quer_Mittelschule_Helmut_Klemm.png
Bildungs(un)gerechtigkeit?
Mittelschule Bildungsgerechtigkeit Bildungsqualität Individuelle Förderung Kompetenzorientierung Multiprofessionalität

Mittelschulen: Wenn Wertschätzung und finanzielle Mittel fehlen

Mittelschulen mangelt es häufig an gesellschaftlicher Anerkennung und ausreichenden Ressourcen. Helmut Klemm, Schulleiter der Eichendorffschule Erlangen, fordert mehr Wertschätzung für diese Schulart. Über die Vernachlässigung von Mittelschulen.

Kaputte Beamer, defekte Rollläden und ein alter Trafo für Elektronikexperimente – die Ausstattung an der Eichendorff-Mittelschule in Erlangen lässt zu wünschen übrig. Auch Aufenthaltsräume für die Ganztagsbetreuung fehlen. Das Satiremagazin „quer“ des Bayerischen Rundfunks berichtet über frustrierte Schülerinnen und Schüler. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund, viele kommen aus ärmeren Familienverhältnissen. 

Schulleiter Helmut Klemm hat bei der Stadt Erlangen schon oft Gelder für die Sanierung des Schulgebäudes beantragt, bisher leider erfolglos. „Mittlerweile schäme ich mich. Ich sage es ganz ehrlich: Das ist keine Wertschätzung, die man diesen jungen Menschen entgegenbringt“, so Klemm. 

Ausgezeichnete Schule, aber zu wenig Ressourcen 

Dabei ist die Eichendorff-Schule nicht irgendeine Mittelschule. Sie wurde 2023 mit dem Deutschen Schulpreis der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung für ihr pädagogisches Konzept ausgezeichnet. „Eine Ganztagsschule als zeitgemäßer Bildungs- und Kulturort – das ist der Anspruch der Eichendorffschule Erlangen. Sie ist ein 'Gamechanger' für ihre Schüler:innen, die hier im wahrsten Sinne eine neue Chance für ihren Schulabschluss und ihren beruflichen Lebensweg erhalten“, war damals die Begründung der Jury.

Klemm: „Wir durften uns ins Goldene Buch der Stadt Erlangen eintragen. Das ist eine Wertschätzung, für die wir uns aber, mit Verlaub, nicht wirklich was kaufen können.“ Um Kindern und Jugendlichen Freude am Lernen vermitteln und das Gebäude instand halten zu können, sind finanzielle Investitionen durch die Kommune notwendig. 

„Wir haben keine Lobby“

Während andere Schulen, vor allem Gymnasien, in den letzten Jahren durchaus hohe Summen von der Stadt Erlangen erhalten haben, bleiben die Mittelschulen im Vergleich oft auf der Strecke, zeigt die Sendung „quer“ vom 26.03.2026 auf. 

Sieht so Bildungsgerechtigkeit aus? „Wir haben keine Lobby. Weder über die Eltern noch über sonst jemanden. Und vielleicht drückt sich da eine Haltung aus, die insgeheim da ist, die niemand bestätigen will. Niemand will die Mittelschulen benachteiligen. Aber Fakt ist, dass wir hintenanstehen“, gibt Schulleiter Helmut Klemm zu bedenken.

Besonderheiten und Chancen von Mittelschulen

Gerade Mittelschulen zeichnen sich durch wertvolle pädagogische Merkmale aus: Ein ganzheitlicher Bildungsansatz, die Verzahnung von Theorie und Praxis, das Stärken von Sozialkompetenzen sowie verschiedene Unterrichtsformate zur Förderung individueller Potenziale. Viele der Schülerinnen und Schüler sind später als Fachkräfte tätig. „Die haben so viel Potenzial, das sind zukünftige Mechatroniker, Elektroniker. Aber nur, wenn wir sie auch in der Schule schon gehaltvoll anspielen können. Und das fehlt uns. Das tut mir persönlich weh und da müssen wir was verändern“, verdeutlicht Klemm.

In seiner Pressekonferenz zum Thema Mittelschulen stellte der BLLV kürzlich fünf konkrete Forderungen an die Politik zur Stärkung der Schulart. Statt eines Stellenmoratoriums braucht es finanzielle Mittel und attraktive Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte sowie Förder- und Fachlehrkräfte.