Wie kann Schule Kinder auf die Zukunft vorbereiten, warum arbeiten viele Lehrkräfte in Teilzeit und wie können gesellschaftliche Ereignisse im Unterricht behandelt werden? Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, nimmt bei SAT.1 Bayern Stellung zu aktuellen Entwicklungen in der Bildungspolitik. Sie betont, dass die Attraktivität des Lehrberufs entscheidend ist für die Personalgewinnung und Schule sich vor allem auf ihren Kernauftrag, die Vermittlung von Grundkompetenzen, konzentrieren sollte.
Kinder von heute bestmöglich auf die Berufswelt von morgen vorbereiten
Eine der Kernaufgaben von Schule ist es, Schülerinnen und Schüler auf den Beruf vorzubereiten. Das gelingt durch „Praktika, durch Begegnungen, durch Einladen der Wirtschaftswelt in die Schule. Da gibt es coole Formate. Und natürlich macht die beste Bildung die besten Schülerinnen und Schüler für die Zukunft. Und das brauchen alle“, erklärt Simone Fleischmann – unabhängig von der Schulart. Gerade bei Mittelschulen stellt sich jedoch häufig die Frage, wie gut die Berufsorientierung funktioniert. Hier mangelt es vor allem an Personal, um individuelle Förderung und Chancengerechtigkeit zu ermöglichen.
Das von der Bayerischen Staatsregierung beschlossene Stellenmoratorium führt zu einem anhaltenden Lehrkräftemangel an Mittelschulen. Laut Bedarfsprognose fehlen bis 2027 fast 500 Vollzeitkräfte. Die BLLV-Präsidentin gibt zu bedenken: „Wie sollen denn die Kolleginnen und Kollegen, die noch da sind, gut überleben? Wie sollen sie gesund bleiben? Also ein Stellenmoratorium heißt einfach: Da sind die Kinder, weniger Lehrerinnen und Lehrer und wir sollen die gleichen Herausforderungen stemmen. Das kann nicht funktionieren“.
Personalmangel erfordert beste Arbeitsbedingungen
Um dem Lehrkräftemangel zu begegnen, braucht es in erster Linie attraktive Arbeitsbedingungen. Zum einen gehören die Lehrerinnen und Lehrer, die noch da sind, wertgeschätzt, so Fleischmann. Zum anderen fordert sie von der Bayerischen Staatsregierung ein Konzept für die Lehrkräftebildung, damit sich mehr junge Leute für ein Lehramtsstudium entscheiden. Eine von der Staatsregierung berufene Expertenkommission zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung stellte dazu bereits im Mai 2025 ihre Ergebnisse vor. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann hat den Prozess als Mitglied der Kommission intensiv begleitet. Zur Umsetzung der Ergebnisse hat die Staatsregierung einen „Masterplan Lehrerbildung“ angekündigt – darauf wartet der BLLV nach wie vor.
Gefragt nach dem Vorwurf der Staatsregierung, zu viele Lehrkräfte würden in Teilzeit arbeiten, entgegnet die Präsidentin des BLLV mit der hohen Frauenquote und damit, dass Frauen häufig die meiste Care-Arbeit leisten: „Also es ist zu kurz gedacht, wenn man fragt, warum ist da die Teilzeitquote so hoch? Nicht, weil wir uns einkuscheln. Die Frauen nehmen Teilzeit, damit sie ihren Beruf gesund bewältigen, die Familie auch noch organisiert kriegen, sich um Oma und Opa kümmern können und somit die Wirtschaft am Laufen halten.“ In Absprache mit der Schulleitung sei es für Lehrer:innen dennoch möglich, Stunden aufzustocken und Familienkonstellationen zu berücksichtigen. Starre Vorgaben und die Einschränkungen der familienpolitischen Teilzeit hält Fleischmann dagegen für den falschen Weg. „Die Gesellschaft und die Wirtschaft hier in Bayern müssen die Frauen und die Lehrerinnen wertschätzen und dürfen diese Arbeitsbedingungen jetzt nicht auch noch verschärfen.“