Von Fehlern, Abenteuern und dem Mut, an sich zu glauben
Diese Buchtipps zeigen, dass es okay ist, wenn Fehler passieren und dass daraus manchmal wunderbare Dinge entstehen können. Außerdem erleben die Leser:innen abenteuerliche Reisen, bei denen es auch darum geht, an sich zu glauben und den Mut nicht zu verlieren.
Fehler machen ist doch ganz normal
Von Andrea Schütze
- Mit Illustrationen von Sandra Reckers
- Verlag: Loewe
- ISBN: 978-3-7432-2428-5
- Preis: 10,95 Euro
- Seiten: 45
- Altersempfehlung: ab 5 Jahren
Lotta misslingt an diesem Tag viel. Alles scheint schiefzugehen. Das bedrückt sie und macht sie wütend und traurig zugleich. Doch ein Gespräch mit ihrem Papa hilft ihr zu erkennen, dass jedem Fehler unterlaufen.
Dieses Kinderbuch thematisiert kindgerecht und anschaulich das Thema „Fehler machen“ und will ihnen die Angst davor nehmen. Es eignet sich hervorragend zum Vorlesen, aber auch für junge Erstleser. Ein gemeinsames Gespräch zu dieser Thematik bietet sich sicherlich an - im Elternhaus, Kindergarten oder in der Schule.
Inhalt
Lotta hat ein Buch gelesen mit dem Titel „Friederike Fehlerfrei“. Das hat ihr gar nicht gefallen, denn ihr passieren ständig Fehler und Missgeschicke. So auch an diesem Tag. Sie durchnässt ihre Hausschuhe, kippt ihre Müslischale um, fällt in eine riesengroße Wasserpfütze und so geht es weiter. Und dann fängt oft ihr Bauch an zu zwicken.
Aber Lotta schafft es auch, aus Fehlern zu lernen. So gelingt es ihr beim zweiten Versuch, wunderbare Papierkraniche zu basteln, und nun kann sie dies Mo zeigen. Bei einem wichtigen Gespräch mit ihrem Papa erkennt sie, dass man sich für manche Fehler entschuldigen sollte. Manchmal sind sie sogar zu etwas nütze. Letztendlich sollte keiner Angst vor Fehlern haben, denn Fehler machen alle.
Bewertung
Ein normaler Tag in einem Kinderleben, an dem ganz viel schiefgeht und misslingt. Das Buch erzählt ausführlich und kindgerecht, was und wie alles passiert. Neologismen wie Hopsasa-Tag sprechen Vorschulkinder und junge Grundschüler an. Nicht nur die Sprache, sondern auch die vielen farbigen, ausdrucksstarken Illustrationen eignen sich wunderbar für diese Zielgruppe.
Inhaltlich ist das Buch bestens geeignet Kindern die körperlichen Folgen von Fehlern zu zeigen, wie Bauchzwicken oder einen roten Kopf bekommen. Es will aber auch Angst vor Fehlern nehmen, denn jedem unterlaufen Fehler, sie sind menschlich und aus diesen kann man oft etwas lernen.
Hasel - Wir und das Klassentier
Von Davide Cali
- Illustrationen: Annick Masson
- Übersetzung: Tobias Scheffel
- Verlag: dtv
- ISBN: 978-3-423-76620-3
- Preis: 13,00 Euro
- Seiten: 63
- Altersempfehlung: ab 8 Jahren (ab 6 Jahren zum Vorlesen)
Ein Wochenende mit dem Kuscheltier und Maskottchen Hasel zu verbringen und dann darüber zu berichten, ist das große Projekt in Maliks Klasse. Als Malik endlich an der Reihe ist, verliert er Hasel gleich am ersten Tag. Doch alles nimmt ein gutes Ende.
Eine sehr warmherzige und aus dem Leben gegriffene Geschichte, die mit dem gut lesbaren Text und ihren wunderschönen Illustrationen sehr geeignet ist als erste Ganzschrift.
Inhalt
Als Maliks Grundschullehrerin eines Tages im Oktober ein Kuscheltier mit in den Unterricht bringt und als Klassenmaskottchen vorstellt, sind alle begeistert - noch mehr, als sie ankündigt, dass jedes Wochenende ein anderes Kind Hasel - auf diesen Namen einigt sich die Klasse - mit nach Hause nehmen darf. Der Wochenendaufenthalt soll dann mit Fotos und Tagebucheinträgen dokumentiert werden. Malik ist sehr aufgeregt, denn er weiß, dass da ein Wettbewerb entstehen wird, wer die tollsten Sachen mit Hasel unternommen hat. Er fürchtet, allerdings, mit den anderen nicht mithalten zu können, weil seine Eltern an den Wochenenden immer sehr beschäftigt sind.
Und tatsächlich: Als er an der Reihe ist, ist es seine Oma, mit der er das Wochenende verbringen soll. Die Tage mit ihr sind in seinen Augen immer eher langweilig. Es kommt, wie er befürchtet hat: Sie nimmt ihn – und natürlich Hasel – mit in ein Altenheim. Dort nehmen die Dinge allerdings einen überraschenden Verlauf. Sehr positiv ist, dass Malik von den alten Herrschaften großen Applaus bekommt, als er ihnen vorliest. Dann aber passiert die Katastrophe: Hasel ist verschwunden. Malik sieht schon vor sich, wie er als „der Junge, der Hasel verloren hat“ in Erinnerung bleiben wird. Es kommt aber ganz anders. Am Ende hat ausgerechnet er das schönste Abenteuer erlebt und erhält dafür großen Applaus in seiner Klasse. Und es gibt ein neues Klassentier – Nuss genannt.
Bewertung
„Hasel. Wir und das Klassentier“ ist eine sehr warmherzige Geschichte, der mit dem Klassentier und den damit verbundenen Aufgaben für die Kinder eine tolle Projektidee zugrundliegt, die vielleicht von der einen oder anderen Lehrkraft für den eigenen Unterricht aufgegriffen werden könnte. Die Situation in der Klasse und Maliks Erlebnisse sind dabei aus dem Leben gegriffen. Wer könnte die Herausforderung, die Malik empfindet und seine Gefühle nicht nachvollziehen – insbesondere, als das Klassentier verschwunden ist? So atmet man gemeinsam mit Malik auf, als sich herausstellt, wo Hasel abgeblieben ist. Und auch die am Ende gefundene Lösung für das Problem, dass Hasel dort bleiben soll, wo er gefunden worden ist, findet die ungeteilte Zustimmung des Lesers.
Die zahlreichen wunderschönen farbigen Zeichnungen illustrieren die Handlung kongenial und erleichtern noch ungeübteren Leser:innen das Erlesen des gut lesbaren Textes, der sich sicher als erste Ganzschrift eignet. Der Verlag bietet umfangreiches Unterrichtsmaterial an, das über einen QR-Code hinten im Buch aufgerufen werden kann.
Jetzt ist die beste Zeit von allen
Von Erin Entrada Kelly
- Übersetzung: Beate Schäfer
- Verlag: dtv Reihe Hanser
- ISBN: 978-3-423-64135-7
- Preis: 16,00 Euro
- Seiten: 279
- Altersempfehlung: ab 11 Jahren
Der 12-jährige Michael lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer eintönigen Wohnsiedlung in Delaware. Seine größte Angst: Das Jahr-2000-Problem, die Frage, ob in der Silvesternacht alle Computersysteme versagen werden und Chaos ausbricht. Als er am 17. August 1999 auf den merkwürdigen Ridge trifft, der von sich behauptet, ein Zeitreisender zu sein, beginnt für Michael das Abenteuer seines Lebens.
„Jetzt ist die beste Zeit von allen“ ist eine sehr unterhaltsame, spannende Geschichte mit einer überraschenden Pointe am Ende, mit sympathischen Protagonisten und einigem Tiefgang.
Inhalt
Der 12-jährige Michael lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter in einer eintönigen Wohnsiedlung in Delaware. Er hat es nicht leicht: Sie haben ständig Geldnot, er ist ein stiller und insbesondere ängstlicher Außenseiter, besonders in der Schule, und am schlimmsten: Er hat riesige Angst vor dem Jahreswechsel, denn er fürchtet das Y2K-Problem, also den Zusammenbruch aller Computersysteme in der Silvesternacht. Heimlich hortet er u.a. Lebensmittel unter seinem Bett, die er teilweise sogar stiehlt, um für sich und seine Mutter vorzusorgen.
Es ist der 17. August 1999. Mit einem überraschenden Problem werden Michael und seine „Babysitterin“ Gibby, in die er heimlich verliebt ist, an diesem Tag konfrontiert, als sie in der Wohnsiedlung auf den merkwürdig gekleideten Ridge treffen. Dieser ist 16 und behauptet, mit Hilfe eines RTM, eines Raumzeitteleportationsmoduls, als Zeitreisender aus der Zukunft, genauer aus dem Jahr 2199, in ihre Zeit gekommen zu sein. Er sei nämlich ein absoluter Fan des Jahres 1999 - die beste Zeit von allen - und habe sich unerlaubterweise des von seiner Mutter und anderen Wissenschaftlern entwickelten RTM bedient, als Erster überhaupt. Sein größter Wunsch: Er möchte eine Mall sehen, ein typisch amerikanisches Einkaufszentrum der ausgehenden 1990er Jahre, etwas, das es in seiner eigenen Zeit längst nicht mehr gibt. Seine große Angst dabei ist allerdings, dass er den Lauf der Geschichte ändert, indem er in dem Timeprint, also in der Zeit, in die er gereist ist, etwas Relevantes verändert.
Es gelingt ihm, Michael und Gibby davon zu überzeugen, dass er wirklich ein Zeitreisender ist. Sie erfüllen ihm auch seinen größten Wunsch. Danach will Ridge so schnell wie möglich zurückkehren in seine eigene Zeit, doch nun wird es schwierig: Das EGG, das Gerät, das die Raumzeitteleportation möglich macht, funktioniert nicht.
Bewertung
Die Leserinnen und Leser haben den Protagonisten gegenüber stets einen großen Wissensvorsprung. Eingeschoben in die Handlung sind nämlich kurze Mitschnitte von Gesprächen, die im Labor an der University of Delaware im Jahr 2199 stattfinden. Dort versuchen Ridges Mutter, wissenschaftliche Leiterin des RTM-Projekts, und seine Geschwister verzweifelt, Ridges Rückkehr technisch zu ermöglichen.
Ausschnitte aus dem „Teleportationskompendium für die Jahrtausendwende (1980 -2020)“, das Ridges Mutter verfasst hat, um den möglichen Zeitreisenden die Zeit, in die sie reisen, und deren Besonderheiten zu erklären, eröffnen eine ganz neue, witzige Perspektive auf die Gegebenheiten im Amerika der Jahrtausendwende – auch für heutige Jugendliche ist da sicher manches ungewohnt, z.B. Videotheken oder ein Netflix, das noch nicht zum Alltagsangebot geworden ist.
„Jetzt ist die beste Zeit von allen“ ist eine spannende Geschichte mit einer überraschenden Pointe am Ende, mit sympathischen Protagonisten und einigem Tiefgang, beschäftigt sie sich doch ganz nebenbei auch mit durchaus philosophischen Fragestellungen, wenn es zum Beispiel darum geht, welche Rolle der Einzelne im Lauf der Weltgeschichte spielt oder wenn Michael und Gibby darüber nachdenken, dass es „zum Leben gehört, Sachen nicht zu wissen“ – man also auch Ängste aushalten muss, ohne den Mut zu verlieren. So ist es schlüssig, dass Michael sich in der kurzen Zeitspanne der erzählten Zeit durchaus weiterentwickelt und an Selbstsicherheit und Lebenszuversicht gewinnt. Sehr empfehlenswert!
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