Zahlreiche Medien wie die ZEIT berichten zum Schulstart in Bayern über Irritationen von Eltern angesichts wachsender Ansprüche an ihren Einsatz bei der Schulbildung der Kinder – seien es Elternabende, Unterrichtsmaterialien, Entwicklungsgespräche, Schulfeste und eben auch die familiäre Basis für Bildungserfolge.
Natürlich wollen die allermeisten Eltern das Beste für ihre Kinder, fühlen sich zugleich von den vielen Anforderungen überfordert in schnell getakteten Lebenswirklichkeiten. Wozu das führt, erläutert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Interview: „Insgesamt gibt es eine höhere Anspruchshaltung der Eltern - einmal aus Hilfslosigkeit heraus, einmal aus der Anspruchshaltung heraus: Du bist der Staat, mach!“
Alle stoßen an Grenzen
Gerade bei Kindern mit sozioökonomisch schwierigem Hintergrund fehlt es oft schon an Grundlegendem, berichtet Fleischmann aus der Praxis: Kinder schlafen zu wenig, kommen ohne Frühstück und Brotzeit, Getränk oder Sonnenschutz in die Schule: „Das sind Dinge, wo wir nicht aushelfen können“, räumt die BLLV-Präsidentin ein. „Wir können nicht für 26 Kinder Pausenbrot kaufen, können nicht 26 Käppis dabeihaben und auch nicht 26 Paar Schuhe am Wandertag.“
Wenn das nicht klappt, wird es mit einem qualifizierten Austausch über Lernerfolge der Kinder erst Recht schwierig, schildert Grundschulleiterin Andrea Zran, Vizevorsitzende und Schulleitersprecherin des BLLV München Land: Eltern erscheinen nicht zu Lernentwicklungsgesprächen oder erst nach mehrfacher Aufforderung. „Sowas war früher undenkbar“, sagt Zran.
Wenn Eltern überfordert sind, sind es auch Lehrkräfte und Kinder
Sie vermutet, dass viele Eltern aktuell überfordert sind, den Alltag ihrer Kinder bildungsförderlich zu gestalten, insbesondere was den Umgang mit Social Media angeht: „Ich habe das Gefühl, die Eltern ergeben sich und kapitulieren vor den Herausforderungen. Das ist so ein total desorganisierter Alltag: Keine Routinen, keine Rituale, keine Strukturen, und Laissez-faire in ganz vielen Bereichen.“
Besonders betroffen sind Familien, die mit Geldsorgen kämpfen, in denen ein Elternteil fehlt oder eigene Krankheiten den Alltag erschweren. Dabei ist Elternarbeit enorm wichtig, wie auch der Münchner Mittelschulleiter und Beisitzer der BLLV-Akademie, Florian Schmidt, betont: „Das Wichtigste ist, dass ein Gespräch stattfindet, und zwar auf Augenhöhe. Dann reagieren die Eltern in der Regel einsichtig, sehr offen.“
Die Gesellschaft muss Bildung insgesamt wichtiger nehmen
Oft seien aber auch Lehrkräfte überfordert, weil die Voraussetzungen für partnerschaftliche Zusammenarbeit immer schwieriger werden und die Dringlichkeit weiter zunehmen wird: „Wir brauchen mehr Manpower in der Schule, mehr multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, Schulsozialarbeit und Schulpsychologen“, fordert Schmidt daher.
Für BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ist daher klar, dass es eine gelebte Bildungs- und Erziehungspartnerschaft braucht, für die sich der BLLV seit Langem stark macht: „Gegenseitige Schuldzuweisungen lehnen wir ab! Gesamtgesellschaftliche, systemische Veränderungen sind die Lösung.“ Denn in vielen Ländern, die in den PISA-Ergebnissen gut dastehen, gibt es häufig auch einen breiten Konsens, wie wichtig es ist, dass sich Eltern aktiv in Bildungsprozesse einbringen können – und deswegen beispielsweise auch in der Arbeitswelt darauf Rücksicht genommen werden muss.
» zum Bericht der ZEIT: „Lehrergespräch und Brotzeitbox: Die Pflichten der Eltern“
Bildungserfolg braucht Partnerschaft
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Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus wird immer wichtiger
Manche Eltern fühlen sich von Aufgaben für die Schulbildung ihrer Kinder überfordert, manche sind für Lehrkräfte gar nicht erreichbar, manche agieren konfrontativ. BLLV-Präsidentin Fleischmann betont: Es braucht partnerschaftlichen Umgang zum Wohl der Kinder.
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