Passauer Neue Presse: Ein Blick in die Praxis und die Probleme der Kinder und Jugendlichen
Auch die Passauer Neue Presse (PNP) greift das Thema mit dem Titel “Hilferufe von der Tafel: Gewaltdelikte gegen Lehrkräfte nehmen zu” (PNP+ Artikel)auf. Die Redakteurin fragt dabei gezielt nach persönlichen Erfahrungen und den Hintergründen der Entwicklung. Simone Fleischmann betont im Gespräch mit der PNP, dass viele Kinder, die in der Schule mit Gewaltausbrüchen auffallen, auch zuhause davon betroffen sind: „Wer Schwierigkeiten macht, hat auch Schwierigkeiten.“ Zudem fehlt es in der Erziehung häufig an klaren Strukturen und Orientierungspunkten, wie die BLLV-Präsidentin betont. Was gilt als akzeptabel, und wo werden Grenzen überschritten? Kinder sind auf verlässliche Richtlinien angewiesen, um sich sicher orientieren zu können. Denn wie man mit Problemen richtig umgeht, müssen Kinder erst lernen.
Klare Haltung und „Null-Toleranz-Politik“
Die Empathie für die Situation der Kinder, heißt aber nicht, dass seitens der Schulen nicht konsequent vorgegangen wird. In ihrer Zeit als Lehrerin und später als Schulleiterin herrschte bei Simone Fleischmann eine klare „Null-Toleranz-Politik“ – auch bei den Fällen, die sie selbst erlebt hat und die Sie in der PNP schildert. Einmal wollte ein Achtklässler ihr eine Ohrfeige geben – sie konnte sich gerade noch ducken. Der Grund war banal: Das Kind war überfordert und reagierte mit einer Übersprungshandlung. In einem anderen Fall hat ein Zweitklässler eine Lehrerin mit einem Turnbeutel verprügelt. In beiden Fällen wurde Anzeige erstattet. Damit enden solche Geschichten allerdings nicht, denn Gewalt beschränkt sich nicht auf den Moment. Sie wirkt nach, muss verarbeitet, überwunden und bewältigt werden. Offenheit und Unterstützung für die Betroffenen ist deshalb essenziell.
Im Fall des Zweitklässlers wurde ein Kriseninterventionsteam an der Schule eingesetzt, um sich um die Schüler und Lehrer zu kümmern. Ihren eigenen Fall arbeitete Simone Fleischmann in der Supervision auf.
Was tun gegen strukturelle Defizite
Aktuell sagte der VBE-Bundesvorsitzende und 2. Vizepräsident des BLLV zu den neuen Zahlen der Polizeistatistik: „Lehrkräfte sind genauso Angestellte des öffentlichen Dienstes wie Mitarbeitende bei Polizei und Sanitätsdienst. Sie verdienen nicht einfach nur einen netten Händedruck hin und wieder, sondern echten Schutz.“ Gegenüber dem Nachrichtenportal news4teachers.de verwies der VBE außerdem auf strukturelle Defizite im Umgang mit Gewaltvorfällen. So hätten 18 Prozent der Schulleitungen bei der letzten forsa-Umfrage berichtet, dass Meldungen von Gewaltvorfällen seitens der Schulbehörden nicht gewünscht seien. Dies sei eine strukturelle Verweigerung von Hilfestellung!
Offener Umgang und klare Kommunikation
Nötig seien deshalb, neben gesetzlichen Änderungen zum besseren Schutz von Lehrkräften, ein flächendeckender Einsatz multiprofessioneller Teams, um Schulen im Umgang mit Konflikten und Gewalt zu entlasten. Dazu gehören insbesondere Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externe Fachkräfte. Außerdem braucht es niedrigschwellige und verbindliche Meldewege, damit Übergriffe systematisch erfasst und bearbeitet werden können. Entscheidend sei zudem eine unmittelbare Unterstützung betroffener Lehr- und Fachkräfte nach Vorfällen.