Während in Bayern und Baden-Württemberg die Ferien gerade erst losgehen, starten andere Bundesländer bereits ins neue Schuljahr. Kinder, die jetzt in die erste Klasse kommen, haben seit dem 1. August 2026 in ganz Deutschland das Recht auf Ganztagsbetreuung. Bis zum Schuljahr 2029/30 soll dieser Anspruch schrittweise ausgeweitet werden und für alle Schülerinnen und Schüler bis zur vierten Klasse gelten.
Die Ganztagsbetreuung ist nicht zuletzt auch ein Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit, bringt in der Praxis aber große Herausforderungen mit sich. Simone Fleischmann war dazu als Präsidentin des BLLV und stellvertretende Bundesvorsitzende des VBE (Verband Bildung und Erziehung) im ZDF-Morgenmagazin vom 3. August 2026 geladen und bewertet die aktuelle Situation aus Sicht der Schulen.
Kann der Ganztag ungleiche Bildungschancen ausgleichen?
„In Deutschland herrscht Bildungsungleichheit. Wir können nicht alle Bildungsansprüche von Kindern und Jugendlichen erfüllen. Und da wäre der Ganztag ein wunderbares Angebot. Kinder brauchen mehr. Die Gesellschaft erwartet mehr. Bürgerinnen und Bürger wollen, dass Schule immer mehr leistet“, so Fleischmann. Die Kombination von Arbeitsphasen mit Lernphasen, Bewegungsphasen und Übungsphasen wäre aus ihrer Sicht im Rahmen des Ganztags genau die Antwort für eine gute Bildungsqualität.
Aber: Die deutschlandweite Umsetzung sieht die BLLV-Präsidentin als keine leichte Aufgabe. „Wir sind sehr kritisch, ob wir das professionell aufgestellt kriegen. Deswegen sprechen viele von Betreuung und nicht von Bildung. Noch schlimmer wird es, wenn wir gar kein qualitativ hochwertiges Personal haben und dann in die reine ‘Aufbewahrung’ von Kindern gehen, weil dann hat das nichts mehr mit Bildung zu tun.“
„Wir haben drei Probleme“
Zu den Herausforderungen zählt zum einen der Lehrkräftemangel. Zum anderen bereitet die finanzielle Ausstattung der Schulen und Kommunen Simone Fleischmann Sorgen. „Wir haben auch eine räumliche Not. Die Kommunen, die das alles zahlen müssen, da sie der Sachaufwandsträger für das Gebäude und die ganze Ausstattung sind, müssen nachliefern. Wir befinden uns aktuell bei einer Ganztagsquote von 57 Prozent in Deutschland. Wir glauben aber, dass das steigt.“
Sie betont: „Wir wollen einfach beste Bildung anbieten. Dazu braucht es hochprofessionelle Lehrerinnen und Lehrer, aber auch zusätzliches Personal, gute Räume, und da fehlt es halt ein Stück weit.“