Wieder einmal ist die Förderlehrerin mit ihren Schülerinnen und Schülern auf der Suche nach einem Raum, in dem sie gemeinsam in Ruhe und Konzentration arbeiten können. Heute kann sie nicht in das Zimmer, das sie sich mit den Lehrkräften für den Religionsunterricht und der Schulberatung teilen soll. Gestern waren sie im alten Physiksaal, vorgestern in einer Ecke auf dem Flur. Es ist ihr täglicher Kampf für sich und für ihre Schülerinnen und Schüler eine angemessene und förderliche Lernumgebung zu finden und zu schaffen. Ihre speziellen Materialien, die sie für die Förderung braucht und sich auch selbst angeschafft hat, trägt sie täglich von zu Hause in einer großen Tasche in die Schule und dann von Raum zu Raum – und wieder nach Hause zurück. In der Schule kann sie diese nicht deponieren – es gibt keine abschließbare Räumlichkeit für ihr Material.
So sieht der Alltag vieler Förderlehrerinnen und Förderlehrer an den bayerischen Schulen aus. Als die alten Schulen gebaut wurden, gab es dieses Berufsbild noch gar nicht und bei den Neubauten fallen eigene Räume für Förderlehrerinnen und Förderlehrer oft aus Kostengründen weg oder werden einfach schlicht vergessen.
Effektive Förderung braucht förderliche Bedingungen
Dabei ist es gerade für eine effektive Förderung von Schülerinnen und Schülern mit ihren verschiedenen Bedarfen wichtig, feste Umgebungen, Rituale und Vertrautheit zu schaffen, damit sie sich vollständig auf die Lerninhalte konzentrieren können und sie nicht jeden Tag aufs Neue von Äußerlichkeiten abgelenkt werden. Auch brauchen Förderlehrerinnen und Förderlehrer eine Möglichkeit, ihre didaktischen Materialien und Lernhilfen sicher aufzubewahren und jederzeit zur Verfügung zu haben, da sich während einer Förderung immer auch eine Situation ergeben kann, die eine spontane Änderung der geplanten Lernwege und -szenarien erfordert.
Eine Umfrage des BLLV unter den Förderlehrerinnen und Förderlehrer in Bayern ergab, dass 28 % der Teilnehmenden keinen eigenen Raum zur Verfügung haben, obwohl im KMBek v. 23.09.2014 explizit vorgegeben ist, dass die „Einsatzschulen über Räume verfügen müssen, die für den Einsatz von Förderlehrerinnen und Förderlehrern geeignet sind.“
Effektive Förderung braucht förderliche Raumkonzepte
Abstell- und Lagerräume, leerstehende Büros oder nicht (mehr) benutze Fachräume für Musik, Werken, Physik oder mehrfach belegte Räume sind sicher ebenso wenig als „geeignet“ zu betrachten, wie dunkle, muffige Räume in Kellern oder weit abseits der Klassenzimmer.
Deshalb ist es notwendig, bereits bei der Planung von Um- oder Neubauten von Schulhäusern mindestens einen geeigneten Raum für den Einsatz von Förderlehrkräften vorzusehen – unabhängig davon, ob aktuell an der Schule eine Förderlehrerin oder ein Förderlehrer arbeiten.
Von der Größe her wäre ein Raum mit den Dimensionen eines Klassenzimmers die beste Lösung für alle Beteiligten, da damit auch dann vielfältigste Nutzungsmöglichkeiten für Förderung bestehen, selbst wenn keine Förderlehrkraft an der Schule arbeitet. Als Mindestgröße sind die Maße eines halben Klassenzimmers anzusetzen.
Nicht geeignet erscheinen Differenzierungsräume, die besonders bei neuen, offenen Lernlandschaften direkt mit Klassenzimmern verbunden werden, da damit einerseits den Klassenlehrkräften eine Möglichkeit zur spontanen Differenzierung genommen wird, andererseits die zu erwartenden Irritationen durch Geräuschübertragungen und andere Störungen einer effektiven Arbeit von Förderlehrkräften entgegenstehen und eine Mehrfachnutzung sich als problematisch erwiesen hat.
Effektive Förderung braucht förderliche Infrastruktur
Die Ausstattung dieser Räume darf keinesfalls hinter Klassenräumen zurückstehen. Auch Förderlehrerinnen und Förderlehrer brauchen und nutzen für ihre tägliche Arbeit moderne Medien und Geräte. Es müssen ausreichend Schränke, Regale und andere Aufbewahrungssystem zur Verfügung stehen, damit das vielfältige und meist auch wertvolle Fördermaterial sicher und geordnet abgelegt werden kann.
Als zweckmäßig erwiesenhaben sich Einzeltische, die ggf. auch höhenverstellbar sind, da diese den vielfältigen Bedürfnissen einer individuellen und zielgerichteten Förderung am besten gerecht werden. Wenn dann auch die Sitzmöbel entsprechend höhenverstellbar sind, ist es problemlos möglich, die Schüler mehrerer Jahrgangsstufen dort abwechselnd zu unterrichten.
Wie Klassenlehrkräfte benötigen Förderlehrerinnen und Förderlehrer ebenfalls einen eigenen Arbeitsplatz in ihrem Zimmer, der auch mit abschließbaren Fächern ausgestattet sein muss, um die förderlehrerspezifischen Unterlagen (Schülerbeobachtungen, Lernstandsanalysen, usw.) gesichert abzulegen.
Beste Förderung gelingt nur unter besten Bedingungen
Jede Förderung durch Förderlehrerinnen und Förderlehrer kann nur dann effektiv sein, wenn die Förderkonzepte und die Förderumgebung den Bedarfen der Schülerinnen und Schüler entsprechen. Die besten Förderkonzepte sind jedoch stets zum Scheitern verurteilt, wenn die Lernumgebung nicht auch die entsprechend förderliche Atmosphäre bereitstellt. Für die angemessenen Förderkonzepte sorgen die Förderlehrerinnen und Förderlehrer – für die angemessene Lernumgebung müssen die Sachaufwandsträger sorgen. Nur so kann beste Förderung zum Wohle der Schülerinnen und Schülern gelingen.
Förderung mit Hindernissen – aus dem Alltag von FÖL
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Effektive Förderung braucht effektive Räume
Wenn individuelle Förderung gelingen soll, braucht es lernförderliche Räume, die konzentrierte und störungsfreies Lernen erlauben. Förderlehrkräfte brauchen zudem professionelle Infrastruktur für Arbeit und Materialien, stellt BLLV-Experte Jochen Fischer klar.