Welche Aktivitäten empfehlen Sie Lehrkräften ganz grundsätzlich, damit sie Energie schöpfen können?
Wer das ganze Jahr mit Menschen arbeitet wie Lehrkräfte, der schöpft in der Regel Kraft aus Ruhe, Natur und Zeit ohne soziale Verpflichtung. Berufe wie die der Lehrkraft erfordern viel Selbstorganisation. Deshalb wirken kreative Tätigkeiten besonders erfrischend. Das muss aber nicht Aquarellmalerei sein! Ich meine das grundsätzlicher: Routinen verlassen, etwas Neues lernen, etwas zum ersten Mal erleben.
Oftmals tendieren gerade Lehrkräfte dazu, sich den Urlaub sehr voll zu packen, die Ferien also auch wieder zu einem Projekt zu machen. Ich rate deshalb von einem Besichtigungsmarathon, also unbedingt auch noch die Kirche und noch das Kloster anzugucken, ab. Der Grund: Das Nervensystem erholt sich im Müßiggang, in Zeiten, in denen nicht alles durchgeplant ist, also auf dem Balkon sitzen, etwas lesen, spazieren, Gartenarbeit oder Fahrradfahren. Mäandern, sich treiben lassen. Diese leichten Aktivitäten sind übrigens besser, als nur auf dem Sofa zu sitzen.
Natürlich geht es auch um eine grundsätzliche Frage, wie ich Urlaub bewerte und welchen Anspruch ich an mich habe. Es tut eine Haltung gut, in der im Urlaub nicht jeder Tag produktiv sein muss. Eine Haltung, in der ich Mitgefühl mit mir habe und eben nicht mein stärkster Gegner bin.
Was sind Energieräuber und Energiebringer in den Ferien?
Ich rate dazu, sich Gedanken zu machen, wie man mit seinem digitalen Nachrichtenverhalten umgehen will. Wie wirkt sich das auf mich aus, wenn ich immer Mails checke, wenn ich ständig online bin? Mein Rat: digitale Pausen einlegen. Eine komplette Abstinenz ist aufgrund der heutigen digitalen Verstrickung in alle Lebensbereiche eher unrealistisch. Aber auch Pausen machen einen deutlichen Unterschied und bringen Erholung.
Jeder Mensch hat das Bedürfnis nach sozialer Einbindung. Beziehungen nähren uns. Deswegen tut der Kontakt mit uns lieben Menschen einfach grundsätzlich gut. Denn: Man wird sich am Lebensende nicht an erledigte Aufgaben erinnern, die man so toll gewuppt hat, aber an die gemeinsamen Urlaube, gemeinsame Erlebnisse.