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Diskussion um Lehrpläne nach PISA Startseite Topmeldung
Kompetenzorientierung Bildungsqualität Differenzierung Individuelle Förderung Lehrplan Phänomenologisches Lernen Schülerzentriert

„Die Frage ist: Was muss drinstehen, um die nötigen Kompetenzen zu erreichen?“

Der Bayerische Rundfunk sieht bei PISA-Gewinnern schlankere Lehrpläne und fragt nach möglichen Kürzungen. BLLV-Experte Roland Kirschner plädiert für eine noch stärkere Ausrichtung auf Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler brauchen.

Lehrpläne sind in Deutschland ein heikles Thema. Zum einen, weil die Verbindung aus Bildungsföderalismus und gemeinsamen bundesweiten Zielen Reformen enorm kompliziert macht. Zum anderen, weil Lehrpläne historisch schon immer auch ein Aushängeschild politischer Ausrichtungen waren und dadurch Pädagogik manchmal nicht das prioritäre Maß der Ausgestaltung ist.

Nach den schlechten PISA-Ergebnissen läuft nun wieder eine Debatte um die „richtigen“ Inhalte. Der Bayerische Rundfunk vergleicht Lehrpläne von Ländern, die in PISA besser abschneiden und stellt fest: Dort wird weniger Stoff unterrichtet, dafür werden die Inhalte bewusst vertieft behandelt.

Weniger wäre tatsächlich mehr

Das sieht Roland Kirschner im Expertengespräch prinzipiell erst mal als richtigen Ansatz: „Ich fände es besser, wenn es weniger wäre, weil man dann natürlich auch mehr Zeit hätte, den Stoff tiefer und intensiver zu behandeln“, so der Leiter der Fachgruppe Gymnasium im BLLV gegenüber BR24.

Beim was und wie werde es aber kompliziert: „Wenn Sie mich jetzt fragen, was ich rausnehmen würde, wird das schwierig. Weil da habe ich schon Ideen. Aber mein Kollege, der neben mir sitzt, hat wahrscheinlich ganz andere. Und im Lehrplan ist auch nichts drin, wo man sagt, das ist jetzt völliger Blödsinn.“

Wie funktioniert erfolgreiches Lernen am besten?

Bildungsforscher Eckhard Klieme plädiert gegenüber dem BR auch für mehr fächerübergreifendes Lernen und propagiert damit auch den Ansatz eines ganzheitlichen, phänomenologischen Lernbegriffs, für den sich der BLLV seit Langem stark macht.

Daher sieht auch Roland Kirschner die Frage nach Streichungen als zu kurz gegriffen: „Vielleicht müsste man die Frage ganz anders stellen: Welche Kompetenzen müssen Schülerinnen und Schüler haben? Und dann wäre die nächste Frage: Mit welchen Inhalten lassen sich diese Kompetenzen erreichen? Also weniger die Frage: Was soll raus? Sondern die Frage: Was muss rein?“

Verstehen und anwenden statt nur auswendig lernen

Der BLLV setzt sich indes nicht nur für ein weitere Stärkung der Kompetenzorientierung in den Lehrplänen ein, sondern auch für individualisierte Lernprozesse. BR24 verweist dazu auch direkt auf das Modulsystem, das der BLLV fürs Gymnasium erarbeitet hat. Damit lassen sich Lerntempo und Vertiefung von Inhalten individuell an unterschiedliche Phasen und Herausforderungen in Lernbiografien von Schüler:innen anpassen. Lehrkräfte können dabei persönlich begleiten und sich auf die pädagogische Arbeit fokussieren, die Kinder und Jugendliche auf ihrem persönlichen Weg wirklich weiterbringt.

Daraus leitet der Bayerische Rundfunk selbst eine entscheidende Erkenntnis ab: „Letztendlich macht ein schlankerer Lehrplan noch keinen besseren Unterricht. Entscheidend ist, was die Schülerinnen und Schüler wirklich verstanden haben.“ 

» zum Bericht bei BR24: „Nach PISA: Die Lehrpläne sind zu voll – aber was kann raus?