Seit 2025 gibt es in Bayern die verpflichtenden Sprachstandserhebungen für Vorschulkinder. Sie finden ungefähr eineinhalb Jahre vor der Einschulung statt und sollen dafür sorgen, dass Sprachdefizite rechtzeitig erkannt werden. Kinder, die bei dem Sprachtest die erforderliche Punktzahl nicht erreichen, sind verpflichtet, im letzten Jahr vor der Einschulung den Kindergarten sowie einen Deutsch-Vorkurs zu besuchen.
Der BR zieht nun eine erste Bilanz und hat dafür die Friedrich-Rückert-Grundschule in Schweinfurt besucht. Rund 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben dort einen Migrationshintergrund. Im September sind nun die ersten Kinder, die die Sprachtests und die anschließenden Sprachkurse durchlaufen haben, eingeschult worden.
Positive Bilanz nach dem ersten Jahr
Um zu überprüfen, ob sich das sprachliche Niveau durch die Fördermaßnahmen verbessert hat, haben Schulleiterin Sabrina Neckov und ihr Team sogenannte Lernausgangstests erstellt. Diese wurden von den neuen Erstklässlern bearbeitet und durch die Schule ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Förderung bei vielen Kindern Wirkung gezeigt hat. Neckov erklärt: „Und so sehen wir natürlich: Wo steht das Kind? Und was hat sich verbessert? Und ja, es hat sich bei vielen Kindern etwas verbessert.“ Neckovs Fazit fällt daher positiv aus: "Die Fördermaßnahmen haben sich gelohnt.“
Auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann sieht in den Vorkursen eine große Chance, um allen Kindern gute Bildung zu ermöglichen: „Sprache ist das wichtigste Mittel, um hier in Bayern, in Deutschland, eigentlich auf der ganzen Welt, gut in die Schule zu starten". Um Sprachdefizite bei Vorschulkindern aufzufangen, sei es allerdings eine wichtige Voraussetzung, dass die Vorkurse "exzellent mit wirklich guten Profis" durchgeführt würden.
Kita und Vorkurse müssen regelmäßig besucht werden
Damit die Fördermaßnahmen Erfolge bringen können, sei das "das A und O", dass die Familien diese auch tatsächlich nutzen, sagt Neckov gegenüber dem BR. Sie fügt hinzu: „Nachdem es rechtlich verpflichtend ist, können die Kommunen Bußgelder verhängen, wenn die Eltern ihre Kinder nicht verbindlich zum Vorkurs oder in die Kita bringen. Aber leider hapert es oft noch in der Umsetzung und die Eltern bekommen eben nicht regelmäßig ein Bußgeld.“
Schulen brauchen personelle und finanzielle Ressourcen
Eine weitere wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Vorkurse ist aus Sicht des BLLV, dass an den Schulen genügend Personal und Zeit zur Verfügung steht, um die Tests und Kurse durchzuführen. Der Verband sieht das Thema Bildungsgerechtigkeit als eine der zentralen Herausforderungen des Bildungssystems. Gezielte Sprachstandserhebungen und eine individuelle Förderung im Anschluss können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Bildungschancen gerechter zu gestalten.
>> Zum Text- und Videobeitrag des BR: “Verpflichtende Sprachtests für Kinder – eine erste Bilanz”