Es ist ein bayerischer Sonderweg, den Lebensweg von Viertklässler:innen strikt mathematisch nach den Noten aus drei Fächern zu entscheiden: Wer im Durschnitt aus Mathematik, Deutsch und Heimat- und Sachkunde auf 2,33 kommt, darf aufs Gymnasium, ab 2,66 auf die Realschule, darunter geht’s auf die Mittelschule. Bis zum heutigen Zeugnistag für den Übertritt absolvieren die Grundschulkinde dafür einen Probenmarathon, nicht selten liegen in den Familien die Nerven blank.
Dabei ist das Ergebnis dieses Selektionsprozesses höchst zweifelhaft, wie BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann im Gespräch mit Radio Oberland kritisiert: „Es ist nicht so, dass Kinder immer dort bleiben, wo sie jetzt hinplatziert werden. Die Zahlen zeigen, dass es nicht valide ist.“
„Durchlässigkeit“ des Schulsystems macht „Grundschul-Abitur“ nicht besser
Zwar lenkt die Politik von dieser Kritik am Entscheidungsprozess gerne mit einem lauten Loblied auf die „Durchlässigkeit“ des bayerischen Schulsystems ab – verschweigt dabei aber geflissentlich, dass diese Durchlässigkeit in der Praxis vor allem nach unten wirkt. „Wir glauben nicht, dass man 10-jährige Kinder valide auf drei Schularten aufteilen kann“, stellt Simone Fleischmann daher klar.
Warum also Kinder wochenlang in einen Dauertestmodus zwingen – während dem gar kein echtes Lernen mehr stattfinden kann – um damit über ihren Lebensweg zu entscheiden?
Aus Sicht des BLLV gibt es dafür pädagogisch wirksamere und fundiertere Prozesse, die in anderen Bundesländern bereits erfolgreich umgesetzt werden. Wissenschaftlich ist klar: Ein gemeinsamer Entscheidungsprozess, in dem Lehrkräfte, Eltern und Kinder beratschlagen, was mit Blick auf individuelle Stärken und Herausforderungen sinnvoll erscheint, stellt Weichen für langfristig erfolgreiche Bildungsbiografien. „Wir sind für einen anderen Übertritt und eine andere Leistungskultur“, betont BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann entsprechend.
» zum Bericht bei Radio Oberland: „Viertklässler bekommen Übertrittszeugnisse - Kritik kommt vom Lehrerverband“
» BLLV zum Thema: „Übertritt nach der Grundschule: Besuchen wirklich immer mehr Kinder das Gymnasium?“
Zu viele Fehlentscheidungen
Startseite Topmeldung
„Die Aufteilung beim Übertritt ist nicht valide“
Heute erhalten Schüler:innen der vierten Klasse ihr Übertrittszeugnis, nach oft belastenden Wochen. Dabei führt der bayerische Sonderweg zu vielen falschen Entscheidungen, kritisiert BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Sie fordert eine zeitgemäße Leistungskultur.