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Geschichten vom Ankommen, Dazugehören und Abschiednehmen

Ob neue Freundschaften, Herausforderungen in der Schule oder die Suche nach Zugehörigkeit – die neuen Buchtipps erzählen einfühlsam von Gemeinschaft, großen Gefühlen und davon, wie junge Held:innen ihren Platz im Leben finden.

Regenwurmtage

von Antje Damm

 

 

 

 

  • Mit Illustrationen von Antje Damm
  • Verlag: Moritz
  • ISBN: 978-3-89565-233-2
  • Preis: 9,95 Euro
  • Seiten: 121
  • Altersempfehlung: ab 7 Jahren

Ida besucht nun die 1. Klasse. Als sie zu spät zum Unterricht kommt und das damit begründet, dass sie 15 Regenwürmer gerettet hat, bekommt sie einen Eintrag in ihr Hausaufgabenheft. Für Ida ist das zunächst schlimm, die Reaktion ihres Banknachbars und die ihrer Mutter relativieren dann die Situation und beim nächsten Regentag werden die beiden Kinder wiederum aktiv. 

Dieses Kinderbuch enthält eine wahre Geschichte und zeigt, wie aus einer unspektakulären Erinnerung einer Autorin eine wunderbare, sensible und berührende Erzählung entstehen kann. 

Inhalt

Ida freut sich auf ihren Schulanfang. Sie stellt sich vor, was sie alles Schönes in der Schule lernen wird. Aber dann ist alles ganz anders. Sie sitzt allein, die Lehrerin wirkt etwas furchteinflößend und erzählt nur von ganz vielen Regeln. Als ein Junge, Faruk, zu spät kommt, wird er neben Ida gesetzt. 

Am nächsten Schultag hat es geregnet und das Ida entdeckt auf ihrem Schulweg auf dem Gehweg ganz viele Regenwürmer, die sie rettet, indem sie diese wieder zurück in Vorgärten bringt. Aufgrund ihrer Rettungsaktion kommt sie zu spät zum Unterricht und trotz ihrer Erklärung bekommt sie einen Eintrag in ihr Hausaufgabenheft mit der Begründung, sie habe Regenwürmer „gesucht“. Ida ist am Boden zerstört, aber Faruk findet ihre Aktion toll und will sie beim nächsten Mal unterstützen.

Ihre Mutter klärt sie über die Relevanz von Regenwürmern auf und stärkt so Idas Selbstbewusstsein. Beim nächsten Regen rettet Ida und Faruk gemeinsam Regenwürmer, kommen beide zu spät, erklären der Klasse einiges über den Regenwurm und erschrecken die Lehrerin mit einem der Tiere. 

Bewertung

Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie nicht erfunden ist, sondern die Autorin sie genau so als Kind erlebt hat. Zwar fand sie vor einigen Jahrzehnten statt, kann sich aber durchaus auch heute noch so zutragen. Die Autorin hat lediglich einige Kleinigkeiten an den heutigen Schulalltag angepasst. Eine Kopie des Eintrages in das „Ordnungsheft“ findet sich am Ende des Nachwortes. 

Deutlich wird, wie sehr sich Kinder normalerweise auf ihren ersten Schultag freuen und wie wichtig es ist, die Schulanfänger ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und Empathie zu zeigen. Kinder haben ihren eigenen Blickwinkel. Sprachlich spiegelt die Geschichte ganz die kindliche Perspektive wider, auch wenn Ida nicht in der Ich-Form erzählt. Viele großformatige, farbige Illustrationen veranschaulichen einzelne Szenen. Die große Schrift und der einfache Wortschatz erleichtern auch Leseanfängern das Lesen. 

Ein wunderbares Buch, welches auf einer wahren Geschichte beruht. Sehr zu empfehlen. 

Jakob und Jelena

von Tamara Bach

 

 

 

  • Mit Illustrationen von Barbara Yelin
  • Verlag: Carlsen
  • ISBN: 978-3—551-55757-5
  • Preis: 15,00 Euro
  • Seiten: 249
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren

Jelena und Jakob sind nach ihrer Grundschulzeit auf die Gesamtschule gewechselt und sollen gemeinsam einen Vortrag vorbereiten. Sie kennen sich nicht, was haben sie gemeinsam? Und was wird aus der Freundschaft zwischen Lotte und Jelena? Lotte hat kaum noch Zeit, da sie viel lernen muss. 

Ein wunderbares Buch, das emphatisch und kindgerecht unterschiedliche Themen anspricht wie Freundschaft, Schulwechsel, Leistungsdruck, Mobbing oder die Situation von Alleinerziehenden. Dabei werden beileibe keine Patentlösungen angeboten.

Inhalt

Jelena und Lotte sind beste Freundinnen. Als Lotte auf das Gymnasium kommt und Jelena auf die Gesamtschule, können sie sich nicht mehr so oft sehen. Außerdem muss Lotte nun viel lernen und hat ständig Termine. Für beide ist dies schlimm. Jelena kennt an ihrer neuen Schule niemanden und ihre vorlaute Mitschülerin Franzi gibt ihr, so wie vielen anderen Kindern auch, einen Spitznamen, den Jelena nicht mag. 

Als jeder in der Klasse zum besseren Kennenlernen mit einem Mitschüler oder eine Mitschülerin einen Vortrag über Gemeinsamkeiten vorbereiten soll, bekommt Jelena Jakob zugewiesen. Die beiden kennen sich nicht. Was verbindet sie? Langsam nähern sich die beiden an. Auch bei Jelena und Lotte ändert sich einiges. Lotte verzweifelt an den Leistungsanforderungen des Gymnasiums und weigert sich letztendlich, dieses weiter zu besuchen. Sie wird auf die Gesamtschule wechseln. 

Bewertung

Abwechselnd, mal ganz kurz, mal ausführlicher, erzählen Jelana und Jakob in der Ich-Form von ihrem Alltag - sowohl von dem daheim als auch von der Schule. Dabei bekommt der Leser Einblicke in ihr Leben, wobei vieles nur angedeutet wird und zwischen den Zeilen gelesen werden muss. So macht man sich seine eigenen Gedanken, warum Jakob allein mit seinem Vater lebt und weshalb er nicht zum Schwimmunterricht geht. Auch Jelena lebt allein mit ihrer Mutter, die noch sehr jung ist und viele Jobs annimmt, um Geld zu verdienen. Nachbarn kümmern sich um Jelana, wenn ihre Mutter auf Arbeit ist. Auch dies erfährt der Leser aus einzelnen Szenen. 

Nach und nach nähern sich die beiden Kinder ein wenig an, ein konkreter Gedankenaustausch findet kaum statt. Es bleibt offen, was Jelena und Jakob in ihrem Vortrag sagen werden, ob der Junge rechtzeitig Schwimmen lernen wird, wie es mit der Freundschaft zwischen Lotte und Jelana weitergehen wird. Ein Kinderbuch, welches keine Patentlösungen anbietet, sondern Probleme sensibel und behutsam aufzeigt. Vieles entwickelt sich, ist im Fluss, so wie im richtigen Leben.  

12 Süßigkeiten und 2 Todesfälle

von Elin Lindell

 

 

 

  • Verlag: Klett Kinderbuch
  • ISBN: 978-3-95470-324-1
  • Preis: 16,00 Euro
  • Seiten: 170
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren

Uno ist extrem schüchtern und spricht eigentlich nur mit seinen engsten Angehörigen. Eines Tages trifft er ausgerechnet auf der Palliativstation im Krankenhaus, wo sein Stief-Opa im Sterben liegt, Katjes und findet in ihr eine Freundin, wie er sie sich immer gewünscht hat.

Wichtige Themen wie Freundschaft, Familie und Sterben sind es, die die Autorin in ihrer liebenswerten und sehr kindgerecht erzählten Geschichte aufgreift. Der Bewertung „Ein erstklassiger Kinderroman“ der Jury des schwedischen August-Preises kann man sich nur anschließen.

Inhalt

Der achtjährige Uno hat es nicht leicht: Zu Hause dreht sich alles um seinen kleinen Bruder Otto. Der ist ein Säugling und hält mit seinem Gebrüll die ganze Familie auf Trab, sodass Unos Bedürfnisse meist hintanstehen müssen. Aber auch in der Schule fühlt er sich oft nicht wohl und ist immer allein, denn es gelingt ihm nicht, mit den anderen Kindern oder mit den Lehrkräften zu sprechen, weil er äußerst schüchtern ist. Daher finden ihn seine Mitschüler komisch und halten sich von ihm fern.

Eines Tages besucht er mit seinem Vater seinen Stief-Opa Roffe, der im Sterben liegt, im Krankenhaus, wo auch Katjes Oma betreut wird. Unabhängig voneinander ziehen sich die beiden Kinder in den Aufenthaltsraum der Station zurück und wie von selbst sind sie in kürzester Zeit in ein wildes Spiel miteinander vertieft, weil Katjes sich ganz unkompliziert und freundlich auf Uno einlässt, sodass er rasch seine Sprechhemmungen überwindet. Überglücklich ist er, als Katjes ihm deutlich macht, dass auch sie großen Wert auf seine Freundschaft legt. Am nächsten Tag setzen sie ihr Spiel fort. Am dritten Tag aber ist Katjes Oma gestorben und Katjes hat das Krankenhaus, wie Uno erfährt, gerade wieder verlassen, als er mit seinem Papa ankommt. Uno macht sich postwendend auf die Suche nach ihr. Das stellt sich als sehr schwierig heraus, denn er hat nur vage Anhaltspunkte über ihren Wohnort. Doch das Schicksal meint es gut mit den beiden Kindern: Roffes Beerdigung findet nur kurz nach der von Katjes Oma statt und so treffen sich die beiden wieder - auf dem Friedhof.

Bewertung

Der Leser merkt schnell, dass Uno mehr als nur „ein wenig schüchtern“ ist. So fällt es ihm beispielsweise schwer, außerhalb seiner Familie mit Menschen zu sprechen, und er nimmt vieles, was gesagt wird, ganz wortwörtlich. Groß ist seine Angst, von anderen Kindern zurückgewiesen zu werden, und das macht ihm das Leben wirklich schwer. Es gibt sicher nicht wenig Kinder, die sich sehr gut in seine Situation hineinversetzen können. 

Die Geschichte zeigt aber auch, dass es sich lohnt, diese Ängste zu überwinden, denn die Autorin erzählt, wie es Katjes mit ihrer freundlichen Art gelingt, ganz unkompliziert einen Zugang zu ihm zu finden, und wie sehr Uno es genießt, mit ihr Zeit zu verbringen, obwohl der Ort dafür eher ein trauriger ist. Um sie wiederzufinden, überwindet er schließlich seine großen Hemmungen und lässt sich notgedrungen auch auf Gespräche mit völlig fremden Menschen ein.

Neben den Themen Freundschaft und Familie steht das Thema Sterben, das sehr kindgerecht einbezogen wird. So berichtet der Ich-Erzähler Uno aus seiner Perspektive z.B. von seinen Beobachtungen auf der Palliativstation und seinen Gedanken dazu. Durch Katjes Auftauchen verbinden sich die eigentlich traurigen Momente in dieser Geschichte mit großer Freude und es zeigt sich, wie oft im Leben beides nebeneinandersteht. 

Wichtige Themen sind es, die die Autorin hier in ihrer liebenswerten und sehr kindgerecht erzählten Geschichte aufgreift und der sie durch Situationskomik und nicht zuletzt durch die von ihr selbst gezeichneten witzigen Illustrationen die nötige Leichtigkeit verleiht. Der Bewertung „Ein erstklassiger Kinderroman“ der Jury des schwedischen August-Preises kann man sich nur anschließen.

 

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