Das BLLV-Referat GLEICHBERECHTIGT! traf sich zur Klausurtagung in Leipzig, um die gleichstellungspolitische Arbeit für die kommenden Jahre weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt standen die politischen Forderungen des Referats, die Vorbereitung der kommenden Landesdelegiertenversammlung und die gemeinsame Frage, wie Gleichstellung im Verband und in der Gesellschaft weiter vorangebracht werden kann.
Leipzig – ein besonderer Ort der Demokratiegeschichte
Leipzig bot dafür einen besonderen Rahmen. Die Klausurtagung fand in einem beeindruckenden Gebäude der Universität Leipzig statt, das der gemeinsamen Arbeit eine besondere Atmosphäre verlieh. Zugleich führte der Tagungsort mitten hinein in die Demokratiegeschichte der Stadt.
Leipzig spielte während der Friedlichen Revolution 1989 eine zentrale Rolle. Mit den Montagsdemonstrationen, die insbesondere von der Nikolaikirche ausgingen, wurde die Stadt zu einem wichtigen Ort des Protests gegen die SED-Diktatur und zu einem Symbol für den Mut vieler Menschen, die sich für Freiheit, Demokratie und gesellschaftliche Veränderung einsetzten.
Die Erinnerung an diese Zeit machte deutlich, dass demokratischer Wandel nicht selbstverständlich ist. Er braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Haltung zeigen und sich gemeinsam für Veränderungen einsetzen. Diese Perspektive war auch für die Arbeit des Referats von besonderer Bedeutung: Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe müssen immer wieder aktiv eingefordert und gestaltet werden.
Auf den Spuren der Frauenbewegung
Auf den Spuren von Louise Otto-Peters und Henriette Goldschmidt beschäftigten sich die Teilnehmenden außerdem mit den Anfängen der deutschen Frauenbewegung. Die historischen Einblicke machten deutlich, wie mutig Frauen bereits im 19. Jahrhundert für Bildung, politische Teilhabe und gleiche Rechte kämpften – und wie aktuell viele ihrer Forderungen geblieben sind.
Die Verbindung von Frauenbewegung, Demokratiegeschichte und gesellschaftlichen Transformationsprozessen eröffnete neue Blickwinkel und regte zum Nachdenken an. Diese Impulse flossen in die anschließende inhaltliche Arbeit ein.
Beharrlich um Positionen ringen
Im Mittelpunkt der Arbeitssitzungen an der Universität Leipzig standen die politischen Forderungen des Referats und die Vorbereitung der kommenden Landesdelegiertenversammlung des BLLV.
Um die Anträge wurde intensiv und beharrlich gerungen. Unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Einschätzungen wurden zusammengetragen, diskutiert und weiterentwickelt. Ziele wurden geschärft, Argumente präzisiert und Positionen auf ihre politische Tragfähigkeit hin überprüft. So entstanden neun Anträge, die die inhaltliche Arbeit des Referats sichtbar machen und konkrete gleichstellungspolitische Anliegen aufgreifen.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Sichtbarmachung und Anerkennung unbezahlter Sorge- und Pflegearbeit. Diese gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit wird noch immer überwiegend von Frauen geleistet und hat häufig erhebliche Auswirkungen auf berufliche Entwicklung, finanzielle Unabhängigkeit und Alterssicherung. Hier braucht es mehr Anerkennung und gerechtere Rahmenbedingungen.
Darüber hinaus wurden weitere gleichstellungspolitische Forderungen geschärft, Ideen für die zukünftige Verbandsarbeit entwickelt und der Aufbau einer Awareness-Struktur innerhalb des BLLV erörtert. Die intensive Auseinandersetzung mit den Themen zeigte, wie wichtig es ist, politische Forderungen gemeinsam zu entwickeln, kritisch zu prüfen und mit klarer Haltung zu vertreten.
Austausch über Verbandsgrenzen hinweg
Ein besonderer Höhepunkt war der Dinner-Talk mit Nannette Seidler, Landesvorsitzende des SBB Beamtenbund und Tarifunion Sachsen. In persönlicher Atmosphäre ging es um aktuelle gleichstellungspolitische Herausforderungen, gewerkschaftliche Interessenvertretung und die Bedeutung starker Netzwerke.
Neben der inhaltlichen Arbeit blieb Raum für persönliche Gespräche, gemeinsames Lachen und neue Eindrücke. Das stärkte die Verbindung innerhalb des Referats und schuf zusätzliche Motivation für die kommenden Aufgaben.
Mit klarer Haltung nach vorne
Die Klausurtagung in Leipzig verband historische Impulse, besondere räumliche Rahmenbedingungen und intensive politische Arbeit. Sie machte deutlich, dass gesellschaftlicher Wandel möglich ist, wenn Menschen sich zusammenschließen, beharrlich um Ziele ringen und für ihre Überzeugungen einstehen.
Mit geschärften politischen Positionen, konkreten Forderungen und neuen Ideen geht das Referat GLEICHBERECHTIGT! nun in die Vorbereitung der Landesdelegiertenversammlung.
Denn Gleichberechtigung ist kein Selbstläufer. Sie braucht Haltung, Beharrlichkeit, gegenseitiges Vertrauen und Menschen, die gemeinsam etwas bewegen wollen.