Die angezeigten Gewaltdelikte im Bereich Unterricht und Kultus haben im vergangenen Jahr um 58 Prozent zugenommen. „Ein Alarmzeichen für den BLLV und alle Lehrkräfte, die täglich ihren Kopf hinhalten!“ kommentiert Gerd Nitschke, 1. Vizepräsident des BLLV.
Die Zahlen gehen hervor aus dem Bericht der Staatsregierung zu den Ergebnissen der Gewaltstatistik 2025. Berichtet wurde durch Vertreterinnen des Finanz- und des Kultusministeriums im Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes im Bayerischen Landtag.
Die Gewaltstatistik erhebt aus allen Ressorts der Staatsregierung die angezeigten Gewaltdelikte gegen Bedienstete der Staatsregierung für das Jahr 2025. Laut dieser wurden seit der letzten Erhebung von Juli 2022 bis Juni 2023 4,7 Prozent weniger Gewaltdelikte angezeigt. Damals lag die Zahl der Anzeigen bei 3.755 und 2025 bei 3.344.
Der Bericht fokussierte neben den größten Bereichen Polizei und Justiz insbesondere das Ressort Unterricht und Kultus. Hier ist ein Anstieg der Zahl der angezeigten Gewaltdelikte von 60 Prozent zu beobachten. Im Vorzeitraum wurden 193 Gewaltdelikte angezeigt. Bis 2025 stieg sie auf 310. Die Staatsregierung wies jedoch darauf hin, dass die absoluten Zahlen sehr gering seien, insbesondere im Vergleich zu der Zahl der in diesem Bereich beschäftigten Personen. Trotzdem sei die Sicherheit der Beschäftigten der Staatsregierung ein großes Anliegen und trotz der insgesamt niedrigen Zahl, sei man hier weiterhin sehr bemüht, diese Zahl so gering wie möglich zu halten.
Die Staatsregierung betonte für den Bereich Unterricht und Kultus, dass der starke Anstieg der Anzeigen vor allem auf eine allgemein gestiegene Sensibilität für Gewaltdelikte zurückzuführen sei. Diese sei dafür verantwortlich, dass Gewalttaten als solche erkannt und schließlich auch angezeigt werden.
Für den BLLV ist dieses Thema keineswegs neu. Seit Jahren weist der Verband auch in Zusammenarbeit mit seinem Dachverband, dem Verband Bildung und Erziehung (VBE), in regelmäßigen Umfragen darauf hin, dass die Gewalt gegen Lehrkräfte dramatisch zugenommen hat. Diese Zunahme ist jedoch nicht nur mit einer gesteigerten Sensibilität zu erklären. Laut einer durch den VBE in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage geben 49 Prozent der befragten Schulleitungen an, dass das Thema Gewalt an Schule tabuisiert sei. Dieser Umstand lässt vermuten, dass es ein sehr großes Dunkelfeld bei der Gewalt gegen Lehrkräfte gibt, sei es körperliche oder physische Gewalt und Formen des Mobbings.
BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann stellt sich vor die Kolleginnen und Kollegen vor Ort: „Wir beobachten schon seit Jahren eine Zunahme der Gewalt an Schulen. Mit Programmen zur Sensibilisierung gegenüber Gewaltdelikten ist es nicht getan. Was wir brauchen ist echte Gewaltprävention an Schulen. Hierfür muss es entschieden mehr Personal und ein breit aufgestelltes, multiprofessionelles Kollegium vor Ort geben.“
Gerd Nitschke, 1. Vizepräsident des BLLV betont: „Ohne detaillierte Statistiken zur Gewalt an Schulen, die die Art der Delikte genau erfasst, kann es keine fundierte Analyse der Situation vor Ort geben. Sie ist jedoch die Grundlage für eine wirkungsvolle Präventionsarbeit. Das Gewaltschutzprogramm der Staatsregierung ist ein erster Schritt hierfür. Weitere müssen nun folgen, um die Kolleginnen und Kollegen effektiv zu schützen. Außerdem braucht es die uneingeschränkte Rückendeckung des Dienstherren!“