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Wir Frauen von Format

Geschlechtergerechtigkeit ist hierzulande gesetzlich verbrieft. In Wirtschaft und Politik haben schon längst auch ein paar Frauen das Sagen. Und der BLLV mit seinem hohen Anteil weiblich besetzter Mandate wird seit zehn Jahren von einer Frau geführt. Braucht es da noch spezielle Maßnahmen? Ein Angebot der BLLV-Akademie liefert erstaunliche Antworten.

Normalerweise machen mich Erfolge des BLLV einfach nur froh. Neulich aber hatten wir einen Erfolg, der machte mich froh und zugleich stutzig. Ich spreche von unserem Online-Format „Expertinnentalk“, das ich gemeinsam mit unserer BLLV-Akademie aufgesetzt habe. Das hat unglaublich eingeschlagen. Die Kick-off-Veranstaltung unter dem Titel „Frauengesundheit stärken“ war kaum annonciert, da hatten sich 350 Kolleginnen angemeldet. Für „Dienstrecht und Frauengesundheit im Schulalltag“ waren es dann 500 Anmeldungen, zu einem zweiten Termin zum selben Thema 250. Warum mich das stutzig macht? Naja, ist doch irgendwie erstaunlich, dass es bei uns einen derart großen Bedarf für reine Frauenthemen gibt.

Besonders spannend finde ich, dass die Teilnehmerinnen im geschützten Raum des Chats sich ganz anders zu fragen trauten als sonst in Gegenwart von Vertretern des männlichen Geschlechts. Verstehen Sie – vor allem liebe Männer im Verband – mich bitte nicht falsch! Wer mich kennt, weiß: Ich schätze echte Expertise, egal von wem sie kommt. Und in meiner politischen Arbeit stehe ich bekanntermaßen meine Frau, egal wie viele und welche Männer mitreden. Aber gerade darum habe ich mich gefragt: Braucht es heute, im Jahr 26 des 21. Jahrhunderts, wirklich noch so einen Raum extra für Frauen? Sind
„Frauenzimmer“, wie wir scherzhaft sagten, nicht von gestern? Hocken wir am Ende vielleicht zu zehnt beieinander?

Ganz klar: Offensichtlich braucht es das! Und wenn ich so überlege, wo mir immer noch das Gestrige begegnet, dann muss ich nicht lange überlegen. Neulich erst, auf dem Weg zum reservierten Platz in der Mitte des ICE-Waggons, denke ich: Sind hier vielleicht nur Männer erlaubt? Die erste Klasse scheint für die Herren in ihren blauen Anzügen besetzt zu sein. Oder der Klassiker: Nach offiziellen verbandspolitischen Anlässen soll ich mich fürs Gruppenbild mit Dame bitt’schön in die Mitte stellen. Da fällt mir Christina Sontheim-Leven ein. Die Managerin und Autorin des Buchs „Machtgebiete“ berichtete in einem Interview mit der SZ zum Thema „Frauen in Vorständen“, dass sie einmal als geladene Expertin nach einem Meeting angeraunt wurde, sie solle sich beim nächsten Mal lieber auf ihre
„dekorative Rolle“ beschränken.

Wie gesagt, verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Für mich sind nicht Männer an sich das Problem. Schon gar nicht, wenn ich an unsere Verbände denke. Schließlich waren es drei Männer, die sich dafür eingesetzt haben, dass ich meine heutigen Positionen erreiche: Klaus Wenzel war es, der mich als seine Nachfolgerin im höchsten Amt des BLLV ins Spiel brachte; durch den damaligen VBE-Vorsitzenden Udo Beckmann lernte ich viel darüber, wie Bildungspolitik auf Bundesebene läuft, und wurde stellvertretende Bundesvorsitzende; Uli Silberbach hat mir den dbb vorgestellt und mir Mut gemacht, auch im Beamtenbund auf Führungsebene mitzumischen. Ich finde auch nichts dabei, den Rat und die Unterstützung dieser Führungspersönlichkeiten angenommen zu haben.

Das Problem ist ein anderes: Schon in meiner Zeit als Schulleiterin hatte ich dieses Gefühl, ich muss immer doppelt so gut sein wie die Vorgänger in meinem Amt, um als Chefin anerkannt zu werden. Aber warum eigentlich, frage ich mich heute? Ich weiß doch, was ich kann. Und andere können es auch wissen. Was sind das nur für saudumme Spielregeln? Na also: Sobald es ums Geld verdienen, um Macht und Einfluss geht, wird offensichtlich doch noch unterschieden zwischen Männern und Frauen. Und wir Frauen spielen immer noch mit. Und so warb ich dafür, die Rolle der Frau auch im BLLV in den Vordergrund zu rücken. 64 Prozent unserer Mandate sind von Frauen besetzt, naturgemäß sind viele von ihnen in den Wechseljahren oder darüber hinaus. Ich sprach also nicht nur über den Gender-Pay-Gap, sondern erstmals auch über Gender-Medizin und sogar über die Menopause. Und erlebte ein Wechselbad der Gefühle: Manche reagierten irritiert („du bist doch gar nicht die typische Frau“), aber viele – Frauen und Männer – sagten: Jawoll!

Bin ich die „typische“ Frau? Mir ist das ehrlich gesagt ziemlich schnuppe. Eins aber weiß ich sicher: Frauen brauchen Vorbilder, Frauen brauchen Frauen in Führung. Gerne auch solche wie die Kultusministerin. Die ist intelligent und politisch versiert, sie überzeugt durch dialogorientierten Führungsstil. Aber auch da ist meine Freude nicht ungetrübt: Denn allzu oft kommen Veränderungen nicht so an den Start, wie sie die Ministerin andenkt und im gemeinsamen Prozess entwickelt. Was wiederum weniger an ihr liegt, als am Mann an der Spitze der Regierung. Als Pädagogin bin ich natürlich optimistisch: Auch in Leitungspositionen werden wir Frauen die Rolle spielen, die uns zusteht. Unser neues Format leistet dazu einen kleinen Beitrag. Die dritte Folge stand unter dem Motto: „Frauen in Führung“.

>> zur bayerischen schule #4: Frauen in Führung