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„Wir können es uns nicht leisten, Menschen mit Einser-Abi so abzuwerten!“

In der Diskussion um häufige Einser-Abis werden Schüler:innen und Lehrkräfte pauschal abgewertet, kritisiert BLLV-Präsidentin Fleischmann im Münchner Merkur: „Wir brauchen Menschen, die stolz auf ihre Noten sind und mit viel Motivation Zukunft gestalten!“

Weil der Notendurchschnitt der etwa 30.000 Abiturient:innen in Deutschland in diesem Jahr mit 2,13 etwas besser ausgefallen ist als in den G8-Jahren, ist eine Debatte um eine „Einser-Schwemme“ und mangelnde Aussagekraft des Abiturs entbrannt.

Aus Sicht von BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann ist das ein Schlag ins Gesicht der Jugendlichen, die lange und hart für ihren Abschluss gearbeitet haben: „Wir können doch jetzt nicht allen, die einen Einser im Abitur haben, sagen: Das ist die Generation Alpha, die leistet ja nichts“, so Simone Fleischmann im Interview mit dem Münchner Merkur. „Das finde ich fatal – und es ist dreist gegenüber Lehrern und Schulleitern! Es ist eine Unterstellung: Wer gute Noten hat, der hat sie gar nicht verdient. Dass also jeder, der ein gutes Abitur hat, im Grunde ein Depp ist. Das schwingt da mit.“

Elitär statt fair?

Das gelte besonders in Bayern, wo Schule besonders leistungsorientiert aufgesetzt sei und entsprechende Anforderungen gestellt werden. „Das bayerische Abitur lässt sich nicht mit dem Bremer oder dem Thüringer Abitur vergleichen, wir haben unterschiedliche Standards“, stellt Fleischmann klar. 

Aber nicht nur die Note 1 ist hier schwerer zu erreichen – überhaupt erst aufs Gymnasium zu kommen ist in Bayern, das bundesweit Schlusslicht beim chancengerechten Zugang ist, deutlich schwieriger und so stark vom Elternhaus abhängig wie nirgendwo sonst. Bundeseinheitliche Standards bei Strukturen, Lehrplänen und Lernkonzepten werde es aber auf absehbare Zeit aber trotzdem nicht geben, meint die BLLV-Präsidentin.

Demotivation bringt keinen Kompetenzzuwachs 

Die Rückmeldung von Universitäten und Berufsschulen, dass trotz besserer Noten weniger Kompetenzen bei den Absolvent:innen vorhanden seien, müsse man ernst nehmen, betont Simone Fleischmann. Darauf gäbe es aber keine einfachen Antworten. Und mit dem Finger auf die Jugendlichen zu zeigen, hilft sicher nicht weiter, warnt die BLLV-Präsidentin:

„Wir brauchen starke Schülerinnen und Schüler. Wir brauchen Menschen, die Lust haben, die Gesellschaft zu gestalten, die stolz auf ihre Noten sind und mit viel Motivation ins Berufsleben gehen. Wir dürfen keinen einzigen verlieren – und dürfen ihnen am Schluss nicht die Note madig machen!“

» zum Bericht des Merkur: “‘Wir schmeißen keine Einser hinterher‘ – Lehrer-Präsidentin verteidigt guten Abi-Schnitt in Bayern“