Dieses Buch macht Mut. Das zeigt schon der Titel, der uns einerseits signalisiert, dass wir schon einiges gut machen bei der Leseförderung. Andererseits weist er darauf hin, dass es Möglichkeiten der Verbesserung gibt. Das Buch macht aber nicht nur Mut. Es stellt auch zahlreiche konkrete Hilfen zur Verfügung. Hilfen, die deutlich machen, dass der Autor nicht nur wissenschaftlich ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Leseförderung ist, sondern die Schulpraxis aus eigener Anschauung kennt. Heiner Böttger war viele Jahre Lehrer an Nürnberger Hauptschulen und weiß, wie es um die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler steht. Er weiß auch, dass die Rahmenbedingungen für ertragreiche Leseförderung an vielen Schulen unbefriedigend bis ungenügend sind. Und er erfährt in vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, dass sich bei den Lehrpersonen oft ein Gefühl der Hilflosigkeit einstellt.
Zusammenspiel von wissenschaftlichen Erkenntnissen und persönlichen Erfahrungen
Böttger, der nach seiner Zeit als Lehrer eine wissenschaftliche Laufbahn einschlug und seit Jahrzehnten an der Katholischen Universität Eichstätt als Lehrstuhlinhaber tätig ist, belässt es nicht bei der Beschreibung der vorhandenen Defizite. Er zeigt konkrete Möglichkeiten auf, wie Leseförderung Schritt für Schritt gelingen kann. Er kennt die Probleme, die durch die Nutzung digitaler Medien entstehen. Und er zeigt, wie digitale Lesemedien sinnvoll und erfolgreich genutzt werden können. Als Wissenschaftler kennt er die aktuellen Studien zum Thema Lesekompetenz und leitet daraus Konsequenzen ab, die für den Praktiker außerordentlich hilfreich und erfolgversprechend sind.
Was dieses Buch neben der wohltuenden Praxisorientierung besonders wertvoll macht, sind die immer wieder eingestreuten Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft. So informiert Professor Böttger zum Beispiel darüber, dass es entgegen langjähriger Behauptung kein einheitliches „Lesezentrum“ im Gehirn gibt. Vielmehr ist Lesen ein Netzwerkprozess, bei dem visuelle Areale, auditive Sprachareale und motorische Sprachsteuerung zusammenarbeiten, um geschriebene Zeichen in Bedeutungen zu überführen.
Die Rolle der Eltern
Wie wichtig die Rolle der Eltern bei der Leseförderung ist und welche Konsequenzen das für unsere schulische Arbeit hat, wird im letzten Teil dieses wertvollen Buches beschrieben. Wir bekommen zahlreiche konkrete Empfehlungen, die nicht nur für Lehrerinnen und Lehrer hilfreich sind, sondern auch bei einem Elternabend thematisiert werden können.
<< Rezension von Klaus Wenzel, Ehrenpräsident des BLLV
Details zum Buch:
Heiner Böttger
Leseförderung (noch) besser machen
Aus der Reihe „Edition Grundschule“ der FLOH-Stiftung LERNEN
Schriftbild GmbH, erschienen 2025
ISBN: 978-3-9505524-6-1
176 Seiten
20 Euro