Gelingende Integration kann enorme Potenziale freisetzen, wie sich gerade erst wieder eindrucksvoll bei den Gewinnern des Deutschen Schulpreises gezeigt hat. Mitbestimmung, Verantwortung, Beteiligung und individuelle Lernwege sowie Förderung und positive Verstärkung für alle Kinder sind wichtige Schlüssel dafür. Unverzichtbar sind neben einer klaren Haltung auch gewisse Ressourcen an den Schulen. Das bedeutet allerdings nicht, dass Geld und Personal die Allheilmittel für alle Herausforderungen sind – viele Schulen mit exzellenten Konzepten beweisen das jeden Tag.
Bildungsgerechtigkeit betrifft ALLE Kinder
Die Ausgrenzung von Kindern mit Migrationshintergrund erzeugt dagegen ein Umfeld, das allen Kindern und Jugendlichen schadet. Leider ist Diskriminierung auf unterschiedlichen Ebenen an vielen Schulen gang und gäbe. Ein aktueller Beitrag des Bayerischen Rundfunks berichtet von Benachteiligung, Beschimpfungen und Ausgrenzung an den Schulen. Der Bericht greift dabei auch die Erfahrungen von Jugendlichen auf, die von Mobbing durch Mitschüler berichten aber auch von der Benachteiligung durch Lehrkräfte.
Studien wie die so genannte „Max-und-Murat-Studie“ belegen außerdem, dass Kinder oft schon allein durch fremdländisch wirkende Namen Nachteile beim Bildungserfolg haben. Dazu kommen andere empirisch belegte Risikolagen für den Bildungserfolg, die besonders oft Kinder mit Migrationshintergrund betreffen, beispielsweise mangelnde Sprachkenntnisse und Armut.
Inklusiver Umgang mit Heterogenität
Bildungsungerechtigkeit entgegenzuwirken ist eine Aufgabe aller Lehrerinnen und Lehrer sowie der gesamten Schule, wie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann betont: "Wir spüren diese Diskriminierung. Wir spüren diese Benachteiligung und da gibt es nur eines: hinschauen, reagieren, handeln und zurückweisen und einen klaren Kodex setzen, ein ganz klares Wertegerüst in der Schule leben." Dies hat der BLLV in seinem Manifest „Haltung zählt!“ definiert und festgeschrieben.
Sie betont aber auch, dass der inklusive Umgang mit Heterogenität keine Selbstverständlichkeit und auch keine reine Frage der Haltung oder eines positiven Welt- und Menschenbildes ist. Denn Heterogenität umfasst nicht nur Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen regionalen oder kulturellen Hintergründen. Auch besondere Talente sowie Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie brauchen eine individuelle Förderung, genauso wie Schülerinnen und Schüler mit anderen Förderbedarfen oder traumatischen Erfahrungen.
Sensibilisieren und Befähigen
Die BLLV-Präsidentin betont deshalb im BR, wie wichtig eine diskriminierungskritische, diversitätssensible Schulentwicklung sei. Sie sagt: Lehrkräfte müssten sich der Unterschiede und der Vielfalt in Schulen bewusst sein und antidiskriminierende Haltungen selbst vorleben. "Und das geht nur, wenn man bereits im Studium sensibilisiert wird. Wir haben jetzt die neue Vorlage der Bayerischen Staatsregierung, also das Konzept zur Lehrerbildung in Zukunft in Bayern. Und da ist ein Baustein auch die Vielfalt und die Kompetenz, die Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen ihres Studiums brauchen, um damit umzugehen."