Nach dem Willen von Italiens rechtspopulistischer Regierungschefin Giorgia Meloni sollen in Schulklassen nur noch maximal 30% Kinder erlaubt sein, die die Landessprache nicht beherrschen. Wer zu viel ist, wird auf Schulen der „näheren Umgebung“ versetzt. Wie das genau ablaufen soll, ist dabei aber völlig unklar.
Die Münchner TZ fragt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, ob eine derartige Maßnahme für Bayern in Frage komme. “Aus unserer Sicht und Haltung heraus: Nein!“, stellt sie klar. Begriffe wie “Obergrenze" und "Ausländer” zeigten, dass die Debatte politisch aufgeladen und nicht pädagogisch geführt wird.
Rechtspopulistische Politik statt lösungsorientierte Pädagogik
Denn aus pädagogischer Sicht komme es bei der wichtigen sprachlichen Integration vor allem auf individuelle Förderung an, zusätzliches Personal in der Klasse, Sprachförderung auch außerhalb der Klasse und ausgebildete Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache, so Fleischmann. Es gehe also nicht darum, “pauschal über Obergrenzen zu diskutieren”, sondern dass man Gelingensbedingungen erfülle und Schulleitungen “so viele Profis an die Seite stellt, wie es braucht.”
Auch das bayerische Kultusministerium benennt auf Anfrage des Münchner Merkur nach einer möglichen Übernahme dieser Regelung für Bayern zunächst organisatorische Hürden, bezeichnet die Maßnahme aber auch als “pädagogisch ungeeignet” und verweist stattdessen auf frühe Sprachstandsdiagnostik und individuelle Förderung. BLLV-Präsidentin Fleischmann teilt die Einschätzung des Kultusministeriums prinzipiell und bezeichnet die vorschulischen Tests als „genau richtig“. Allerdings folge derzeit auf die Diagnose von Sprachschwierigkeiten leider nicht immer die entsprechende Förderung, weil es an Personal fehlt. Fleischmann weist insbesondere auf den Mangel an Vorkursen in Kooperation von Kitas und Schulen hin, die bei Weitem nicht überall dort angeboten werden können, wo sie nötig sind.
Mangelnde Bildungsgerechtigkeit ist das eigentliche Problem
Eine Debatte, in der Kinder mit Migrationshintergrund vor allem als hinderlich für den Lernerfolg anderer etikettiert werden, sieht der BLLV indes grundsätzlich sehr kritisch. Die wissenschaftliche Evidenz belegt, dass der sozioökonomische Hintergrund deutlich stärkeren Einfluss auf Bildungserfolge hat als die Herkunft – das auszugleichen schaffen laut aktueller PISA-Studie unter 91 Ländern nur zwei noch schlechter als Deutschland. Deswegen muss eine faire individuelle Förderung aller Kinder – unabhängig von Herkunft, finanzieller Möglichkeiten, Schwächen und auch Stärken – das Ziel eines intakten Bildungssystem sein. “Wir können uns überhaupt nicht leisten, dass wir auch nur eines von diesen Kindern verlieren”, betont Simone Fleischmann gegenüber der TZ und verweist dabei auch auf das Aufstiegsversprechen, das Bundeskanzler Merz formuliert hat.
Die Idee einer Obergrenze ist aus Sicht der BLLV-Präsidentin viel zu kurz gedacht und geht an der Realität an den Schulen vorbei: „Wir haben die Kinder an den Schulen und wir Lehrerinnen und Lehrer wollen allen helfen und lassen niemanden im Stich“, stellt Fleischmann klar und verweist dazu auch auf eine entsprechende Aussage von Kultusministerin Stolz: „Jedes Kind an einer bayerischen Schule ist ein bayerisches Kind.“
Ein gutes Schulklima betont das Verbindende
Denn im Bemühen um echte Integration ist Sprache zwar wichtig, aber nicht alleine entscheidend. “Es gibt auch noch soziale Integration”, betont Simone Fleischmann und warnt: “Die wird definitiv nicht erreicht, wenn man Kinder aus ihrer Umgebung herausreißt und separiert.” So fördere man kein Gemeinschaftsgefühl, sondern betreibe “sichtbare Selektion”. Sie stellt auch mit Blick auf Umtriebe der AfD in anderen Bundesländern klar: “Da müssen wir dagegen sein!”
Eine rein defizitfokussierte Diskussion ist also gerade in den jetzigen Zeiten Gift für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der BLLV hat in seinem Manifest HALTUNG ZÄHLT bereits 2016 klar gemacht, warum es gerade an Schulen auf einen respektvollen Umgang miteinander ankommt. Kinder auf ihre Herkunft zu reduzieren und pauschal als Problemverursacher zu brandmarken, führt dabei in die völlig falsche Richtung. “Das ist eine Haltung, die unserer widerspricht”, stellt Präsidentin Simone Fleischmann klar.
» zum Bericht des Münchner Merkur: „Ausländer-Quote in Schulklassen „das falsche Signal“: Kultusministerium zeigt, was Bayern stattdessen macht“
„Meloni-Quote“ geht in die falsche Richtung
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Individuell fördern statt Obergrenzen einziehen!
Italien begrenzt den Anteil von Kindern pro Klasse mit nicht-italienischer Muttersprache. Bayern setzt dagegen auf frühe Sprachtests und Förderung. BLLV-Präsidentin Fleischmann weist auf Personalmangel hin und fordert klare Haltung gegen pauschale Ausgrenzung.