Gerade Beschäftigte im Bereich Schule und Bildung erleben täglich, unter welchen Belastungen Familien stehen. Lehrkräfte, pädagogische Fachkräfte und viele weitere Beschäftigte im Bildungsbereich tragen hohe Verantwortung im Beruf und gleichzeitig häufig einen erheblichen Anteil an familiärer Sorge- und Care-Arbeit. Verlässliche familienpolitische Leistungen sind deshalb keine Nebensache, sondern eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe und Chancengleichheit.
Das Elterngeld war seit seiner Einführung ein wichtiges Instrument, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und die gleichberechtigte Aufteilung von Care- und Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern zu fördern. Dass nun ausgerechnet an dieser Stelle gespart werden soll, bewertet das Referat Gleichberechtigt! als Schritt in die völlig falsche Richtung.
Besonders problematisch ist aus Sicht des Referats, dass das Elterngeld seit Jahren nicht an die Inflation angepasst wurde. Während Lebenshaltungskosten, Mieten und Betreuungsausgaben sowie gesellschaftliche Herausforderungen kontinuierlich steigen, verlieren Familien real an Unterstützung. Statt Kürzungen vorzunehmen, wäre daher eine Dynamisierung und Anhebung der Leistung dringend erforderlich gewesen.
Der Blick in andere europäische Länder zeigt zudem, dass moderne Familienpolitik auf Ausbau und nicht auf Abbau setzt. Staaten, die konsequent in Familienförderung, partnerschaftliche Elternzeitmodelle und frühkindliche Betreuung investieren, schaffen bessere Voraussetzungen für Gleichstellung, Fachkräftesicherung und gesellschaftliche Stabilität.
Auch in Deutschland bleibt die Verteilung von Care- und Sorgearbeit weiterhin überwiegend Aufgabe von Frauen. Noch immer unterbrechen Mütter deutlich häufiger und länger ihre Erwerbstätigkeit, während Väter meist nur kurze Elternzeiten in Anspruch nehmen. Kürzungen beim Elterngeld drohen diese Ungleichgewichte weiter zu verstärken und wirken den Bemühungen um echte gleichberechtigte Teilhabe entgegen.
Aus Sicht des BLLV braucht es deshalb eine Familienpolitik, die Familien stärkt, anstatt zusätzliche Unsicherheit zu schaffen. Wer Gleichstellung ernst nimmt und dem Fachkräftemangel begegnen will, darf familienpolitische Leistungen nicht schwächen. Gerade im Bildungsbereich ist eine moderne und verlässliche Familienpolitik entscheidend, um qualifizierte Beschäftigte langfristig zu gewinnen und zu halten.
Das Referat Gleichberechtigt! des BLLV fordert daher, die geplanten Kürzungen zu überdenken und stattdessen eine zukunftsorientierte Familienpolitik auf den Weg zu bringen, die den gesellschaftlichen Realitäten gerecht wird und Familien nachhaltig unterstützt.