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Studieren und unterrichten – „Entprofessionalisierung“ von Schule und Lehramtsstudium?

Überall fehlen Lehrkräfte. An vielen Schulen unterrichten daher Studierende, um das System am Laufen zu halten. BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann warnt vor einer „Entprofessionalisierung“.

Noch vor dem Examen stehen Lehramtsstudierende vor Klassen, planen den Unterricht, bewerten Leistungen und übernehmen Vertretungsstunden – was bei Schulen häufig für Entlastung sorgt, ist langfristig jedoch keine Lösung. Simone Fleischmann, Präsidentin des BLLV, erklärt gegenüber BR24, warum sie den Einsatz von Studierenden im Unterricht kritisch sieht.

Wiedereinführung von G9 verstärkt Lehrkräftemangel

Mit dem zusätzlichen G9-Jahrgang im laufenden Schuljahr hat der Lehrkräftemangel an weiterführenden Schulen weiter zugenommen. Um Abhilfe zu schaffen, stehen vielerorts Studierende vor den Klassen. An staatlichen Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen unterrichten bayernweit derzeit rund 640 Studierende (200 mehr als im Schuljahr davor), berichtet der Bayerische Rundfunk. Dazu kommen städtische und private Schulen, an denen die Zahlen der unterrichtenden Studierenden nicht zentral erfasst werden.

Manche Studentinnen und Studenten sehen darin eine gute Möglichkeit, noch während des Studiums und vor dem Referendariat Praxiserfahrung zu sammeln. Doch die eigenverantwortliche Vorbereitung und Durchführung von Unterricht kostet Zeit.

„Entprofessionalisierung“ als langfristige Folge

„Löcher stopfen, das ist jetzt natürlich gefragt, weil wir sonst den Unterricht teilweise nicht aufrechterhalten können“, kommentiert Simone Fleischmann die Maßnahme, Studierende eigenständig unterrichten zu lassen. „Nichtsdestotrotz: Ich weiß nicht, ob wir einen [Medizin-]Studierenden operieren lassen würden und ob wir einem Jurastudierenden bei einem schweren Fall vor Gericht schon die Rechtsprechung überlassen wollen.“


BR24 vom 28. Mai 2026

Lehrermangel: Studierende halten Unterricht am Laufen

Mit der Wiedereinführung des G9 in diesem Schuljahr ist der Bedarf an Lehrkräften an Bayerns Schulen nochmal gestiegen. Eine Maßnahme dagegen: Studierende, die vor ihren Examen schon unterrichten. Was bei den Schulen gut ankommt, bewertet BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann kritisch ... weiterlesen

Fleischmann ist der Meinung, Studium und Ausbildung müssten grundsätzlich immer Vorrang haben. Im Einzelfall könne man dennoch entscheiden: „Wenn man mal die ein oder andere Stunde schon im Feld ist, gut so – dann aber begleitet. Aber ausnützen können wir die jungen Kolleginnen und Kollegen nicht.“ Immerhin werden die Studierenden stundenweise nach Beamten-Tarif bezahlt, je nach Studienstand gilt demnach die Entgeltgruppe E10 oder E11.

Gute Bildung braucht professionell ausgebildete Lehrkräfte

Neben der möglichen Vernachlässigung des Studiums ist auch die Qualität des Unterrichts zu berücksichtigen. Zwar sind Studierende, die nebenbei in der Schule arbeiten, meist sehr motiviert und engagiert. Aber gerade in den Klassenzimmern brauchen wir qualifiziertes und pädagogisch ausgebildetes Personal.

Der BLLV setzt sich für eine flexible Lehrkräftebildung ein. Ziel des Modells ist es, die Qualität der Lehrkräftebildung in Bayern zu steigern und eine größere Flexibilität beim Einsatz an den unterschiedlichen Schularten zu ermöglichen.

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