Unstrittig ist aber: Die Gewalt an den Schulen ist ein großes Problem und der Schutz von Schülerinnen, Schülern und Personal muss allerhöchste Priorität haben, wie auch BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen betont. Es sei essenziell, „dass sich der Dienstherr bei jedem Gewaltfall ganz klar vor die betroffene Lehrkraft stellt: die Schulämter, die Regierung, die Kultusministerin und der Innenminister“. Schon im Januar hatte Fleischmann betont: „Wir engagieren uns schon lange dafür, das Thema öffentlich zu machen und Druck auf die Politik auszuüben. Denn wir stehen hinter den Betroffenen mit klarer Haltung und handfester Unterstützung! Wichtig ist aber vor allem die Prävention, denn jeder Fall ist einer zu viel!“
Mit klarer Haltung gegen Gewalt und Hetze
Gleichzeitig spielen die Schulen eine Schlüsselrolle dabei, einer Verrohung von Gesellschaft und Kommunikationskultur entgegenzuwirken: „Wir sind die Bildungs- und Erziehungsinstitution, die dagegenhält. Wir üben mit den Kindern Demokratie, vermitteln Respekt und gewaltfreie Kommunikation.“ Umso besorgniserregender ist es, dass sich gerade die Lehrerinnen und Lehrer selbst immer öfter bedroht sehen. Die Augsburger Allgemeine zitiert in diesem Zusammenhang auch die Ergebnisse der forsa-Befragung, die der BLLV-Dachverband VBE (Verband Bildung und Erziehung) 2024 veröffentlicht hat, wonach 59 Prozent der Schulleiterinnen und Schulleiter sagten, dass Übergriffe an ihrer Schule innerhalb von fünf Jahren zugenommen hätten.
Aktuell sagte der VBE-Bundesvorsitzende und 2. Vizepräsident des BLLV zu den neuen Zahlen der Polizeistatistik: „Lehrkräfte sind genauso Angestellte des öffentlichen Dienstes wie Mitarbeitende bei Polizei und Sanitätsdienst. Sie verdienen nicht einfach nur einen netten Händedruck hin und wieder, sondern echten Schutz.“ Gegenüber dem Nachrichtenportal news4teachers.de verwies der VBE außerdem auf strukturelle Defizite im Umgang mit Gewaltvorfällen. So hätten 18 Prozent der Schulleitungen bei der letzten forsa-Umfrage berichtet, dass Meldungen von Gewaltvorfällen seitens der Schulbehörden nicht gewünscht seien. Dies sei eine strukturelle Verweigerung von Hilfestellung!
Offener Umgang und klare Kommunikation
Nötig seien deshalb, neben gesetzlichen Änderungen zum besseren Schutz von Lehrkräften, ein flächendeckender Einsatz multiprofessioneller Teams, um Schulen im Umgang mit Konflikten und Gewalt zu entlasten. Dazu gehören insbesondere Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externe Fachkräfte. Außerdem braucht es niedrigschwellige und verbindliche Meldewege, damit Übergriffe systematisch erfasst und bearbeitet werden können. Entscheidend sei zudem eine unmittelbare Unterstützung betroffener Lehr- und Fachkräfte nach Vorfällen.