Hinter den Kulissen des Programms
Einen umfassenden Einblick in das Programm sowie die dahinterliegenden politischen und verwaltungsbezogenen Abläufe gab Philipp Pacius (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus). Er begleitet das Programm mit großem Engagement. Pacius eröffnete seine Rede mit einem Überblick über den aktuellen Stand und den weiteren Ablauf des Programms. Nun beginne die eigentliche Arbeit an den Schulen. Gleichzeitig betonte er, dass das Programm kontinuierlich weiterentwickelt werden solle, insbesondere mit Blick auf bürokratische Hürden und mögliche Anpassungen. Positiv hob er den engen Austausch und die gute Kommunikation auf allen Ebenen hervor, etwa mit der Akademie und dem ISB, und ermutigte die Schulen dazu, Verantwortung zu übernehmen: Man stehe hinter ihnen und unterstütze sie sowohl strukturell, etwa durch den Ausbau von KI-Anfragetools, als auch durch gezielte Fortbildungsangebote zur weiteren Qualitätsentwicklung des Programms.
Anschließend sprach Brigitte Stelli (ALP Dillingen) über den Bereich Fortbildungen und machte dabei die große Dimension des Angebots sowie die enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Beteiligten deutlich. Als Beispiel nannte sie das „Train the Trainer“-Programm, bei dem 25 Personen zu Schulentwicklungsmoderatoren ausgebildet wurden, um ihr Wissen anschließend als Prozessbegleiter, Fachberater für Schulentwicklung und Berater für datengestütztes Arbeiten weiterzugeben. Zudem stellte sie verschiedene Fortbildungs- und Austauschformate vor, darunter den monatlichen „Chatpoint“ für Schulleitungen, verwies auf die SCP-Themenseite als zentrale Übersicht und ermutigte bei Fragen zur direkten Kontaktaufnahme, um eine gezielte Weiterleitung an die zuständigen Ansprechpartner zu ermöglichen.
Ein Blick aus der Kommune
Einen kurzen Input aus kommunaler Perspektive gab anschließend Anita Henselmann (Landeshauptstadt München), die auf die besondere Bedeutung des SCP für München verwies, wo derzeit 63 Schulen am Programm teilnehmen. Gerade in Säule I sei die Kommune finanziell stark gefordert, weshalb ein enger Austausch zwischen allen Beteiligten notwendig sei, um den Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozioökonomischem Hintergrund gemeinsam anzugehen. Sie betonte das Ziel der Stadt, mehr Bildungsgerechtigkeit nicht nur als Vision zu formulieren, sondern die SCP-Schulen auch ganz konkret zu unterstützen.
Erkenntnisse auf Bundesebene
Aus der Bundespolitik sprach Nicole Gohlke, MdB für die Partei Die Linke, und schilderte die Sicht einer Oppositionspartei auf das SCP. Sie betonte, dass bereits bei der Entstehung des Programms deutlich geworden sei, dass die beteiligten Parteien das Thema Bildungsgerechtigkeit ernsthaft voranbringen wollten. Dabei bewertete sie positiv, dass die Mittel nicht nach dem Königsteiner Schlüssel, sondern anhand eines Sozialindexes verteilt werden. Gleichzeitig äußerte sie grundlegende Kritikpunkte. Viele Schulen gingen weiterhin leer aus, das SCP erreiche nicht alle armutsbetroffenen Kinder und bleibe trotz seines Umfangs ein Förderprogramm statt eines Systemwechsels, während zentrale Probleme wie soziale Ungleichheit, fehlende dauerhafte Finanzierung und Lehrkräftemangel bestehen bleiben, auch wenn sie optimistisch auf das große Engagement vor Ort blicke.
Jamila Schäfer, MdB für Bündnis 90/Die Grünen, verwies mit Zahlen des ifo-Instituts darauf, dass in Bayern nur etwa 20 Prozent der Kinder aus einkommensschwachen Familien ein Gymnasium besuchen: ein Zustand, der ihrem Verständnis von Bildungsgerechtigkeit widerspreche. Das SCP sei daher ein wichtiger erster Schritt. Gleichzeitig brauche es aus ihrer Sicht jedoch deutlich mehr: einen besseren Sozialindex, stärkere Kofinanzierung, dauerhafte Investitionen sowie eine engere Zusammenarbeit von Bund und Ländern, da weiterhin viele Schülerinnen und Schüler nicht ausreichend erreicht würden.
Handlungsbedarf in Bayern
Gabriele Triebel, MdL und stellvertretende Vorsitzende im Bildungsausschuss für Bündnis 90/Die Grünen, bezeichnete das SCP als einen „Gamechanger“ in der Bildungspolitik. Sie hob die klaren Zielsetzungen des Programms, etwa Mindeststandards und deren wissenschaftliche Überprüfung, als wichtig hervor, kritisierte jedoch, dass die 20 Milliarden Euro über zehn Jahre in Bayern kaum zusätzliches Geld bedeuteten und damit kein ausreichendes Signal für notwendige bildungspolitische Veränderungen seien.
Podiumsdiskussion – Bildungsgerechtigkeit im Spannungsfeld von Anspruch und Umsetzung
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde erneut deutlich, dass das SCP von vielen Beteiligten als große Chance gesehen wird, zugleich aber zahlreiche Herausforderungen bestehen bleiben. Dr. Martin Brunnhuber, MdL und im Bildungsausschuss für die Freien Wähler, drückte seine große Dankbarkeit für das Programm aus und hob hervor, dass die beteiligten Schulen die Unterstützung dringend benötigten und die Mittel nun sinnvoll eingesetzt werden müssten. Gleichzeitig verwies er auf die hohen Belastungen vieler Schulen durch psychosoziale Probleme und einen hohen Anteil von Kindern mit schwierigen familiären Voraussetzungen. Pacius schnitt kurz die bayerische Umsetzung des Programms an und erklärte dann, auf Kritik aus den Reihen der Opposition, dass die Regelungen bundesweit einheitlich seien und auch andere Länder zunächst mit kleineren Kohorten gestartet hätten.