Die geplante Digitalisierung der Vergleichsarbeiten in Bayern zum Schuljahr 2026/27 (s. Infokasten unten) ist ein sinnvoller und längst überfälliger Schritt. Länderübergreifende Kompetenztests, beginnend mit den Vergleichsarbeiten VERA, sollen künftig schrittweise computerbasiert durchgeführt und weitgehend automatisiert ausgewertet werden, heißt es dazu im Bericht aus der Kabinettssitzung vom 17.03.2026.
Auswertungen schneller und effizienter
Die Durchführung der verpflichtenden Vergleichsarbeiten VERA 8 in den weiterführenden Schulen und VERA 3 in den Grundschulen war bisher für Lehrkräfte mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden. Eine effektive digitale Infrastruktur kann Kolleginnen und Kollegen bei der Auswertung der Tests entlasten. Der BLLV begrüßt diese digitale Anpassung ausdrücklich. Sie erfüllt eine von vielen Forderungen des BLLV zur Entbürokratisierung und ist ein richtiger Schritt. Digitale Tests können so effizienter und schneller ausgewertet werden.
Nach der Diagnose braucht es individuelle Fördermaßnahmen
„Allerdings ist die Erhebung der Daten nur die eine Seite“, betont Sabine Bösl, Leiterin der Abteilung Schul- und Bildungspolitik, „denn Testergebnisse alleine verbessern noch keine Bildung.“ Entscheidend ist, was danach passiert: Können die Schulen geeignete Fördermaßnahmen einleiten in Zeiten des massiven Lehrkräftemangels und des Stellenmoratoriums in der Bildung? Bekommen Lehrkräfte ausreichend Ressourcen und Unterstützung, um auf diagnostizierte Defizite eingehen zu können? Erhalten die Schulen zusätzliche Förder- und Differenzierungsstunden? Wo sind kleinere Lerngruppen und multiprofessionelle Teams für gezielte Unterstützung?
Ohne die klare Verzahnung von Diagnose und Förderung besteht die Gefahr, dass auch digitale Vergleichsarbeiten vor allem zusätzlichen Aufwand erzeugen, ohne den Schülerinnen und Schülern konkret zu helfen. Das gilt besonders für das nun im Gesetz verankerte „Technologiebasierte Assessment“ (TBA) – also die Umstellung auf computerbasierte Tests, die künftig die bisherigen Papier-Formate ablösen sollen. Viele Studien belegen seit Jahren einen deutlichen Kompetenzrückgang in Deutsch und Mathematik; selbst Mindeststandards werden oft nicht mehr erreicht. Antje Radetzky, Leiterin der Abteilung Berufswissenschaft, mahnt hierzu: „Daten sind ein Kompass, kein Ziel. Das TBA stärkt zwar unsere diagnostische Professionalität, doch dieser Kompass nützt wenig ohne Ressourcen zum Steuern. Auf die digitale Diagnose muss zwingend eine personelle Kraftanstrengung folgen.“
Freistaat muss in gute Bildung investieren
Bayern ist Bildungsland, verkündeten kürzlich wieder Ministerpräsident Söder und Kultusministerin Stolz. Ein moderner Bildungsstaat misst nicht nur – er handelt. Er investiert dort, wo Defizite sichtbar werden und sorgt dafür, dass jede Schülerin und jeder Schüler die notwendige Unterstützung erhält. Digitale Vergleichsarbeiten sind nur so gut, wie die Konsequenzen, die daraus gezogen werden.