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BR Kontrovers vom 1. Juli 2026 Startseite Topmeldung
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Schulgewalt: Wenn Mitschüler zu Peinigern werden!

Nimmt die Gewalt an unseren Schulen zu? Anhand von aktuellen Beispielen und neuen Zahlen beleuchtet das BR-Politikmagazin Kontrovers die aktuelle Situation und fragt auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann nach Herausforderungen und Lösungen.

„Vor jeder Form von Gewalt zu schützen, ist unser aller Auftrag. Eine klare Ansage von Bayerns Schulministerin Anna Stolz. Wie es aber ist, wenn dieser Auftrag nicht erfüllt wird, wenn Gewalt einzieht? Das hat der 12-jährige Eren aus Memmingen erlebt. Er wurde von Mitschülern gequält, genötigt, gemobbt. Krasser Fall, aber nicht der einzige. Grob gerundet gibt es an jedem Schultag in Bayern 15 Fälle.” So beginnt der Bericht zum Thema Gewalt in der Sendung des BR-Politikmagazins Kontrovers vom 1. Juli 2026 (Beitrag ab Minute 09:45). Aufgegriffen wurde auch der Fall eines 13-jährigen Gymnasiasten, der nach Prügeln im Klassenzimmer stationär ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Was tun, gegen Gewalt an Schulen?

Anhand dieser beiden Beispiele macht der BR das thematische Feld auf: Hat die Gewalt an den Schulen zugenommen und in welchem Umfang? Muss anhand einer vermeintlich zunehmenden Zahl junger Intensivtäter das Alter der Strafmündigkeit gesenkt werden? Was müssen Politik und Schulen tun? Wieso haben die Lehrkräfte im Skilager nichts mitbekommen? Helfen Klagen gegen die Schule und was kann man dabei geltend machen? 

Zumindest eines der betroffenen Kinder wird mit seinen Eltern gegen die Schule vor Gericht ziehen, damit – wie die Mutter betont – „nicht alle wieder zur Tagesordnung übergehen und so tun, als müsste man es hinnehmen, dass das eigene Kind in der Schule gequält wird.” So schildert es die Mutter. Simone Fleischmann hat jedes Verständnis für die Betroffenen: „Ich verstehe jede Mutter. Wir wollen doch alle das Beste für die Kinder. Und auch wir Lehrerinnen und Lehrer wollen das Beste für die Kinder. Die Mutter wird den Weg gehen. Es ist natürlich schlimm, wenn wir in einem Klageverfahren zusammen sind. Aber das ist ja auch ein schlimmer Vorfall und das Kind leidet.” 


BR Kontrovers vom 1. Juli 2026

Schulgewalt: "Jeder Fall ist einer zu viel"

„Gewalt unter Schülern nimmt zu, Lehrkräfte geraten an ihre Grenzen. Simone Fleischmann spricht über die Verantwortung der Lehrer, fehlendes Personal, warum Prävention oft scheitert – und weshalb sie mehr Unterstützung von Politik und Gesellschaft ... Zur ARD-Mediathek

Echte Lösungen für ein wichtiges Problem

Aber wer trägt hier die Schuld, wenn man von einer solchen sprechen kann? Moderator Achim Wendler betont, dass laut den Durchführungshinweisen zu Schülerfahrten vom Bayerischen Kultusministerium bei Schulfahrten die Verantwortung für die Gesamtveranstaltung stets bei der Schule bleibe. Aber sind Papier und Paragraphen, außerhalb eines Gerichts, hilfreich bei der Suche nach Lösungen?

Simone Fleischmann betont, dass die Lehrkräfte die Kinder schützen wollen und darüber hinaus ein hohes Eigeninteresse an Aufklärung und Bewältigung haben: „Wissen Sie, wir Lehrerinnen und Lehrer, wir wollen das alle nicht. Wir kriegen solche Fälle natürlich mit und wir gehen dem nach. Wir wollen solche Vorfälle nicht unter den Teppich kehren, sondern aufdecken. Es sind extreme Fälle, die hier porträtiert wurden und da wird es mir auch schummrig, wenn ich das höre. Wir müssen und wollen als Lehrerinnen und Lehrer solchen Fällen nachgehen. Aber wir sind auch nicht immer in der Lage, alles mitzukriegen. Deswegen müssen wir eng zusammenarbeiten mit den Eltern. Und wir brauchen Unterstützung an den Schulen. Jeder Fall ist einer zu viel. Diese Kinder leiden und wir als Lehrerinnen und Lehrer leiden mit. Wir wollen das gemeinsam lösen. Deshalb kommen wir mit Schuldzuweisungen nicht weiter. Wir müssen ein bisschen breiter denken und fragen: Was ist da in unserer Gesellschaft los? Was ist mit den Kindern los?”

Lehrkräfte brauchen Ressourcen, um ihrer hohen Verantwortung gerecht zu werden

Für Simone Fleischmann ist aber auch klar, dass sich die Lehrerinnen und Lehrer ihrer Verantwortung bewusst sind: Die Kolleginnen und Kollegen „wissen, dass es eine hohe Verantwortung ist, die sie [bei Schulfahrten] übernehmen. Dabei kommt es manchmal zu solchen Vorfällen, denen wir dann auch unbedingt nachgehen müssen. Sie haben Recht. Wir haben die volle Verantwortung. Aber heißt das jetzt, wir fahren nicht mehr ins Schullandheim? Heißt das im Umkehrschluss, wir dürfen solche Unternehmungen mit Schülerinnen und Schülern überhaupt nicht mehr unternehmen? Wir wissen, dass die Gewalt zunimmt. Sie haben es in der Statistik gezeigt. Die Gewalt in der Gesellschaft nimmt zu. Die Gewalt im öffentlichen Dienst nimmt zu, die Gewalt gegenüber Lehrerinnen und Lehrern nimmt zu. Ja, und die Gewalt der Schülerinnen und Schüler untereinander nimmt zu. Wir wollen uns dieser Herausforderungen annehmen. Wir wollen diese Themen angehen. Wir sprechen mit den Kindern, wir wollen Verantwortung übernehmen. Und ja, manchmal gelingt es uns nicht.” 


Zum online Beitrag vom 2. Juli 2026 auf br.de

Steigende Gewalt an Schulen: Wenn Mitschüler zu Peinigern werden

Hirschegg im Kleinwalsertal, Österreich. Generationen von Schülern fahren hierher, um Skifahren zu lernen, Sport und Gemeinschaft zu erleben. Aber für den zwölfjährigen Eren aus Memmingen, der eigentlich anders heißt, wird der Ort zum Tatort, das Skilager zur Hölle.

Eren wurde im Februar dieses Jahres dort ... weiterlesen

Ein gesellschaftlicher Auftrag, der alle angeht

Vom Moderator danach gefragt, was passieren muss, um Prävention im schulischen Umfeld sicherzustellen, verweist die BLLV-Präsidentin auf die Vielzahl von Ansprüchen und Aufgaben, die den Schulen immer mehr zugewiesen werden: Von Inklusion und Integration bis hin zur Ernährungskunde, Fahrradunterricht und Gewaltprävention. „Wir machen [die Präventionsarbeit] jeden Tag. Wir haben doch einen Bildungs- und Erziehungsauftrag in der Schule, den wir annehmen. Wir sollen aber noch so viele andere Dinge machen, deswegen brauchen wir eine Fokussierung. Die Welt von morgen wird rauer. Die Welt von jetzt ist schon mit viel mehr Gewalt aufgeladen als früher. 

Wir müssen mit den Kindern dieses Thema angehen. Wir wollen den Zusammenhalt der Gesellschaft in Zukunft fördern, und deswegen haben wir diesen Auftrag. Wir können aber nicht alles lösen. Deswegen brauchen wir multiprofessionelle Teams. Wir brauchen mehr Schulpsychologen und wir brauchen mehr Lehrkräfte. […] Wir haben Lehrkräftemangel im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich. Im Gymnasialbereich stehen wir auch vor einem Lehrkräftemangel. Wir haben seit fünf Jahren im Grundschulbereich zu wenige Menschen am Start. Wir haben im September 500 volle Stellen für Mittelschullehrkräfte zu wenig im System. Wie sollen wir denn mit zu wenigen Menschen immer mehr Probleme lösen? Wir geben schon alles. Wir wollen präventiv der Gewalt entgegenwirken. Wir wollen intervenieren, wenn es zu Gewalt an der Schule kommt. Wir brauchen mehr Professionalität und wir brauchen auch selber immer eine bessere Ausbildung, damit wir dem Herr werden”, so die BLLV-Präsidentin. Außerdem gibt Sie zu Bedenken, dass die Schulen gerade dieses Thema nicht mal eben nebenbei für die Gesamtgesellschaft lösen können.