betreuungsauftrag erfüllen und gleichzeitig die Gesundheit der Menschen im Gebäude schützen. Einzelne Schulen können versuchen, mit geöffneten Fenstern, heruntergelassenen Jalousien oder veränderten Unterrichtszeiten zu reagieren. Aber solche Lösungen reichen nicht aus. Sie können kein Ersatz für eine langfristige Strategie sein.

Denn wir müssen davon ausgehen, dass sich solche Hitzeszenarien zwischen Mai und September künftig regelmäßig und in zunehmendem Umfang wiederholen werden. Der menschengemachte Klimawandel macht extreme Hitze wahrscheinlicher. Wer trotzdem darauf setzt, dass die nächste Hitzewelle schon irgendwie vorübergehen wird, handelt nicht vorausschauend, sondern fahrlässig.

Dringender Handlungsbedarf

Es braucht klare Zuständigkeiten zwischen Freistaat, Kommunen, Schulträgern und Schulleitungen. Es braucht eine systematische Erfassung von Raumtemperaturen und Hitzebelastungen, damit nicht erst reagiert wird, wenn Kinder und Lehrkräfte bereits unter der Hitze leiden. Und es braucht endlich Tempo beim Abbau des Sanierungsstaus. Schulen müssen klimaangepasst gebaut und saniert werden: mit wirksamem Sonnenschutz, Begrünung, guter Dämmung sowie funktionierenden Lüftungs- und – wo notwendig – Kühlkonzepten. Der Schutz vor Hitze muss bei jedem Neubau und jeder Sanierung von Anfang an mitgedacht werden.

Dabei geht es nicht um Luxus. Und es geht auch nicht darum, Schülerinnen und Schülern möglichst angenehme Bedingungen zu schaffen, damit der Schulalltag ein bisschen komfortabler wird. Es geht um die Gesundheit aller in der Schule. Es geht um gute Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und alle weiteren Beschäftigten. Es geht um die Fähigkeit von Kindern und Jugendlichen, überhaupt konzentriert lernen zu können. Und damit geht es um Bildungsgerechtigkeit.

Der Rekordsommer 2026 sollte deshalb ein Weckruf für die Politik sein. Wer über Bildung spricht, darf nicht nur über Lehrpläne, Unterrichtsqualität und Prüfungen sprechen, sondern auch über Räume.

Wir brauchen Schulgebäude, die an die Folgen des Klimawandels angepasst sind und auch bei zunehmender Hitze gute Bedingungen zum Lernen und Arbeiten bieten.